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Herrmann gewinnt Wahlkrimi

Reutlinger Fliesenleger ist neuer Präsident der Handwerkskammer

Harald Herrmann ist neuer Präsident der Handwerkskammer Reutlingen: Er wurde gestern von der Vollversammlung im zweiten Wahlgang mit 20 der 39 abgegebenen und gültigen Stimmen zum Nachfolger von Joachim Möhrle gewählt.

27.11.2014
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Wahlkrimi auf der Achalm: Mit einer Stimme Vorsprung setzte sich der Reutlinger Fliesenleger Herrmann, 55, gegen den bisherigen Kammer-Vizepräsidenten August Wannenmacher, 60, durch. Bereits im ersten Wahlgang war der Reutlinger Kreishandwerksmeister nur hauchdünn vorne gelegen: Er hatte 18 Stimmen bekommen, Wannenmacher 17 und der 58-jährige Sigmaringer Kreishandwerksmeister Siegmund Bauknecht vier.

„Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagte Herrmann nach der spannenden Abstimmung. Er hatte die beste Vorstellungsrede der drei Kandidaten gehalten und dabei gesagt, er sei zwar ein Befürworter des europäischen Gedankens, aber an den bewährten deutschen Handwerksstrukturen müsse festgehalten werden: „Ohne Meisterbrief sinkt die Qualität eines Gewerbes.“ Er tue alles in seiner Kraft Stehende, um das Handwerk gut nach außen zu vertreten, versprach Herrmann nach seiner Wahl. Er schied nach der Abstimmung automatisch sofort als Kreishandwerksmeister aus.

Joachim Möhrle, 67, hatte in seiner Abschiedsrede nach 15 Jahren als Handwerkskammerpräsident noch einmal wie gewohnt klare Kante gezeigt. Er sei früher immer ein Verfechter des dreigliedrigen Schulsystems gewesen, habe aber im Gegensatz zur CDU nie Scheuklappen gehabt. „Ich habe deshalb erkannt, dass dieses System den jungen Menschen nicht gerecht wird. Wenn deren Qualifikationen Jahr für Jahr schlechter werden, kann das dreigliedrige Schulsystem ja nicht so gut sein“, betonte Möhrle. Deshalb sei die Gemeinschaftsschule der richtige Weg. „Wer sagt, sie sei nicht erfolgreich, ist ideologisch geprägt. Denn in der kurzen Zeit kann das niemand sagen. Hier in Reutlingen gibt es eine hervorragende Gemeinschaftsschule, Sie wären begeistert!“

Möhrle geht nicht davon aus, dass es zu dem von Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid geforderten Schulfrieden kommen werde: „Denn die Bildungspolitik ist ein zentrales Thema und Kampfinstrument im Landtagswahlkampf.“ Er lobte Schmid dafür, dass dieser sich neulich außergewöhnlich klar bei der EU in Brüssel für die Beibehaltung des Meisterbriefs ausgesprochen habe. Ohnehin schätze die derzeitige Landespolitik das Handwerk außerordentlich – trotz Bildungszeitgesetz. „Aber da haben wir dafür gesorgt, dass es deutlich abgemildert wurde“, betonte Möhrle.

Im Rückblick auf die Finanzkrise 2008 forderte der 67-jährige Freudenstädter, die Politik müsse endlich dafür sorgen, dass sich so etwas nicht mehr wiederhole. „Die Soziale Marktwirtschaft hat nicht versagt, denn sie wurde gar nicht angewandt. Die Regierungen haben vielmehr bei der Aufsicht versagt“, erklärte Möhrle, der sich auch erneut vehement für die gesetzliche Mitgliedschaft der Betriebe in der Handwerkskammer aussprach.

Und dann verkündete er noch so etwas wie sein Vermächtnis an die 26 Arbeitgebervertreter im 39-köpfigen Kammergremium: „Glauben Sie nicht, dass es eine Vollversammlung auf Dauer aushält, wenn auf ihrer Seite keine Frau drin sitzt!“ Die Vollversammlung sei auch keine Veranstaltung nur für das organisierte Handwerk.

Bevor Möhrle mit stehendem Applaus verabschiedet wurde, sprach er von 15 wunderschönen Jahren seiner Amtszeit, hoffte, dass der Dreikampf um seine Nachfolge keine verbrannte Erde hinterlasse – und nahm sich dann noch seinen Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert vor: Ihn habe immer geärgert, dass sich Eisert so gut bei Autos auskenne. „Ich verkaufe die Dinger, aber er versteht viel mehr von ihnen“, sagte der Autohändler aus Freudenstadt.

Reutlinger Fliesenleger ist neuer Präsident der Handwerkskammer
Gratulation nach dem Wahlsieg: der neue Handwerkskammer-Präsident Harald Herrmann (Mitte) und Sitzungsleiter Gerhard Merz. Links Vorgänger Joachim Möhrle, der nach 15 Jahren altershalber ausgeschieden ist.Bild: Haas

Der 1959 in Reutlingen geborene Fliesenlegermeister und Betriebswirt Harald Herrmann ist seit 1999 Mitglied der Vollversammlung und des Vorstands der Handwerkskammer Reutlingen. Der 2001 zum Reutlinger Kreishandwerksmeister gewählte Fliesenleger gründete 1992 seinen Betrieb. Heute beschäftigt er zwei Mitarbeiter und einen Auszubildenden. „Der Großteil unserer Betriebe hat die gleiche Größe wie meiner, deshalb kenne ich deren Probleme“, sagt Herrmann, der ist seit 2001 Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften ist.

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27.11.2014, 12:00 Uhr

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