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Die Kunst der Entscheidung

Revierförster informierten den Gemeinderat über den Horber Stadtwald

Wie es um den 1852 Hektar großen Horber Stadtwald bestellt ist und nach welchen Grundsätzen er bewirtschaftet wird, darüber informierte die Forstverwaltung den Horber Gemeinderat bei einem Waldbegang am Dienstag.

16.09.2010
  • Martina Lachenmaier

Rexingen. Am Beispiel der alten Lotharfläche im „Haselacker“ zeigte sich, dass es im Forst von Vorteil sein kann, mehr zu beobachten, nur regulierend einzugreifen, statt forstlichen Aktionismus walten zu lassen. Fünf Jahre haben die Förster diese drei Hektar große Fläche sich selbst überlassen. „Wir gehen heute viel sensibler mit dem Waldflächen um und verzichten mitunter auf Nutzung, wenn dafür ein größerer Nutzen für die Natur verbunden ist“, sagte Kreisforstamtschef Georg Jehle. Die Ökologie spielt eine wichtige Rolle im Horber Forst und sie beschränkt sich nicht nur auf Pflanzen. Die „Lotharstumpen“, habe man stehen lassen, weil sie zur Holzgewinnung nichts taugen, dafür aber den Spechten wertvolle Nisträume bieten, so Revierleiter Peter Daiker.

Wo früher viele Fichten standen entsteht heute ein Mischwald. „Von allem etwas“ sei die Devise , so Josef Dennochweiler. Fichten- und Tannennaturverjüngung gibt es im Überfluss. Nur wenn die Verjüngung zu wünschen übrig lässt, werde Wald nachgepflanzt, erklärte er. Die Revierförster geben auch untypischen Waldbäumen eine Chance. Sie denken als Forstleute weit in die Zukunft voraus und beziehen auch den Klimawandel in ihre Überlegungen ein. Die Wärme liebende Walnuss, so Dennochweiler, könnte in 100 Jahren durchaus eine größere Bedeutung als Waldbaum haben. Auch der Ertrag pro Festmeter Holz von 400 bis 1200 Euro sei interessant. Damit sie glatte Stämme liefert wird sie wie andere Waldbäume auch, entastet. Auch die schnellwüchsige, wuchernde Salweide sehen die Revierförster unter mehreren Aspekten. Einerseits wuchert sie schnell und bringt kaum nutzbares Holz. Aber sie hat Vorteile, weil sie den aufwachsenden Wald vor Frost schützt und als Frühblüher eine wertvolle Bienenpflanze ist. Also darf sie an geeigneten Stellen stehen bleiben, haben die Förster entschieden. Auch die Birke, wird geduldet, sofern sie nicht zu dominant wird. Auf einer anderen Fläche wurde Bergahorn im Gruppen nachgepflanzt. Bergahorn liefert nicht nur ein gefragtes Holz, er wächst auch schnell und ist unanfällig für Krankheiten.

Standortkarten sind die wichtigste Planungsgrundlage für den Forst, sagte Jehle. Sie basieren auf Bodenproben und weisen geeignete Standorte für die jeweilige Baumart aus. Auch ein Fichten-Tannen-Mischbestand bedarf des Eingriffs. Weil die Fichte schneller wächst als die Tanne wird sie ausgedünnt, damit die Tanne eine Chance hat. Und auch die Buche will im Zaum gehalten werden, denn reiner Buchenwald ist nicht das Ziel im Horber Stadtwald. Sie ist vielmehr an den Neckartalhängen erwünscht, wo die Fichte zum Beispiel ungeeigneter ist. „Bonsai-artiger Klobürstenwuchs“ von Tannen zeigte Hartmut Steier am nächsten Standort. Wildverbiss ist dafür verantwortlich, weshalb die Jägerei gefragt sei. „Sonst verschwindet die Tanne“, sagte er. Wie viel Wuchshöhe die verbissenen Tannen schon eingebüßt haben, war an der eingezäunten Waldfläche zu sehen. Hinter dem so genannten Weiserzaun können Tannen geschützt aufwachsen.

