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Revierkampf: Rockerprozess startet nach Todesschüssen
Ein Ermittler vermisst einen Tatort vor einem Geschäft in Heidenheim. Foto: J.-P. Strobel/Archiv dpa/lsw
Heidenheim/Ellwangen

Revierkampf: Rockerprozess startet nach Todesschüssen

Wegen tödlicher Schüsse im Rockermilieu im schwäbischen Heidenheim steht ein 26-jähriger Mann ab Dienstag wegen Mordes vor Gericht.

20.11.2016
  • dpa/lsw

Heidenheim/Ellwangen. Das Mitglied der «Black Jackets» soll im April vor einem Friseurgeschäft auf zwei Männer der «United Tribuns» gefeuert haben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Das 29 Jahre alte Opfer starb zwei Tage später im Krankenhaus an den Schusswunden, sein damals 25 Jahre alter Bruder wurde lebensgefährlich verletzt.

Der Angriff vor dem Friseurladen sorgte bundesweit für Aufsehen. Zwischen den beiden Straßengangs gibt es seit längerem Streit. Der Angeklagte sitzt seit der Tat im April in Untersuchungshaft. Er ist wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Der mutmaßliche Schütze habe laut Staatsanwaltschaft heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt.

Immer wieder bricht zwischen rivalisierenden Rockern Gewalt aus. Neben alten Motorradclubs wie den Hells Angels oder den Bandidos expandieren nach Angaben der Behörden vor allem jüngere Gruppen - mit weniger Motorradromantik, aber umso mehr Gewalt. Gruppen wie die in Villingen-Schwenningen gegründeten United Tribuns sprießen aus dem Boden. Die Straßengangs bestehen aus Bodybuildern, Kampfsportlern, Türstehern, oft geht es um Drogen, Prostitution und Schutzgelderpressung. Auch ethnische Konfliktlinien werden zwischen ihnen ausgefochten.

Das Ulmer Chapter der Tribuns postete nach den tödlichen Schüssen in Heidenheim auf Facebook den Spruch: «Auge um Auge, Zahn um Zahn.» Wochen später warnte der Ulmer Polizeipräsident Christian Nill vor Rache und Gegengewalt. Das Ellwanger Landgericht will sich für mögliche Zwischenfälle wappnen. «Das ist nicht Alltag», sagte ein Gerichtssprecher vor dem Prozessauftakt. «Umfassende Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen worden.» Er rechne damit, dass Beteiligte und Angehörige der beiden Gruppierungen auch erscheinen.

Neben Einlasskontrollen müssen sich alle Besucher ausweisen. Ein Zugang zum Saal wurde gesperrt. «Das ist einfach der Sache geschuldet, weil dem Ganzen ja so eine Art Bandenauseinandersetzung zugrunde liegt», sagte der Sprecher. Kutten, die markanten Lederwesten der Rocker, sind im Saal verboten. Auch andere Bekleidungsgegenstände mit Aufdrucken, die Sympathie mit dem Angeklagten oder den Tatopfern bekunden, sind verboten.

69 Zeugen und vier Sachverständige sollen gehört werden. Allein am Dienstag sind 19 Zeugen geladen, die meisten davon Polizeibeamte. Als erster Zeuge soll gleich der Bruder des Getöteten aussagen, der die Schüsse überlebte.

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20.11.2016, 14:06 Uhr | geändert: 20.11.2016, 14:00 Uhr

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