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Lebensmittel-Großfilialist füllt die Regale

Rewe eröffnet in Bondorf ein Distributionslager

Die riesigen Logistik-Hallen am Autobahnzubringer B 28a bei Ergenzingen werden bald noch etwas größer. Am Samstag eröffnet Rewe dort ein Distributionslager. Anbauten sind geplant. Bondorfs Bürgermeister Bernd Dürr rechnet mit mehr Lastwagenverkehr.

26.09.2010
  • Gert Fleischer

Bondorf. Die zwei Lagerhallen wurden einst für das Einzelhandelsunternehmen Kriegbaum gebaut. Sie stehen direkt hinter der Tübinger Kreisgrenze auf Markung der Gemeinde Bondorf vis-a-vis dem Rottenburger Gewerbegebiet „Ergenzingen-Ost“. Noch vor Eröffnung wurde Kriegbaum von der Metro übernommen, die die Immobilien später der Willi Betz Gruppe Reutlingen verkaufte. Deren Tochter Logistic Group International (LGI) hat seither beide Hallen in Beschlag und lagert/e dort Teile für die Automobilindustrie und für Hewlett Packard (HP).

Rewe eröffnet in Bondorf ein Distributionslager
Einst lagerten hier Teile für die Autoindustrie und die Computerbranche. Jetzt hat Rewe die Lagerhallen gemietet und daraus ein Auslieferungslager für die Region gemacht. Drei große Anbauten sollen in den kommenden Jahren noch dazu kommen.Bild: Faden

Die östliche Halle wurde nun frei und langfristig an Rewe vermietet. Die LGI bezog ein Verteilzentrum in Hünxe am Niederrhein, um näher an den Seehäfen Rotterdam, Bremerhaven und Hamburg zu sein. Denn die Teile für den Computer-Hersteller HP kommen aus Asien. HP in Böblingen wird jetzt von Hünxe aus beliefert.

Knapp 33 000 Quadratmeter Lagerfläche hat Rewe in Bondorf sofort zur Verfügung. Mehr als 10 000 Artikel – Lebensmittel aller Art, auch Frischeprodukte – werden zwischengelagert und an „Rewe“- und „Nahkauf“-Märkte der Region Südwest ausgeliefert. Das Bondorfer Lager ersetzt jenes in Ulm, das von Rewe geschlossen wurde. „Nur sehr wenige“ der dort beschäftigten 110 Leute haben laut Pressereferentin Susanne Amann das Angebot angenommen, in Bondorf zu arbeiten.

350 Arbeitsplätze sollen hier entstehen

Rewe spricht von 350 Arbeitsplätzen, die in Bondorf entstehen: 250 im Lager, 100 beim Fuhrpark. Etwa die gleiche Anzahl Arbeitsplätze gingen durch den Teil-Umzug der LGI nach Hünxe verloren. Bondorfs Bürgermeister Bernd Dürr rechnet auf Sicht aber mit einem Zuwachs an Stellen, denn für Rewe sind drei Anbauten geplant. Ein Anbau mit 3300 Quadratmetern Fläche verlängert die östliche Halle um fast 25 Meter Richtung Autobahn. Eine 740 Quadratmeter große Entsorgungsstation kommt an die Südost-Ecke. 2011/2012 soll ein 8 900 Quadratmeter großes Tiefkühllager erstellt werden. Größere Genehmigungsprozesse sind laut Dürr nicht nötig, weil der Bebauungsplan diese Anbauten noch hergibt.

Kletterpflanzen statt Baumreihe

Die Baumreihe, die an der östlichen Hallenseite gepflanzt worden war, um den wuchtigen Bau in freier Landschaft etwas zu kaschieren, wird gefällt. Der Neubau muss auf Verlangen der Naturschutzbehörde wieder eingegrünt werden; laut Dürr werden aber keine Bäume mehr gepflanzt, vielleicht Fassaden-Kletterpflanzen.

Rewe rechnet mit 150 Lastwagen täglich, die Waren anliefern, und mit 100, die sie weiter verteilen. „99,9 Prozent“ des anliefernden Verkehrs komme von der Autobahn. Der Einfluss auf Bundes- und Landesstraßen - auch Richtung Rottenburg und Tübingen - sei minimal: „Das Lkw-Aufkommen der Bundesstraße wird sich nicht merklich verändern“, schrieb Rewe dem TAGBLATT. Das sieht Dürr anders. Lebensmitteln würden rascher umgeschlagen als Computer-Teile. Dürr: „Es wird mehr Lkw-Fahrten geben als bisher, definitiv.“ Freilich ende jetzt eine Entlastungsphase, denn das Kriegbaum-Logistikzentrum war ebenfalls für Lebensmittel geplant und hätte entsprechendes Schwerverkehrsaufkommen generiert. Trotzdem hält Dürr den Standort für sinnvoll, den der Warenverkehr laufe „praktisch ortsdurchfahrtsfrei“.

Zwei Jahre lang soll Rewe vergeblich nach einem 10 bis 12 Hektar großen Grundstück gesucht haben, bevor es die LGI-Halle zur Miete angeboten bekam. In der Branche wird dies, wie der „Immobilienbrief Stuttgart“ zitiert, als „klares Indiz für den Mangel in diesem Segment“ gewertet. In der Region Heilbronn seien deshalb in jüngster Zeit drei Ansiedlungen verloren gegangen.

In Rottenburg habe diesbezüglich niemand angefragt, sagte Erster Bürgermeister Volker Derbogen. Er geht davon aus, dass die Experten – „Das sind ja keine Anfänger“ - von den Begrenzungen und Besonderheiten wissen, die selbst ein so großes Gewerbegebiet wie „Ergenzingen-Ost“ aufweist.

Kritik an dem ganzen Vorhaben übte der Herrenberger SPD-Stadtrat Günter Achilles. Der „Kilans-Klotz“ – so benannt nach dem früheren Bondorfer Bürgermeister Gerhard Kilian – werde durch die geplanten Anbauten „zum völlig monströsen Koloss erweitert“..

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26.09.2010, 12:00 Uhr

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