Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Altstadtring soll Wege und Takte kürzer machen

Reutlingen nimmt sich Öffentlichen Personennahverkehr vor

Weniger Autoverkehr, Klimaschutz und mehr Lebensqualität: Langsam nehmen diese drei Ziele im Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Reutlingen konkrete Formen an. Am Freitag befasste sich der Gemeinderat in Klausur mit dem Öffentlichen Personennahverkehr.

11.12.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Reutlingen. War es im März dieses Jahres der motorisierte Individualverkehr, nahm sich der Gemeinderat jetzt das Modul ÖPNV vor. Gestern informierte die Stadtverwaltung in einem Pressegespräch über diesen weiteren Aspekt des Verkehrsentwicklungsplans. Wenn die Verkehrsingenieure recht behalten, ist das Konzept mit verbesserter Erschließung, kürzeren Taktzeiten und einem enger geknüpften Netz schon für eine halbe Million Euro zu haben. Noch aber sind die Lücken im Reutlinger ÖPNV groß und müssen bis zu 10.000 Reutlinger weiter als 300 Meter in der Innestadt per pedes zurücklegen, bis sie eine Haltestelle erreichen: In Betzingen beispielsweise sind 1000 Einwohner davon betroffen, im Hohbuch 3000 und in Rommelsbach 2000. Ohnehin abgehängt sind die Bewohner von Hanglagen.

Entscheidend geprägt ist die ÖPNV-Struktur in Reutlingen durch das Rendez-vous-System, indem sämtliche Linien sternförmig der Haltestelle Stadtmitte (ZOB) zugeordnet sind. Das macht das Liniennetz übersichtlich, und es erleichtert das Umsteigen am ZOB. Alles in allem entspreche das Angebot dem Standard des Verbandes Deutsches Verkehrsbetriebe (VDV), auch wenn nur rund 15 Prozent der Reutlinger im Einzugsbereich eines regelmäßigen Zehn-Minuten-Takts wohnen.

Allerdings weist der Busverkehr, laut Sebastian Hofherr vom Planungsbüro R+T, aber deutliche Schwächen auf. Eine davon: die geringe Erschließungsqualität in der Innenstadt und neben den allzugroßen Einzugsbereichen auch Taktlücken. Obendrein lasse das (vom Anschlusssystem bedingte) starre Fahrplankorsett Fahrplanänderungen nur in sehr geringem Umfang zu.

Für eine deutliche Verbesserung des ÖPNV-Angebots schlagen die Verkehrsplaner drei Bausteine vor:

Mit einem Altstadtring, auf den die Busse geleitet werden, könnte die Innenstadt (Stadtbahn inklusive) so erschlossen werden, dass in Garten- und Metzgerstraße sowie im Ledergraben zwölf Kurse zusätzliche Haltestellen bedienen. Der Baustein beinhaltet die Aufgabe des Rendez-vous-Systems sowie eine Umsteigehaltestelle am Bahnhof mit kürzeren Wegen zur Schiene, aber auch in die Oststadt. Auf dem Altstadtring ließe sich ein Fünf-Minuten-Takt mit Umsteigezeiten von 2,5 Minuten etablieren. Mit rund drei Millionen Kilometern blieben die Fahrplankilometer konstant, die Fahrplanstunden würden sich sogar von 150.000 auf 148.000 reduzieren. Es sei mit einer Zunahmen der Fahrgäste um 600.000 auf 8,8 Millionen jährlich zu rechnen und damit der Altstadtring kostenneutral zu haben.

Den zweiten Baustein des verbesserten ÖPNV-Konzepts sehen die Planer in einem 15-Minuten-Takt auf allen Linien (außer in „nachfrageschwachen Gebieten“). Das würde die Fahrplanstunden allerdings auf 165.000 erhöhen und die Kilometerzahl um weitere 500.000 auf 3,5 Millionen. Den Mehrkosten von 1,23 Millionen Euro stünden aber zusätzliche Einnahmen gegenüber, sodass (Altstadtring inklusive) ein Zuschuss von 500.000 Euro nötig wäre.

Der dritte Baustein sieht den Ausbau des Netzes vor, das die Regionalstadtbahn mit den Bussen des Stadtverkehrs verbindet und neue Verknüpfungspunkte vorsieht. Damit käme man auf 3,8 Millionen Fahrplankilometer, 188.000 Fahrplanstunden und 10,3 Millionen Fahrten im Jahr. Alles zusammengerechnet, bleiben an der Stadt 0,8 Millionen Euro hängen – ein Abmangel, der sich möglicherweise durch einen Zuwachs im Ziel- und Quellverkehr (aus den umliegenden Gemeinden) auf 0,5 Millionen Euro reduzieren lässt.

Die Stadt könnte von einem anderen Effekt profitieren: Mehr und besserer ÖPNV dürfte den Kfz-Verkehr um 5000 Fahrzeuge mindern – wobei freilich von einem Sockel von derzeit rund 400.000 Fahrten pro Tag auszugehen ist.

Erst der motorisierte Individualverkehr, jetzt der ÖPNV: Die Reutlinger Stadtverwaltung dekliniert ihren Verkehrsentwicklungsplan nach Modulen. Für das Frühjahr kündigte die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz die dritte Klausurtagung des Gemeinderats an. Das Thema ist dann der Fuß- und Radverkehr. Mit den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen werden nun das Mobilitätsforum und die Bezirksgemeinden befasst.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.12.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball