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Mit Augenmaß in die Tarifrunde

Reutlinger Bezirksgruppe des Arbeitgeberverbands Südwestmetall tagte in Balingen

Aktuelle Konjunkturdaten und die kommende Tarifrunde standen im Mittelpunkt des Arbeitgeber-Verbandstreffens am Montag in der Balinger Stadthalle. Gastredner Wolfgang Clement steuerte Informationen zur aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland und Europa bei.

22.10.2014
  • ST

Reutlingen/Balingen. Die Metall- und Elektroindustrie in der Region Neckar-Alb erwartet 2015 eine schwächere Entwicklung der Konjunktur. Laut einer Umfrage der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen unter ihren Mitgliedern rechnen lediglich etwas mehr als ein Viertel der Betriebe mit mehr Aufträgen, knapp die Hälfte geht von gleich bleibendem Niveau aus.

Ähnlich zurückhaltend fielen die Antworten bei den Umsatzerwartungen aus: Im Vergleich zum Vorjahr planen nur noch halb so viele mit höheren Umsätzen, zudem gehen fast doppelt so viele von einer Stagnation aus. „Die Dynamik hat sich deutlich verlangsamt. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung bleibt unsicher“, sagte Stefan Wolf, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall und der Bezirksgruppe Reutlingen, am Montag: „Deshalb müssen wir mit Augenmaß in die anstehende Tarifrunde gehen.“

Vor allem die prognostizierte Entwicklung der weltweiten Märkte sei ein Indiz zu mehr Vorsicht: Für 2015 wurden alle Regionen schlechter eingeschätzt. Mit starken Einbußen rechnen die Betriebe in Russland (55 Prozent). Auf den Weltmärkten China, Indien und Südamerika sehen die Befragten nahezu kein Entwicklungspotenzial. Und auch für den deutschen Markt sowie für die Märkte in Westeuropa wird wenig Dynamik vorausgesagt: Hier gehen rund zwei Drittel der Befragten von gleich bleibendem Niveau aus. „Die Hoffnungsträger sind im wahrsten Sinne des Wortes vom Markt“, sagte Wolf: „Die Ukraine-Krise und die instabile Lage im Nahen Osten belasten unsere Betriebe. Den Umfrageergebnissen zufolge erwartet jeder Zweite, dass die Ukraine-Krise negative Auswirkungen auf den diesjährigen Gesamtumsatz haben wird.“

Negative Tendenzen zeichnen sich auch bei der Beschäftigungsentwicklung ab: Knapp ein Drittel erwartet einen Rückgang, nur 21 Prozent rechnen mit einer Steigerung. Der bisherige Geschäftsverlauf 2014 war für die Metallbetriebe aber weitgehend zufriedenstellend. Immerhin über 40 Prozent schrieben vollere Auftragsbücher. Steigende Umsätze verbuchten 50 Prozent der Befragten. Jedoch verzeichnete ein Viertel der Betriebe keine Verbesserung, ein weiteres Viertel verbuchte sogar weniger Umsatz.

Positive Ergebnisse meldete Wolf bei den Investitionen: Die Mehrheit will das Investitionsvolumen beibehalten (45 Prozent). Ein Drittel sagt sogar höhere Investitionen voraus. Wolf resümierte: „Die aktuelle Lage ist nicht schlecht, was die Ergebnisse der Befragung ja auch beweisen. Sie zeigen aber auch, dass wir die Konjunkturentwicklung genau im Blick behalten müssen.“

Unverständnis äußerte Wolf über die Forderung nach einer Bildungsteilzeit, die von den Arbeitgebern bezuschusst werden soll: „Qualifizierte Mitarbeiter sind die Basis für unseren Erfolg. Es ist also im eigenen Interesse der Betriebe, ihre Beschäftigten zu qualifizieren. Und das tun sie auch. Jährlich investieren die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg eine Milliarde Euro in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.“ Zudem gebe es bereits heute ausreichend viele Gestaltungsspielräume, Weiterbildung zu ermöglichen. Diese würden aber selbst von den Betriebsräten nicht genügend genutzt. Mit Blick auf den geforderten Teilzeitanspruch warnte Wolf: „Mehr Teilzeitansprüche führen zwangsläufig zu weniger Arbeitsvolumen. Ohne Ausgleichsmöglichkeiten für die Betriebe ist so etwas nicht sinnvoll.“

Interessiert zeigte sich der Vorsitzende an einer Lösung zur Fortführung der Altersteilzeit. Dabei müsse allerdings berücksichtigt werden, dass ein genereller Anspruch für alle Beschäftigten nicht mehr zeitgemäß sei: „Unsere Betriebe haben in manchen Bereichen bereits heute einen Fachkräfteengpass und sie tun viel dafür, ihre Beschäftigten so lange wie möglich im Betrieb zu halten. Wir können auf leistungsfähige Mitarbeiter nicht mehr verzichten.“

Reutlinger Bezirksgruppe des Arbeitgeberverbands Südwestmetall tagte in Balingen
Stefan Wolf

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22.10.2014, 12:00 Uhr

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