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Rexroth wächst wieder – auf Zeit
Die Sonne scheint zumindest kurzfristig wieder für den Standort Horb.Bild: Breitmaier
Wirtschaft

Rexroth wächst wieder – auf Zeit

Aufgrund von gestiegenem Auftragsvolumen und hoher Belastung der Stammbelegschaft stellt Horbs größter Arbeitgeber 40 Mitarbeiter ein – zumindest für sechs Monate.

05.04.2017
  • Benjamin Breitmaier

Noch im September 2016 vermeldete Bosch Rexroth, dass die Firma erfolgreich bis auf wenige verbleibende Arbeitsplätze 170 Stellen am Standort Horb gestrichen hat. Die Mitarbeiter verließen entweder freiwillig das Unternehmen per Aufhebungsvertrag oder wurden an alternativen Standorten von Bosch wie in Reutlingen untergebracht. Das Ziel des sozialverträglichen Abbaus der Arbeitsplätze wurde erreicht. Doch es gab Negativ-Effekte: Seit etwa Anfang des Jahres leistet die Horber Mannschaft Schwerstarbeit. Dienst an Samstagen wurde zur Normalität. Hinzu kommt nun eine überraschend gestiegene Auftragslage. Die Auslastung ging soweit nach oben, dass die Unternehmensführung jetzt gegensteuert. Einer internen Stellenanzeige zufolge – das Dokument liegt der SÜDWEST PRESSE vor – werden seit Mitte März 40 befristete Stellen im Horber Werk ausgeschrieben.

Häufige Samstagsarbeit

Der Inhalt des Schreibens steht in krassem Gegensatz zu den Meldungen über andere Rexroth-Standorte, die in den vergangenen Wochen publik wurden. In Lohr sollen weitere 450 Stellen wegfallen. Fellbach wird bis Ende des Jahres geschlossen – 100 Mitarbeiter müssen ihre Zukunft neu planen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden von der Unternehmensführung nicht ausgeschlossen. Ähnlich sieht es in Ober-Ramstadt aus. 700 Beschäftigte waren daher am Montag in Fellbach, um gegen den Stellenabbau zu demonstrieren.

Die Situation am Standort Horb sieht anders aus. Hier arbeiten immer noch knapp 1000 Menschen. „Unser Auftragseingang hat sich in den letzten Monaten äußerst erfreulich entwickelt. Daher zeichnet sich auch für die nächsten Monate eine sehr hohe Auslastung ab“ – es sind die ersten Sätze der Stellenausschreibung. Weiter steht in dem Schreiben, dass eine spürbare Entlastung der Belegschaft durch die Restrukturierungsmaßnahmen – dem Einsparen von 46 Millionen Euro bis Ende 2018 – erst im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres erwartet wird. Heißt: Die Werksleitung ist sich der außergewöhnlichen Belastung ihrer Stammbelegschaft durchaus bewusst. Außerdem naht der Sommer. Die Mitarbeiter erbringen seit Monaten Höchstleistungen. Für die Urlaubszeit muss deswegen Personalkapazität geschaffen werden.

Das geht an die Substanz. Zwar sind die Bosch-Rexroth-Arbeiter dafür bekannt, dass sie auch unter erhöhtem Druck noch liefern – das hat die Krise aus dem Jahr 2008 gezeigt –, doch auf Dauer wirkt sich die permanente Arbeit am Kapazitätslimit auf den Krankenstand aus.

Darum hätten sich Werkleitung und Betriebsrat auf zusätzliche, befristete Beschäftigungsmaßnahmen verständigt. Zum einen, um das erhöhte Auftragsvolumen bewältigen zu können, zum anderen, um „die Stammbelegschaft zu entlasten“, wie es in dem Schreiben heißt.

Bosch-Rexroth-Pressesprecherin Judith Mühlich betont, dass keine Leiharbeiter eingesetzt werden sollen. „Wir haben zahlreiche Bewerbungen bekommen und gehen davon aus, dass wir alle Stellen besetzen können“, erklärt sie im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE.

25000 Einheiten bis Herbst

Doch wie schoss das Auftragsvolumen in so kurzer Zeit in die Höhe? Mühlich erklärt: „Der Markt hat sich ein Stück weit in Asien und Amerika stabilisiert, allerdings auf einem immer noch vergleichsweise niedrigen Niveau.“ Ähnliches war bereits im Januar von Firmenchef Rolf Najork gegenüber der Deutschen Presseagentur zu hören. Gemeint ist die Sparte Mobilhydraulik, für die auch das Werk in Horb produziert. Beispielsweise sind in Tunnelbohrmaschinen A10-Einheiten verbaut, die in der Neckarstadt hergestellt werden. Außerdem, so Mühlich weiter, „sehen wir nach fast fünf Jahren Marktrückgang einen gewissen temporären Nachholeffekt bei einigen unserer Kunden“. Gemeint ist: Nach der Krise trauen sich einige wieder zu investieren.

Das hat zur Folge, dass – nachdem 170 Stellen gestrichen wurden – jetzt wieder 40 neue Mitarbeiter eingestellt werden – zumindest für den Zeitraum von sechs Monaten. Quellen aus dem Unternehmen zufolge sei die bessere Auftragslage kein kurzfristiger Effekt.

Nicolas Bauer, Unternehmensbetreuer der IG Metall für Bosch Rexroth, hofft daher, dass bei anhaltend guter Auftragslage, das Werk in Horb wieder Mitarbeiter unbefristet einstellt: „Die Entwicklung ist aus unserer Sicht wirklich positiv. Wir haben jetzt zum Ziel, dass möglichst viele Mitarbeiter dauerhaft beschäftigt werden können“, erklärt
Bauer gegenüber der SÜDWEST PRESSE.

In der Hinsicht macht Unternehmenssprecherin Mühlich wenig Hoffnung: „Die Einstellungen sind nur vorübergehend, denn viele unserer Stammmitarbeiter sind noch in Bereichen tätig, die im Laufe des Sommers Teil der Verlagerungen sind.“ Die Werkleitung gehe davon aus, dass nach den Verlagerungen keine zusätzliche Unterstützung gebraucht werde. Die Sparziele von 46 Millionen Euro bis Ende 2018 bestehen nach wie vor. Genauso wie der Plan, 25000 Einheiten der A10 Pumpe im türkischen Bursa zu produzieren. Bis zum Herbst soll der Verlagerungsprozess abgeschlossen sein.

Die Hälfte wurde schon besetzt

Trotzdem bewertet der Betriebsratsvorsitzende Alexander Plaz die Entwicklungen positiv: „Es ist anhaltend Mehrarbeit erforderlich, da muss man für Entlastungen sorgen.“ Er begrüßt daher die Pläne. Mit etwa 20 Personen konnten schon Verträge abgeschlossen werden, betont er. Plaz hofft, dass man „den ein oder anderen an Bord behalten kann“. Doch bis die Umstrukturierungen abgeschlossen sind, dauert es noch mehr als eineinhalb Jahren und Sprecherin Mühlich betont, dass es sich nur um einen zyklischen Anstieg der Nachfrage handele. Heißt: Ein Einbruch ist weiterhin immer möglich.

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05.04.2017, 01:00 Uhr

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