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Kraftwerk der Gefühle

Reutlingen hat es schon, Tübingen kriegt es jetzt auch: Die New Yorker Metropolitan Oper auf Leinwand

Seit zehn Jahren lassen sich die kostbaren Opernabende der Met auch vom Kinosessel aus verfolgen. Über 2000 Lichtspielhäuser machen weltweit mit, darunter auch rund 180 in Deutschland. Und nun auch Tübingen.

19.06.2015
  • Wilhelm Triebold

Bis jetzt hatte das Reutlinger Cineplex den Alleinvertretungsanspruch in der Region. Doch nun haben die Tübinger Vereinigten Lichtspiele Lamm nachgezogen, weil sie entdeckt heben, es könnte auch vor Ort ein Opernpublikum geben, das die Spitzentöne im zeitversetzten Original, dafür aber zweidimensional in HD-Qualität, goutiert.

Die Stadt Tübingen hat (wie Reutlingen) zwar kein Opernhaus, demnächst aber eine Wallander-Oper zu bieten. Die Metropolitan Opera wartet in ihrem weltweit ausgestrahlten Jubiläumprogramm nun mit einigen bemerkenswerten Aufführungen auf, die dann jeweils zeitgleich in Reutlingen und im Tübinger Studio Museum laufen werden: Am 3. Oktober ein Verdi-„Troubadour“ mit Anna Netrebko als Leonora; am 17. Oktober Verdis „Othello“, den Regisseur Bartlett Sher sehr psychologisch zu deuten versucht; am 31. Oktober Wagners „Tannhäuser“ mit den auch in Stuttgart und Bayreuth recht präsenten Eva-Maria Westbroek und Johan Botha (die Reutlinger Vorankündigung vermeldet kurioserweise: „gesungen in deutsch, mit deutschen Untertiteln“); am 21. November Alban Bergs „Lulu“, dirigiert von James Levine und inszeniert von William Kentridge; am 16. Januar Bizets „Perlenfischer“, unter anderem mit der allseits gefeierten Diana Damrau; am 30. Januar Puccinis „Turandot“ mit Nina Stemme (und von Regisseur Franco Zeffirelli sicher wieder einer Ausstattungsorgie unterworfen); am 5. März mit Jonas Kaufmann Puccinis „Manon Lescaut“, das Regisseur Richard Eyre „ins besetzte Paris Ende (!) der 40er Jahre“ und in einen „Film noir“ versetzt; am 2. April mit „Madama Butterfly“ dann noch ein weiterer Puccini mit Roberto Alagna; am 16. April Donizettis „Roberto Devereux“ (mit Elina Elina Garanca) und last not least am 30. April die „Elektra“ von Richard Strauss, wiederum mit der fabelhaften Nina Stemme in der Hauptrolle. Dies war Patrice Chéreaus letzte Inszenierung, die erst nach seinem Tod von der Mailänder Scala in die Met wanderte.

Ein „Kraftwerk der Gefühle“ hat Alexander Kluge die Opernkunst genannt, auch wegen ihrer überwältigenden Unmittelbarkeit, der man sich gerade live oft kaum entziehen kann. Inzwischen ist aber sogar Bayreuth, das Musterbeispiel für elitäre, teuer bezahlte Ausschließlichkeit, dazu übergegangen, manch klandestine Wagneraufführung in Kinosäle zu exportieren. So lässt sich Katharina Wagners Inszenierung von „Trista und Isolde“ demnächst am 7. August live in über 50 deutschen Kinos verfolgen, in Ländle sind das Mannheim, Stuttgart, Pforzheim und natürlich Baden-Baden.

Und die Eintrittspreise für die „Met live im Kino“? In Reutlingen wie in Tübingen kostet das Abo (zehn Opern) 250 Euro; einzelne Termine in Tübingen 28 Euro, in Reutlingen 30 Euro. Reutlingen betont: nur Vorverkauf, keine Reservierung.

Reutlingen hat es schon, Tübingen kriegt es jetzt auch: Die New Yorker Metropolitan Oper auf

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19.06.2015, 12:00 Uhr

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