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Managergehälter

Ringen um Obergrenze für Chefs

Viele Emotionen, wenig Konkretes – so lief bisher die Diskussion um überhöhte Vorstandsvergütungen. Das dürfte sich so schnell nicht ändern – auch weil Eingriffe schwierig sind.

20.04.2017
  • DIETER KELLER

Berlin. Ein Amerikaner war im vergangenen Jahr der bestbezahlte Chef eines deutschen DAX-Konzerns: Bill McDermott, der das erfolgreiche Softwarehaus SAP leitet, schoss mit 14,3 Millionen Euro den Vogel ab. Und nicht etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche, der trotz eines Spitzenjahres mit 8,9 Millionen Euro deutlich weniger bekam als im Jahr zuvor. Gemessen am Verdienst aller Mitarbeiter hatte allerdings ein anderer die Nase vorn: Bernd Scheifele von Heidelberg Cement bekam das 190-fache des Durchschnittsverdienstes. Denn seine Mitarbeiter verdienten mit 44 300 Euro besonders wenig. Die SAP-Mitarbeiter, überwiegend Informatiker und andere Spezialisten, erhielten im Schnitt dreimal so viel.

Thema für den Wahlkampf

Die Verdienste in den Topetagen relativieren sich je nach Branche, und doch sind sie beachtlich – viel Sprengstoff für die öffentliche Diskussion. „Der Großteil der Managervergütung läuft fair“, meint Industrie-Präsident Dieter Kempf. Doch gilt das auch, wenn die DAX-Chefs im Schnitt 93 mal so viel verdienen wie ihre Mitarbeiter? Diese Zahl ergab zumindest eine Analyse des Vergütungsberaters Heinz Evers fürs „Handelsblatt“.

Union und SPD haben lange über eine gesetzliche Begrenzung gestritten. Letztlich konnten sie sich nicht einigen – wohl auch, weil das ein zu schönes Thema für den Wahlkampf ist. So setzen sie selbst das Minimalprogramm nicht um, das im Koalitionsvertrag festgehalten ist: „Um Transparenz bei der Feststellung von Managern herzustellen“, sollte die Hauptversammlung die Vorstandsvergütung beschließen. Bisher ist das Sache des Aufsichtsrats. Auch die EU will eine solche Abstimmung zumindest alle vier Jahre vorschreiben.

Die meisten in der SPD würden am liebsten bei dem anpacken, was die Unternehmen von der Steuer absetzen können: Pro Vorstandsmitglied wollen sie dies auf 500 000 Euro im Jahr begrenzen. Für Normalverdiener klingt das gut, und auch mancher in der Union könnte sich damit anfreunden. Aber es wirft jede Menge Fragen auf: Ist das verfassungsrechtlich überhaupt zulässig? Und wenn für wen – nur für Vorstände und Geschäftsführer oder für alle Mitarbeiter? Schließlich sind nach dem Grundgesetz alle gleich zu behandeln.

Welche Folgen das haben könnte, machen Gegner gern an den Profis in der Fußball-Bundesliga fest. Die Topverdiener unter den Kickern bewegen sich in der gleichen Gehaltsklasse wie Zetsche & Co. Gleiches Recht für alle? Selbst Bayern München täte sich schwer, die höheren Steuern zu bewältigen.

Ob die begrenzte Absetzbarkeit wirklich eine Bremse wäre, ist zweifelhaft. Ein Blick etwa in den Daimler-Geschäftsbericht zeigt: Insgesamt bekam der Vorstand 2016 knapp 37 Millionen Euro – gemessen an 8,8 Milliarden Euro Gewinn 0,4 Prozent.

Die dritte immer wieder diskutierte Maßnahme ist ein Maximalverhältnis zwischen den Verdiensten der Chefs und denen der „normalen“ Mitarbeiter. Denn die Schere geht immer weiter auseinander. 2005 bekamen Vorstandsmitglieder von DAX-Konzernen durchschnittlich 42 mal so viel wie ein Beschäftigter, errechnete die gewerkschaftsnahe HansBöckler-Stiftung. 2014 war es schon das 57-fache. In den USA ist allerdings noch viel mehr üblich: Dort kommen die Chefs der großen Konzerne im Schnitt auf das 335-fache ihrer Arbeiter und Angestellten.

Akzeptanz des Systems in Gefahr

Ein Maximalverhältnis würde sogar Industrie-Präsident Kempf mitmachen. Allerdings möchte er es an die erste Führungsebene unter dem Vorstand knüpfen, und den konkreten Faktor müsse die Firma selbst festlegen. Zumindest letzteres wird auch in der Politik diskutiert, doch traut sich keiner, eine Richtzahl zu nennen.

Schon die anhaltende Diskussion über die Höhe der Vorstandsgehälter habe eine hohe Wirkung, registriert Gunther Friedl, Betriebswirtschafts-Professor an der Technischen Universität München. Das sei auch dringend notwendig, „weil wir es uns nicht leisten können, dass die Akzeptanz für unser Wirtschaftssystem weiter zurückgeht“.

Zweistellige Millionenbeträge dürften selbst bei Spitzenergebnissen der Vergangenheit angehören. So wurde bei VW ebenso ein Deckel beschlossen wie bei Daimler. Bei der Deutschen Bank verzichtete der ganze Vorstand auf einen Bonus für 2016, kein Wunder angesichts anhaltender Verluste. Dadurch rutschte ihr Chef beim Verhältnis seiner Vergütung zu den Mitarbeitern auf den letzten Platz unter allen DAX-Konzernen ab. Wofür auch sorgt, dass die Beschäftigten der größten deutschen Bank mit 119 000 Euro im Schnitt noch gut verdienen.

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20.04.2017, 06:00 Uhr

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