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Ein unfreundlicher Akt?

Reutlingen will bei Plänen für Wannweils Alte Spinnerei mitreden

Der Nachbar Reutlingen befürchtet Konkurrenz für den Handel in Betzingen durch die geplanten neuen Märkte in Wannweils Alter Spinnerei.

18.09.2012
  • Matthias Reichert

Wannweil /Reutlingen. „Das ist fast an der Markungsgrenze, das ist vor der Betzinger Haustür“, regt sich Betzingens Bezirksbürgermeister Thomas Keck auf. Er hat aus der Presse von den Plänen erfahren. Dabei sei Wannweil laut Baugesetzbuch verpflichtet, die Nachbarstadt Reutlingen bei den Planungen einzubeziehen. Im Bezirksgemeinderat sagte Keck vorige Woche: „Das ist eine klare Verletzung der Vorgaben der Raumordnung, man könnte das auch als unfreundlichen Akt bezeichnen.“

Wie berichtet, plant die Metzinger Holy AG in der Industriebrache am Wannweiler Ortseingang ein neues Wohngebiet, Lofts mit Gewerbe in der alten Fabrikhalle und Fachmärkte – letztere sind der eigentliche Stein des Anstoßes. Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch erklärte auf TAGBLATT-Anfrage: „Es handelt sich um eine innerörtliche Planung, da ist die Stadt Reutlingen nicht zu hören.“

Zuständig für die Märkte seien Regierungspräsidium und Regionalverband, mit denen die Planungen abgestimmt seien. Es handle sich um kleine Märkte für den örtlichen Bedarf, die jeweils kleiner als 800 Quadratmeter veranschlagt sind. „Und es sind unsere einzigen in diesem Bereich“, sagt die Bürgermeisterin. Dennoch hat sie schon reagiert: „Wir haben den Nachbarn sofort die Planunterlagen geschickt. Wenn die vor drei oder vier Monaten gefragt hätten, hätten wir das auch schon damals geschickt.“

Mittlerweile sind die Pläne in Reutlingen zwar eingegangen. Allerdings sind laut Keck die Absichten für die Märkte nicht klar erkennbar. Das Fazit des Bezirksbürgermeisters: „Ich verstehe unter einem gutnachbarschaftlichen Miteinander etwas völlig anderes.“ Seither haben Rösch und die Reutlinger Baubürgermeisterin Ulrike Hotz miteinander telefoniert. „Wir wissen jetzt, was geplant ist“, sagt Stefan Dvorak, Leiter des Reutlinger Amts für Stadtentwicklung und Vermessung, dem TAGBLATT. Und auf einmal ist die Rede von drei Märkten: Ein Lebensmittelhändler unter 800 Quadratmetern, ein Drogeriemarkt und ein Getränkehändler mit jeweils 400 Quadratmetern. Bisher war in Wannweil nur von zwei Märkten die Rede.

„Das kann man im Bebauungsplan in dieser Konkretisierung auch festlegen“, sagt Dvorak. Seine Befürchtung: Mehrere Märkte könnten sich zu einer „Agglomeration“, also einem größeren Handelszentrum, aufaddieren, wie sie das Zentren- und Märktekonzept des Regionalverbandes ablehnt. Dvorak fordert weiter: Wannweil solle im Bebauungsplan festlegen, dass die neuen Märkte dem innerörtlichen Bedarf dienen und nicht die Betzinger Grund- und Nahversorgung infrage stellen. Reutlingen werde nun eine Stellungnahme an das Planungsbüro und an die Gemeinde Wannweil schicken.

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18.09.2012, 12:00 Uhr

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