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Kehrtwende beim Tonne-Standort

Reutlinger Stadtverwaltung schlägt Neubau auf dem Listhallen-Areal vor

Spektakuläre Wende der Stadt Reutlingen bei den Planungen für die zweite Spielstätte des Tonne-Theaters: Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat nun den Standort auf dem Listhallen-Areal vor. Kostenobergrenze: 7,8 Millionen Euro.

01.12.2012
  • Thomas de Marco

Reutlingen. Was sich seit Wochen angedeutet hatte, ist nun Fakt: Die Stadt nimmt Abschied vom Standort Planie und will auf dem Listhallen-Areal einen Theater-Neubau erstellen. „Jeder, der will, dass es mit der zweiten Spielstätte vorangeht, müsste für diese Lösung sein“, sagte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz.

Das sind die Punkte, die laut Verwaltung für den Neubau auf dem Listhallen-Areal sprechen:

Kosten: Die 7,8 Millionen für den Neubau seien günstiger als Variante 1 (Bestandssicherung Planie zu 8,26 Millionen) und Variante 2 (Teilumbau Planie mit Neubau an der Urbanstraße zu 8,5 bis 9,5 Millionen). Der Kostenrahmen von 5 Millionen des interfraktionellen Antrags von 2011 sei niemals zu realisieren. Ein Neubau biete größere Kostensicherheit, die Folgekosten in dem ein- bis zweigeschossigen Neubau seien geringer.

Zeitplan: Wegen des bestehenden Baurechts auf dem Listhallen-Areal könnte sofort ein Bebauungsplan festgelegt und bereits 2014 mit dem Bau begonnen werden. Für die Planie wäre ein Bebauungsplanverfahren von voraussichtlich mindestens zwei Jahren nötig. Ein Anwohner habe schon ein Normenkontrollverfahren angekündigt.

Möglichkeiten für die Tonne: Der neue Standort ermögliche einen Saal mit 200 Plätzen sowie zwei Probebühnen, mindestens eine davon vor Publikum bespielbar. Auftrittsmöglichkeiten für andere Theater seien möglich. Zudem biete dieses Areal später Erweiterungsmöglichkeiten (etwa zu einem Saal für 300 Besucher). Eine Erweiterung sei an der Planie nicht möglich.

Vermarktung: Das Listhallen-Areal habe einen geringeren Bodenwert bei Wohnnutzung, das Planie-Gelände könnte ohne Theater dagegen wesentlich besser vermarktet werden und würde damit ungleich mehr Geld einbringen.

Allerdings müsste bei einem Votum für die neue Lösung die Ausschreibung neu gemacht werden. Von Architekt Walter Achatz gebe es aber keine Signale, dass er sich am neuen Verfahren nicht beteiligen werde, sagte Kulturbürgermeister Robert Hahn. Er ist mit dieser Perspektive sehr zufrieden, „das wäre für die Tonne ein enormer Qualitätssprung – auch durch den Mehrwert für Kinder- und Jugendtheater.“ Die Träne im Knopfloch sei, dass die große Lösung nicht möglich wäre.

Für die Tonne-Verantwortlichen ist das „ultimative Ausrufezeichen“ der Vorlage interessant, sagt Verwaltungsleiter Matthias Schmied: „Es soll schnell was passieren. Die bisherige Planung wird verworfen, eine Lösung wird aus dem Hut gezaubert, die uns im Sommer noch nicht bekannt war – das hat sich rasend schnell entwickelt.“ Und wie steht die Tonne zur Lösung? „Ich mache keinen Hehl daraus: Wir alle wollen das noch erleben“, sagt Schmied und deutet damit Zustimmung an.

Zumal den Theatermachern ja gar keine andere Möglichkeit bleibe, wie Intendant Enrico Urbanek sagt: Gegen das K.o-Kriterium, dass 2014 die Betriebsgenehmigung für die Planie erlischt, können wir nichts machen. Wir dürfen uns den Problemen nicht verschließen. Wenn nun eine zeitnahe, gute Lösung präsentiert wird, muss man darüber nachdenken.“

Die Vorteile der neuen Lösungen lägen auf der Hand, sagte Baubürgermeisterin Hotz abschließend. „Wir wollen Wort halten bei der Kulturkonzeption, nichts tun geht nicht. Das ist eine Klasse-Geschichte, jetzt brauchen wir nur noch eine Mehrheit im Gemeinderat.“ Der Vorschlag kommt nicht öffentlich in die Ausschüsse, am 18. Dezember wird im Gemeinderat dann öffentlich diskutiert. Eine Entscheidung wird aber wohl erst in der Sitzung am 5. Februar fallen.

Karsten Amann (CDU): „Ich kann die Argumente der Verwaltung gut nachvollziehen, aber mir geht der Wechsel zu schnell. Es ist eine funktional-technische und wirtschaftliche Betrachtung, städtebauliche Aspekte fehlen. Ein Theater ist keine Box, die versetzt wird. Mir fehlt auch der Mehrwert für die anderen Theater der Stadt. Es ist außerdem wichtig, die Tonne mit in den Prozess aufzunehmen.“
Helmut Treutlein (SPD): „Der neue Standort ist nicht mehr überraschend. Eine Wertung wäre verfrüht. Wir wollen aber eine schnelle Lösung und eine Entscheidung am 5. Februar. Die modulare Möglichkeit für weitere Schritte ist ein Vorteil der neuen Lösung. Wir werden uns am Montag mit Enrico Urbanek und Matthias Schmied von der Tonne zusammensetzen.“
Rainer Buck (Grüne): „Es ist leider gekommen, wie befürchtet: Der Standort Planie ist tot. Aber das wusste die Verwaltung seit Sommer und informiert erst jetzt. Man gibt die städtebauliche Idee des Theaters in der Oststadt auf. Die Vorlage ist extrem schlecht gemacht, da über die Nutzung durch andere Theater nichts drin steht.“
Jürgen Fuchs (FWV): „Ein plötzlicher Umschwung, nachdem die Planie aus Kostengründen nicht zu halten war. Da hätte man früher drauf kommen können. Der neue Platz bei der Stadthalle hätte auch seinen Charme. Ich hoffe nur, dass die 7,8 Millionen Euro zu halten sind.“
Hagen Kluck (FDP): „Wir sind zufrieden, dass sich eine bald realisierbare Lösung abzeichnet und die Verwaltung auf unseren Vorschlag eingegangen ist. Ich hoffe, dass es dafür eine Mehrheit gibt – dann kann man sofort loslegen. Das ist die einzig realistische Perspektive für die Tonne.“
Thomas Ziegler (RSÖ): „Ich vermisse den Tiefgang in der Vorlage. Bei den Planungskosten fehlt die Klarheit, beim Neubau hätte es auch den 300er-Saal geben können.“
Hans Wucherer (WiR): „Für uns wird entscheidend sein, dass diese Lösung auch auf alle anderen Theater zugeschnitten wird. Außerdem sollte dabei auch für das Stadtarchiv etwas gemacht werden, das fehlt aber in der Vorlage.“

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01.12.2012, 12:00 Uhr

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