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Minister Nils Schmid

Reutlinger Sonderpädagogik: Umzug ist fachlich begründet

Für Nils Schmid, den Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes, ist der Umzug der Reutlinger Fakultät für Sonderpädagogik nach Ludwigsburg beschlossene Sache. Der Reutlinger SPD-Abgeordnete setzt auf das Wachstumsfeld Sozial- und Pflegeberufe als Ersatz.

17.09.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Einen Kabinettsbeschluss gebe es zwar noch nicht. Aber fairerweise müsse man sagen, dass mit der fachlichen Entscheidung des Wissenschafts- sowie des Kultusministeriums für den Umzug (wir berichteten) auch ein Grundsatzbeschluss gefallen sei, sagte Schmid dem TAGBLATT. Für die Eingliederung und bessere Verzahnung der Reutlinger Fakultät in die Pädagogische Hochschule (PH) Ludwigsburg spreche vieles. „Wir wollen, dass die Inklusion Teil der allgemeinen Lehrerausbildungen wird und dass sich das dann in der Standortwahl niederschlägt“, erklärte er. Er glaube, auch von Ludwigsburg aus könnten die Kooperations-Netzwerke der Fakultät gepflegt werden.

Für ihn als Finanzminister sei aber klar: „Der Umzug darf nicht zu einer Mehrbelastung des Landeshaushalts führen. Sparsamkeit geht da vor Schnelligkeit.“ Deshalb werde die Regierung genau prüfen, welche Möglichkeiten es für die räumliche Unterbringungen am Standort Ludwigsburg gebe.

Aber selbst wenn das Geld da wäre, würde er nicht einen sofortigen Umzug befürworten. „Wir haben in den letzten zehn Jahren 100 000 Schüler weniger gehabt und werden bis 2020 noch einmal fast 200 000 Schüler verlieren“, rechnete Schmid vor. Diesem Trend müssten die Ausbildungskapazitäten an den Pädagogischen Hochschulen angepasst werden. Deshalb werde derzeit geprüft, welche Räume in Ludwigsburg wann und zu welchem Preis frei würden. 2012 werde der Umzug aber definitiv nicht erfolgen. Auch für den kommenden Doppelhaushalt seien dafür keine Mittel vorgesehen. Ob die Verlagerung in zwei oder vier Jahren komme, müsse man abwarten.

Den Vorwurf der Opposition, er setzte sich als Reutlinger Abgeordneter bei dieser Diskussion nicht genügend für die Belange seines Wahlkreises ein, lässt Schmid nicht gelten: „Ein verantwortlicher Landespolitiker, egal ob in Regierung oder Opposition, muss das Gesamte im Auge haben. Das Gesamte hier ist, wie man sonderpädagogische Ausbildung an welchem Standort am besten gewährleistet. Da spricht eben vieles dafür, dass man es nach Ludwigsburg verlagert. Das respektiere ich.“

Das Land investiere viel Geld in die Hochschule Reutlingen, was nicht nur im Interesse der Stadt, sondern auch des Landes gerechtfertigt sei. „Die spannende Frage ist nun: Will man weiter nur auf die Sonderpädagogik setzen – obwohl man weiß, dass die Lehrerbildung ein Ausbildungsfeld ist, das in der Bedeutung eher abnimmt?“

Deshalb unterstütze er die Überlegung, „ein Wachstumsfeld wie die Sozial- und Pflegeberufe in Reutlingen anzusiedeln“. Dies hat auch der Reutlinger Grünen-Abgeordnete Thomas Poreski schon mehrfach angeregt. „Diese Berufe haben in den nächsten Jahren einen größeren Bedarf. Vor allem werden da akademisch geschulte Fachkräfte stärker nachgefragt. Da gibt es in Baden-Württemberg noch zu wenig Ausbildungskapazitäten“, betonte Schmid.

Für Reutlingen sei es interessanter, auf einen Wachstumsbereich als auf einen schrumpfenden Ausbildungsbereich zu setzen. „Deshalb habe ich mit Wissenschaftsministerin Theresia Bauer ausgemacht, dass wir genau klären, ob es nicht Möglichkeiten gibt, die Liegenschaften für diesen Bereich zu nutzen, wenn der Umzug der Sonderpädagogik nach Ludwigsburg früher oder später kommt“, sagte Schmid. Reutlingen habe da mit namhaften Sozialeinrichtungen in Stadt und Region hervorragende Voraussetzungen. „Es stünde der Stadt Gustav Werners gut an, in dem Bereich eine akademische Ausbildung anzubieten“, forderte der Minister.

Reutlinger Sonderpädagogik: Umzug ist fachlich begründet
Nils Schmid

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17.09.2012, 12:00 Uhr

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