„Waldbau ist auch die Kunst der Entscheidung“, sagte Peter Daiker. „Wir müssen den Zuwachs nutzen und lenken“, so der Revierleiter. Der Holzeinschlag ist ein regulierendes Element. Mit ihm können zum Beispiel einzelne Baumarten wie die Mehlbeere oder die Kirsche gefördert, die Baummischung reguliert oder gezielt eine hohe Holzqualität produziert werden. „Kranke und geschädigte Bäume müssen raus“, so Daiker. Ebenso sehr astige Bäume, die schlechte Holzqualität liefern.

Während dem Borkenkäfer kaum noch Bäume zum Opfer fallen, ist eine neue Krankheit bei Tannen aufgetaucht. Sie ist das Ergebnis des Zusammenspiels von einer Tannenlaus, einem Pilz und dem Tannenrüssler. Wie sie entsteht und verbreitet wird, beschäftigt die Wissenschaft derzeit. Im Horber Stadtwald scheint diese Tannenkrankheit nicht weiter auf dem Vormarsch zu sein. „Sie hat sich über den Sommer hin nicht verschlimmert“, sagte Revierleiter Dennochweiler. Im Kreisgebiet sind 2000 bis 3000 Tannen befallen“, sagte Georg Jehle. Jetzt gibt es Befürchtungen, dass die Krankheit auf die Fichte überspringt.

„Wir wollten Ihnen zeigen wer in Ihrem Wald arbeitet, welche Gedanken uns dabei bewegen, welche Ziele und Probleme es gibt“, sagte Forstdirektor Jehle. Er bestätigte dem Horber Rat einen „schönen und gepflegten Wald“, bei dem „ganz schön was raus kommt für die Stadtkasse.“ In 2009 seien es immerhin 100 000 Euro gewesen. CDU-Stadtrat Andreas Bronner dankte den Revierförstern und den sechs städtischen Forstwirten für die gute Arbeit „Wir wissen unseren Wald bei Ihnen in guten Händen.“

Dass der Klimawandel in vollem Gange ist, ist für die Kreisförster Fakt. Die Frage sei, wie man darauf reagiere, so Jehle. „Wir setzen unsere Hoffnung in die Tanne, weil sie besser auf die Klimaerwärmung reagiert.“ Der Wald der Zukunft werde weniger Nadelbäume und mehr Laubbäume aufweisen. Auch mit der trockenheitsresistenten Douglasie wird im Horber Stadtwald experimentiert. Jehle berichtete von neuesten Forschungsergebnissen

der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. Die Forstwissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Jahresmitteltemperatur bis zum Jahr 2050 um 1,95°C erhöht und sich der Jahresniederschlag um rund 25 mm verringert. Die Wissenschaftler haben untersucht wie sich dies auf Buche und Fichte auswirkt und Kartenmaterial erarbeitet, aus dem die zukünftige Eignung der wichtigsten Baumarten auf unterschiedlichen Standorten und in verschiedenen Regionen des Landes ersichtlich ist. Demnach sind sowohl für Fichte als auch für Buche auf ihren angestammten Standorten im Horber Stadtwald Probleme zu erwarten.

Forstdirektor Jehle: „Der Klimawandel findet statt“

Revierförster informierten den Gemeinderat über den Horber Stadtwald
Die Fichten im Hintergrund prägten den Wald vor Lothars Zeiten. Auf der Sturmfläche im Vordergrund bringt die Naturverjüngung zehn Jahre nach dem Sturm einen schönen Mischwald hervor. Forstdirektor Dieter Zuleger (rechts) und Revierförster Peter Daiker sind zufrieden mit der Entwicklung der Sturmfläche.

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16.09.2010, 12:00 Uhr

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