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Tourismus

Reisebetrieb eingestellt

Der Reiseanbieter Tui holt Kunden nur noch zurück, Fluglinien reduzieren die Verbindungen drastisch. Das Coronavirus beutelt die ganze Branche.

17.03.2020

Von CAROLINE STRANG

Nichts geht mehr: Der fast leere Flughafen von Palma de Mallorca. Foto: Clara Margais

Berlin. Die Meldungen aus der Reisebranche überschlagen sich. Der Flugbetrieb wird von allen wichtigen Airlines deutlich eingeschränkt, der Reiseveranstalter Tui stoppt einen Großteil der Geschäftstätigkeit, verschiedene Institutionen rufen nach Hilfe für eine Branche in Not. Wann sich die Situation bessert und ob es überhaupt ein Oster- oder Sommerferiengeschäft geben wird, kann niemand sagen.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) berichtet nach einer Blitzumfrage unter mehr als 800 Unternehmen der Branche von erheblichen Umsatzeinbußen, die bis zu 75 Prozent reichen: „Dies bedroht Beschäftigung und schadet der Liquidität der Unternehmen.“ Die gesamte Reisekette sei gestört, schreibt der DRV. Reisebüros verzeichneten eine rückläufige Kundenfrequenz, Stornierungen und kaum Neubuchungen. Kreuzfahrtunternehmen verzeichneten deutliche Umsatzeinbrüche und Reiseveranstalter ein erhebliches Minus bei Neubuchungen. Dazu sitzen mehrere tausend Deutsche im Ausland fest. Vor allem aus der Türkei, Marokko, Indonesien und den Philippinen haben Bundesbürger laut Auswärtigem Amt Schwierigkeiten, zurückzukehren. Grund sind Reisebeschränkungen und Grenzschließungen.

Zurückholen will Tui, der größte Reisekonzern der Welt, seine Kunden noch, abgesehen davon wird der Großteil des Reisegeschäfts beendet. „Der Tui-Konzern hat in Übereinstimmung mit der Vorgabe der jeweiligen Regierungen beschlossen, den größten Teil aller Reiseaktivitäten, einschließlich Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb, bis auf weiteres auszusetzen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Konzern aus Hannover will außerdem einen strikten Sparkurs einschlagen, in der Mitteilung bezeichnet als „einschneidende Kostenmaßnahmen“, und beim Bund Staatshilfen als Überbrückung beantragen. Tui verfügt laut eigenen Angaben über Finanzmittel und verfügbare Kreditfazilitäten in Höhe von rund 1,4 Mrd. EUR, „wobei vor Covid-19 die bisherige Entwicklung seit Geschäftsjahresbeginn den Erwartungen entsprach“. Mitarbeiter sollen Überstunden und Urlaubstage abbauen und unter Umständen in Kurzarbeit gehen, so die Pläne.

Auch bei vielen Fluglinien gibt es Einschnitte. Europas größter Billigflieger Ryanair streicht wegen der Corona-Krise sein Flugprogramm um bis zu 80 Prozent zusammen. Betroffen sind die Monate April und Mai. Die Führungsspitze will während dieser Zeit die Betriebskosten drücken. Mitarbeiter sollen zum freiwilligen Ausstieg aus ihren Arbeitsverträgen bewegt werden. Zudem will Ryanair die Arbeitszeiten und auch die Bezahlung zurückfahren.

Auch der Ferienflieger Condor hat etliche Flüge in beliebte Feriengebiete gestrichen, weil deutsche Bürger dort nicht mehr einreisen dürfen. Auch die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) stellt ihren regulären Flugbetrieb vorübergehend ein. Der Touristikkonzern FTI Group sagt alle Reisen bis Ende März ab. Buchungen jeder Reiseart würden bis einschließlich 31. März storniert, teilte das Unternehmen am Montag in München mit. Auch FTI beantragte nun Staatsgarantien.

Branchenexperten befürchten nun eine riesige Pleitewelle in der internationalen Luftverkehrswirtschaft. Ende Mai dürften die meisten Airlines der Welt zahlungsunfähig sein, schreibt die Beratungsgesellschaft Capa. Die Folgen des Coronavirus und die Reiseeinschränkungen hätten bereits jetzt zahlreiche Gesellschaften in die technische Insolvenz getrieben.

Das Auswärtige Amt wird indes auf seiner Internetseite sehr deutlich und rät von Auslandsreisen ab – in dieser Form ist das noch nie vorgekommen. Die Begründung: Es sei mit „weiter zunehmenden drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen“. Das Risiko, dass die Reisenden nicht mehr zurückkommen, sei hoch. Denn Änderungen der Einreise- und Quarantänevorschriften erfolgten teilweise ohne jede Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung. (mit dpa)

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Erstellt:
17. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. März 2020, 06:00 Uhr

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