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Kickboxen: Kein Spielzeuggürtel

Reutlinger Weltmeister Badri Traoré zwischen Lehramt-Studium und Ring

Seit ein paar Tagen hat die Region einen Weltmeister mehr: Der Reutlinger Badri Traoré ist neuer Kickbox-Champion und auf dem besten Weg, sich in der europäischen Szene einen Namen zu machen. Von seiner Sportart leben kann der 24-Jährige trotz WM-Titel nicht – und studiert deshalb parallel an der Universität Tübingen.

29.07.2015
  • David Scheu

Tübingen. Am 17. Juli machte Badri Traoré seinen bislang größten sportlichen Erfolg perfekt. Seitdem nämlich darf Badri Traoré den Weltmeister-Gürtel im K1-Kickboxen des Verbandes ISKA sein eigen nennen. Und mediale Aufmerksamkeit war auch vorhanden: Traorés Kampf gegen den Franzosen David Radeff in der MHP-Arena in Ludwigsburg wurde – eingebettet in eine Box-Gala – live vom TV-Sender Sky übertragen.

Der Titel ist das Ergebnis langer und harter Arbeit: Traoré trainiert mit seinem Reutlinger „Easy Sports“-Kickbox-Team unter Vereinstrainer Alex Maciejewski durchschnittlich sechs Mal die Woche; eigentlich täglich also. Oft kommt noch ein Sparringskampf dazu, wobei die Gegner sorgfältig ausgewählt werden: „Der Kampfstil muss passen, dazu noch das Gewicht“, sagt Traoré, der im Cruisergewicht bis 88,5 Kilogramm antritt. Wenn ein geeigneter Gegner nicht nach Reutlingen kommen kann, geht Traoré deswegen auch schon mal auf Reisen. Kürzlich fuhr er etwa nach Heidenheim. Das alles läuft nebenbei, Traoré ist kein Berufssportler: An der Universität Tübingen studiert er Englisch und Sport für das Lehramt an Gymnasien. Da kann es schon mal zu zeitlichen Engpässen kommen: „Gerade die letzten Wochen waren hart, da die Prüfungszeit an der Uni und die Vorbereitungszeit auf den WM-Kampf zeitlich zusammengefallen sind.“ Irgendwie hat er aber auch das in den Griff bekommen und er will seine Sportart auf jeden Fall weiter ausüben: „Sport ist ein guter Ausgleich. Ich habe eher Probleme, mich für zwei Stunden Bibliothek zu motivieren, als abends ein zweites Mal zu trainieren.“

Training mit Coach von Floyd Mayweathers Team

Für die finale Vorbereitung auf den WM-Kampf wurden dann alle Register gezogen: Es ging für zwei Wochen ins Trainingslager in die USA, auf eigene Kosten. In Las Vegas holte sich Traoré von Chris Ben, Coach im Team von Box-Krösus Floyd Mayweather, den Feinschliff. Nur im Boxen natürlich. Da Boxen aber ein wesentlicher Bestandteil des Kickboxens ist, habe ihn das Spezialtraining deutlich weitergebracht. Die Sportart wechseln will Traoré aber trotzdem nicht: Kickboxen sei im Vergleich zum üblichen Boxen spannender – intensiver für die Kämpfer, spektakulärer für die Zuschauer. „Beim Boxen ist die potenzielle Trefferfläche auf den Kopf und den Oberkörper beschränkt, da man nur mit den Fäusten schlagen darf. Da gibt’s beim Kickboxen schon viel mehr Möglichkeiten, zu treffen.“ Als Beleg sieht Traoré die geringere Kampfzeit im Kickboxen: Ein normaler Kampf dauert drei Mal drei Minuten, ein WM-Fight geht über fünf Runden. „Zwölf Runden wie im Boxen wären aufgrund der Intensität bei uns undenkbar.“

Er selbst profitiert von den erweiterten Schlagmöglichkeiten im Vergleich zum Boxen; Traorés Stärke ist sein Knie. „Wenn man das Knie zum Rippenbereich oder Kopf des Gegners bringt, erzielt das richtig Wirkung, da keine Handschuhe die Wucht des Schlages abmildern.“

Von seiner Leidenschaft leben kann er aktuell nicht. Selbst nicht als Weltmeister. „Es ist ein nettes Zubrot, mehr aktuell aber nicht.“ Denn ein WM-Titel ist im Kickboxen nicht zwangsläufig ein Indikator für den Stellenwert eines Sportlers. In puncto Unübersichtlichkeit der Titelträger steht das Kickboxen dem Boxen nämlich kaum nach: Sechs Verbände und – je nach Verband – an die zehn Gewichtsklassen sorgen für gut 50 verschiedene Weltmeister. „Manche Titel sind reine Spielzeuggürtel“, sagt auch Traoré.

Was aber nicht für den seines Verbandes gilt: Die ISKA (International Sport Karate Association) mit Sitz in Florida zählt zu den weltweit größten Verbänden. Dennoch gesteht Traoré ein: „Wichtiger als ein Titel ist es, sich einen Namen in der Szene zu machen und gegen prominente Gegner anzutreten.“

Info Auf der Internetseite traore.tv ist Traorés WM-Finalkampf zu sehen

Reutlinger Weltmeister Badri Traoré zwischen Lehramt-Studium und Ring
Der finale Kampf: Badri Traoré (rechts) gegen den Franzosen David Radeff in Ludwigsburg. Privatbild

Seinen nächsten Kampf hat Kickboxer Badri Traoré am 10. Oktober beim King Cup in der Dortmunder Westfalenhalle, einem der größten Kickbox-Events in Deutschland mit Ticket-Preisen von bis zu 442 Euro für VIPs. Dort kämpft der Tübinger Student in einem Gala-Kampf gegen den 35-jährigen Deutsch-Amerikaner James Phillips, ein renommierter und routinierter Kickboxer. „Das wird mich sicher weiterbringen“, sagt Traoré. Sollte er dann doch einmal die Chance auf einen Profivertrag erhalten, wäre er nicht abgeneigt. Sein Studium will er aber in jedem Fall abschließen.

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29.07.2015, 12:00 Uhr

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