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Ringen um das Hotel Silber
Hotel, Gestapo-Zentrale und ab Ende des Jahres Museum: das Hotel Silber. Foto: Ferdinando Iannone
Gedenkort

Ringen um das Hotel Silber

Der Umbau der früheren Gestapo-Zentrale zum Museum wird teurer, die Eröffnung ist auf Ende des Jahres verschoben. Die Beteiligung vieler Initiativen hat Zeit und Kraft gekostet.

16.03.2018
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Am 16. Am 15. Januar 2016 werden die Unterschriften unter jenen Finanzierungsvertrag gesetzt, der die Zukunft des Hotels Silbers besiegelt. Bald danach soll es zum Museum umgebaut werden, birgt das Gebäude in der Dorotheenstraße 10 doch eine mehr als wechselvolle Geschichte: erst mondäne Herberge, dann Post und ab 1928 bis in die 80er Jahre hinein Sitz der Polizei, im Zweiten Weltkrieg württembergische Gestapo-Zentrale. Bis Ende 2017 sollte das Haus nach der ursprünglichen Planung zum Lern- und Gedenkort umgewandelt sein. Doch daraus ist nichts geworden. Eröffnung soll jetzt Ende 2018 sein.

Warum? An Verzögerungen am Bau soll es jedenfalls nicht liegen, wie das Finanzministerium – das Land bezahlt den Umbau als Eigentümer –, betont. Man sei im Zeitplan, teilt ein Sprecher mit. Einer der Hauptgründe soll vielmehr die Vielzahl der Akteure sein: Das Museum entsteht mit umfassender Bürgerbeteiligung.

22 Gruppen und etliche Einzelpersonen hatten sich 2008 zur Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber zusammengeschlossen, als das Gebäude abgerissen werden sollte. Sie erkämpften den Erhalt sowie ein umfangreiches Mitspracherecht. Die Beteiligung und Abstimmungen seien „entsprechend intensiv und zeitaufwändig“, so der Sprecher. Während des Baus habe man vereinzelt auf Ergebnisse der Ausstellungsplanungen reagieren müssen.

Probleme mit der Statik

Rüeck, Sprecher des Hauses der Geschichte, das die Trägerschaft des Hotels Silber übernommen hat, bringt indes auch Statikprobleme als Verzögerungsgrund ins Spiel. Diese haben sich laut Ministerium neben der Ertüchtigung des Brandschutzes und einer Umplanung des Raumkonzepts aber vor allem negativ auf die Kosten ausgewirkt: Mittlerweile wird mit vier Millionen Euro kalkuliert, die der Umbau kosten soll. Zunächst war man von drei Millionen ausgegangen. Auch der Risikopuffer von 300 000 Euro wird dem Sprecher zufolge wohl angetastet werden. In welchem Umfang? Noch unklar.

Doch die Museumswerdung kostet nicht nur mehr Geld und Zeit, sondern auch viel Kraft. Daraus macht auch Sprecher Joachim Rüeck keinen Hehl. Den „krönenden Abschluss eines intensiven Dialogprozess“, den der damalige SPD-Finanzminister Nils Schmid an jenem 15. Januar 2016 bei der Vertragsunterzeichnung ausgemacht hatte, gab es demnach nie. Nach wie vor wird um Lösungen teilweise hart gerungen, wie Rüeck einräumt. „Bisher sind wir aber immer zu einem Ergebnis gekommen.“ In der zurückhaltenden Kommunikationpolitik macht sich bemerkbar, dass sich die Parteien gegenseitig nicht auf die Füße treten wollen, wohl um den fragilen Frieden nicht zu stören.

Um Ausgleich bemüht

Auch Harald Stingele, dem Vorsitzenden der Initiative Lern- und Gedenkort, ist Ausgleich wichtig. Natürlich habe es Hochs und Tiefs gegeben. „Es ist ein anspruchsvolles Experiment der Bürgerbeteiligung, ich habe aber ein gutes Gefühl. Wir haben einen guten Ton und ein konstruktives Miteinander gefunden.“ Ob sich das später auch in der Ausstellung widerspiegeln wird? Joachim Rüeck will das jetzt noch nicht beurteilen: „Das muss man vom Ergebnis her betrachten.“

Bundesweit gilt es jedenfalls als einmalig, dass Bürger beim Aufbau sowie auch beim späteren Betrieb einer solchen staatlichen Einrichtung derart beteiligt werden. In allen drei Gremien des Museums – Programmbeirat, Verwaltungsrat und Runder Tisch – ist die Initiative vertreten. Als weitere Partner im Boot sind das Land als Eigentümer in Form von Finanz- und Wissenschaftsministerium, die Stadt, das Haus der Geschichte, die Parteien aus Gemeinderat und Landtag, Opfer- und Jugendverbände und weitere Organisationen. Sprich: Eine Vielzahl von Interessen, Meinungen und Befindlichkeiten muss unter einen Hut gebracht werden. Was es nicht leichter macht, ist, dass sich dabei streng hierarchisch organisierte Behörden und sehr flach organisierte Initiativen gegenüberstehen.

Im Wissenschaftsministerium bewertet man das Projekt unterm Strich dennoch „insgesamt positiv“. Aus der Zusammenarbeit seien auch neue Impulse für neue Vermittlungsformen zu erwarten, „um breite Kreise der Gesellschaft für Fragen der Geschichte zu interessieren und zu sensibilisieren“, sagt eine Sprecherin. Dass es bei einem solchen Prozess mit unterschiedlichen Sichtweisen zu intensiven und länger andauernden Diskussionen komme, sei klar.

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16.03.2018, 06:00 Uhr

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