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Richtig abenteuerlich
Der Wintersportliebhaber 1949 im Nordschwarzwald am Skihang der Hornisgrinde mit den langen Brettern und einer maßgeschneiderten Skihose.
Werner Schmid fuhr auf Daubenskiern und mit Bindungen aus Blech

Richtig abenteuerlich

Als noch niemand an Carving- oder Rocker-Ski überhaupt gedacht hat, da fegte der Pfäffinger Werner Schmid die Pisten hinunter. Begonnen hat er sein Skivergnügen Mitte der 1930er Jahre auf Daubenskiern.

25.02.2012
  • Manfred Hantke

Pfäffingen. „Die Winter waren früher besser“, sagt Werner Schmid. Besonders an Weihnachten herum habe viel mehr Schnee gelegen als in den letzten Jahren oder Jahrzehnten. Der 82-Jährige muss es wissen, der Winter ist seine liebste Jahreszeit. Skibegeistert war er schon immer, mit sieben Jahren stand er zum ersten Mal auf den Brettern, die ihm fortan die Welt bedeuten sollten.

Die ersten Bretter waren geliehen. Sie hat der Vater eines Freundes aus einem Fass herausgeschlagen. Auf den Fassdauben oder den Daubenskiern ging es dann den Hang bei Tailfingen hinunter. Die Skistöcke schnitzte sich der Bub aus Haselnussholz, „das wächst nämlich ziemlich gerade“, weiß der Pfäffinger.

Diese Skierlebnisse haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Skilaufen faszinierte Schmid, im Winter 1940/41 kaufte er sich die ersten eigenen Skier – handgemacht von einem Wagner in Unterjettingen bei Nagold. Sie waren aus Eschenholz, die Bindung allerdings machte Probleme. Die fertigte der Wagner aus dem Blech von Wurstdosen an. Doch die scharfen Kanten scheuerten die Riemen durch. Schmid: „Das war richtig abenteuerlich.“

Seine nächsten Skier hatten mit einem aberundeten Blech schon eine etwas professionellere Bindung. Sie tauschte der 14-Jährige 1943 während eines Skilagers im Bergdorf Steibis/Oberstaufen bei Almbauern gegen einen Sack Kartoffeln ein.

Abenteuerlich waren dann aber wieder die französischen Militärskier mit Kabelzugbindung, auf denen Schmid 1952 stand. Die hatte er gebraucht beim Sport Harrer in der Tübinger Altstadt gekauft. Die Bindung war zwar robust und stabil, war jedoch keine selbstauslösende gewesen und eher „ein Knochenbrecher“, sagt Schmid.

Er hatte Glück. Mit diesen Skiern hat er sich nie verletzt. Damit holte er am 17. Februar 1952 bei einem „Jedermann-Rennen“ in Herrenberg drei Urkunden. In der Abfahrt kam er auf den zweiten Platz, beim Langlauf wurde er Dritter und im Torlauf (heute: Slalom) kam er als Vierter ins Ziel.

Wettbewerbe hat der Pfäffinger einige mitgemacht, ob im Schwarzwald oder auf dem Tübinger Österberg, in einen Verein eintreten aber wollte Schmid nie. Ihm hat der Spaß am Sport gereicht. So fuhr er ab Ende der 1940er Jahre im Winter jedes Wochenende in den Schwarzwald zum Kniebis und zur Hornisgrinde oder ins Allgäu und ins Kleinwalsertal – zum Walmendinger Horn, zur Kanzelwand oder zum Ifen. Doch längst hatte er rahmengenähte Lederskischuhe und eine auf Maß geschneiderte Skihose aus atmungsaktivem und wasserdichtem Gabadin-Stoff, gefertigt von der Schneiderei Tressel, damals in der Tübinger Kronenstraße.

Der Skitourismus aber lag noch in weiter Ferne. Statt eines komfortabel eingerichteten Zimmers gab’s ein Matratzenlager, die Skipisten wurden nicht von Pistenraupen präpariert, sondern von den Skiläufern mit ihren Schuhen festgetreten. Seilbahnen oder Lifte gab es nicht. Schmid: „Da ist man einen halben Tag lang hochgelaufen, mittags runtergefahren.“ Zwei Abfahrten am Tag waren etwa am Ifen nicht drin. Dafür aber war bis auf die Übernachtung sowie Essen und Trinken alles kostenlos.

Werner Schmid ging 1993 in Rente. Bis in die 1980er Jahre fuhr der frühere Elektrotechniker die Abfahrten hinunter. Die vollen Pisten hat er kennengelernt, auch das Schlange stehen an den Liften. Seit 30 Jahren macht er nur noch Langlauf. Noch am Freitag vergangener Woche war er auf Hohenentringen und hat die Loipe gespurt. Derzeit aber geht nichts mehr, Werner Schmid hofft auf Schnee.

Richtig abenteuerlich
Werner Schmid vor 60 Jahren, am 17. Februar 1952, beim Abfahrtslauf in Herrenberg. Dort kam er auf einen zweiten, dritten und vierten Platz. Privatbilder

Richtig abenteuerlich
Werner Schmid Bild: Hantke

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25.02.2012, 12:00 Uhr

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