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Der regionale Reiseboom

Riesiger Touristen-Ansturm im Kreis Tübingen

170 000 Gäste haben im vergangenen Jahr im Kreis Tübingen eingecheckt – so viele wohl, wie noch nie zuvor. Die Zugpferde des Booms sind so vielgestaltig wie der Kreis selbst.

29.06.2012
  • Eike Freese

Kreis Tübingen. Der Tourismus im Landkreis Tübingen boomt, wenn man von den reinen Übernachtungszahlen ausgeht. Zwischen Albtrauf und Schönbuch haben Touristen im vergangenen Jahr 340 000 Nächte verbracht. Der Zuwachs beträgt 8,5 Prozent zum Vorjahr – und liegt damit höher als in den Nachbarkreisen der Region, übertrifft sogar den Landesschnitt.

„Es war das beste Jahr für den Tourismus im Landkreis, seit wir Ankünfte und Übernachtungen statistisch erfassen“, jubelt deshalb Manuela Feiler, Tourismusbeauftragte im Landratsamt. Über Gründe wolle sie nicht spekulieren. Sicher sei nur, dass die Zuwächse nicht allein durch eine gute allgemeine Wirtschaftslage im vergangenen Jahr erklärt werden können.

Im Landkreis Tübingen ist es doppelt kompliziert. Hier mischen sich unterschiedlichste Touristenströme: Tagesreisende, Radelfamilien, Uni-Dozenten, Manager, Messebesucher und Monteure. „Es gibt allerdings einen ungebrochenen Trend zum Deutschland-Urlaub“, sagt Gabriele Eberle vom Tübinger Bürger- und Verkehrsverein. Eberle darf sich derzeit nicht nur über die satten Zuwächse des Jahres 2011 freuen. Sie hat auch in diesem Jahr bereits 12,4 Prozent mehr Reisende und 9 Prozent mehr Übernachtungen gezählt. Höher noch liegen die Zahlen bei Besuchern aus dem Ausland. „Man muss bei der Statistik allerdings die Augen offenhalten“, sagt Eberle. „Wenn wir wie im März mehr als 1000 Mikrobiologen für eine Woche in der Stadt haben, dann schlägt das voll zu Buche.“

Rottenburg liegt im Kreis weit vorne bei den Zuwächsen. Mit 61 000 Übernachtungen hat die Stadt ihr bis heute höchstes Ergebnis erzielt. „Sehr ordentlich. Wir hatten schließlich nur rund 25 000 Übernachtungen im Jahr 1999 – und einige Dellen in den Krisenjahren“, sagt Klaus Bormann von der örtlichen Wirtschaftsförderungs- und Tourismusgesellschaft. Bormann glaubt gar, dass „da noch Luft nach oben ist“ und erklärt den Zustrom mit vielen Faktoren: ein bei Radlern erfolgreiches „Neckar-Erlebnistal“, 3000 bis 4000 Übernachtungen im Wohnmobilhafen und Geschäftstourismus, etwa im 54-Zimmer-Hotel Convita.

Vernetzung heißt derzeit das Zauberwort unter örtlichen Touristikern. Manuela Feiler ist beim Kreis genau dafür zuständig. Deshalb zeigt sie sich auf der Stuttgarter Messe CMT, bindet Angebote wie das Kurbad Sebastiansweiler ein und unterstützt übergreifende Initiativen wie den Verein „Schwäbisches Streuobstparadies“. Ein Ziel: Gäste sollen länger als ein, zwei Tage in der Region gehalten werden. „Eine Unistadt allein kann das nicht schaffen“, ist sich selbst die Tübingerin Gabriele Eberle sicher. „Nach einem Wochenende hat man in Tübingen das, was einen interessiert, gesehen.“

Eine Strategie zur Vernetzung ist das Radwegekonzept „Tübinger Um-Welten“, das der Kreis verantwortet. Es gibt Radtouren, etwa zur Literatur, die die Landschaft und ihre Gemeinden erschließen. „Tübingen selbst ist uns als bekanntester Begriff im Landkreis wichtig“, sagt Manuela Feiler. Die Schwäbische Alb ist als nahe Attraktion zwar nützlich – zu Vermarktungszwecken aber nicht immer perfekt zu gebrauchen. „Die Bekanntheit der Schwäbischen Alb hält sich im Norden sehr in Grenzen“, so Feiler. Tübingen sei zumindest als Uni-Stadt vielen ein Begriff und wird auch deshalb als verbindendes Element des Kreis-Marketings verwendet.

Es gab ordentlich Applaus im Sitzungssaal, als Feiler ihre Ergebnisse am Mittwoch dem Kreistags-Ausschuss für Soziales und Kultur vorstellte. „Pfiffige Ideen“ attestierte ihr FWV-Rat Hans Auer. CDU-Kollege Eugen Höschele sprach von „völlig neuer Qualität in der Arbeit“, mahnte aber eine bessere Infrastruktur der derzeit entstehenden Radwege an und forderte, Gastronomie und Hotellerie einzubinden. Landrat Joachim Walter qualifizierte einstige Vorbehalte gegen kreiszentrales Marketing als „nun erledigt“ und nutzte die kurze, aber euphorische Heimattümelei im Saal zur augenzwinkernden Ansage: „Wir sind jederzeit zur Übernahme anderer Landkreise in der Lage.“

Riesiger Touristen-Ansturm im Kreis Tübingen

Riesiger Touristen-Ansturm im Kreis Tübingen

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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