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Bewährung ging baden

Reutlinger Amtsgericht verurteilt Hells Angel zu Haftstrafe

Eigentlich hätte ein 41-Jähriger Gelegenheitstürsteher und Hells Angel „schwitzen statt sitzen“ sollen. Schwitzen darf er jetzt beim Sitzen, denn er wurde rückfällig.

03.02.2010
  • katharina mayer

Reutlingen. Der 41-Jährige hatte 80 Arbeitsstunden aufgebrummt bekommen, als er im Februar vergangenen Jahres wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt wurde. Gegenüber der Betreuerin vom Bewährungshilfe-Projekt „Schwitzen statt sitzen“ hatte das Hells Angel-Mitglied damals seine ganz eigenen Vorstellungen, wo und wie er die Stunden ableisten könnte: im Reutlinger Freibad, wo bereits einer seiner Kumpels gute Erfahrungen gemacht hatte.

Unbeschwert vom üblichen Procedere, das Voranmeldungen und Telefongespräche mit der angestrebten Stelle vorsieht, wurde er beim Betriebsmeister des Reutlinger Freibads vorstellig und verkündete, seine Arbeitsstunden ableisten zu wollen. Der Stadtbad-Angestellte allerdings hatte Bedenken, zumal die Vorschriften recht eindeutig sind. Gewalt- und Sexualstraftäter werden nicht angenommen: „Wir stehen im Fokus der Öffentlichkeit, es ist schon wichtig, was für Leute ihre Arbeit bei uns absolvieren.“ Was auch den Angeklagten zutraf, der in Ausübung seiner Tätigkeit als Türsteher der Eros-Arena nach eigener Aussage „einen Kanaken verprügelt“ hatte. Der 41-Jährige wollte die Absage nicht auf sich sitzen lassen, weshalb er kurzerhand den Freibad-Betriebsleiter heftig am Ohr zog, beschimpfte und ihn bedrohte.

Eine Tat, die ihn nun letztlich doch ins Gefängnis brachte, denn der Reutlinger hatte bereits eine beeindruckende Vorstrafenliste. Und der Vorfall mit dem Bademeister fiel mitten in seine Bewährungszeit. Er habe das „ganze Projekt in Verruf gebracht“, meinte der Tübinger Oberstaatsanwalt Martin Klose in seinem Plädoyer angesichts der Reaktionen der Stadtwerke auf den Vorfall – und forderte sechs Monate Haft für den Angeklagten. Was dessen Verteidiger Thomas Fischer naturgemäß anders betrachtete: es sei ihm zwar „klar gewesen“, dass ein solcher Antrag gestellt werden würde. Dennoch bewege sich die Tat „eher am unteren Rand“. Und wenn sein Mandant mal eine Freiheitsstrafe voll absitzen müsste, dann „müsste es etwas ganz anderes sein“, meinte Fischer, der nicht zum ersten Mal einen Angehörigen der Hells Angels verteidigte.

Richter Eberhard Hausch hielt sechs Monate Haft und ein Schmerzensgeld für angemessen – ohne Bewährung. Und das habe „überhaupt gar nichts“ damit zu tun, dass der Angeklagte Hells Angel sei.

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03.02.2010, 12:00 Uhr

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