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Riskantes Spiel in Fernost
Mit Raketentests wie diesem im März provoziert Nordkorea immer wieder die Welt. Foto: afp photo/kcna via kns
Nordkorea

Riskantes Spiel in Fernost

Die Regierung in Pjöngjang provoziert mit Raketentests. US-Präsident Trump schickt Kriegsschiffe. In Tokio beginnt eine Debatte über die Aufrüstung der japanischen Armee.

11.04.2017
  • DPA

Pjöngjang/Peking/Tokio. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen zu. Während nun auch China schärfere Sanktionen gegen Nordkorea befürwortet, hat in Japan eine Debatte begonnen, ob und wie den Streitkräften über die Selbstverteidigung hinaus Fähigkeiten für einen Gegenangriff verschafft werden sollen. Die kommunistische Regierung in Nordkorea hatte am Mittwoch zum wiederholten Mal gegen UN-Resolutionen verstoßen und eine Testrakete in Richtung offenes Meer feuern lassen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion. In den vergangenen Jahren hatte Nordkorea fünf Atomversuche – zwei davon im vergangenen Jahr – und zahlreiche Raketentests durchgeführt.

Experten gehen anhand von Satellitenaufnahmen davon aus, dass derzeit ein sechster nordkoreanischer Atomwaffentest vorbereitet werden könnte. Ein möglicher Anlass, auch für Raketentests, könnte der 105. Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung am kommenden Samstag sein.

China setzt auf Gespräche

Unterdessen erhöhen die USA den Druck. Eine offizielle Stellungnahme der chinesischen Regierung zur Entsendung eines US-Flugzeugträgers gibt es zwar bisher nicht. Dass US-Kriegsschiffe Kurs auf Korea genommen haben, ist aber sicher nicht in ihrem Sinne. Peking strebt zwar eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen an und trägt deshalb wirtschaftliche Sanktionen mit. Eine militärische Krise oder gar ein Kollaps Nordkoreas wollen die Chinesen jedoch verhindern. US-Soldaten, die im Falle einer Wiedervereinigung beider Koreas direkt an der chinesischen Grenze stünden, sind nicht im Interesse Pekings. China sieht Gespräche als einzige Option, um die Krise in Korea zu lösen.

Seit Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 an die Macht gelangte, treibt Nordkorea trotz scharfer internationaler Sanktionen sein Atomprogramm rascher voran. Ideologisch sieht man den Sohn, der nach unterschiedlichen Angaben 33 oder 34 Jahre ist, in der Nachfolge seines Vaters. Auf dessen „Militär-zuerst“-Politik folgte die sogenannte „Byongjin“-Linie, die mittlerweile als Markenzeichen des Sohnes gilt. Sie sieht den Aufbau einer Atomstreitmacht und die parallele Belebung der maroden Wirtschaft vor. Kims Kurs wird von Südkorea und vom Westen als unrealistisch kritisiert. Kim treibe das Land mit seiner Atompolitik nur weiter in die Isolation, lautet der Vorwurf.

Japan benötigt Schutz der USA

Nordkorea unterhält zwar eine Armee von mehr als einer Million Soldaten, doch deren Ausrüstung gilt als veraltet. Die Führung weiß, dass das Land waffentechnisch den USA und deren Verbündeten wie Südkorea und Japan unterlegen ist. Südkorea geht daher davon aus, dass Nordkorea seine „asymmetrischen Fähigkeiten“ und das Atomwaffenarsenal ausbauen will. Drei Ziele sollen damit verfolgt werden: sich die militärische Überlegenheit zu sichern, eine wirksame Verhandlungskarte zu haben und die innere Einheit zu stärken. Mit Atomwaffen wähnt sich Pjöngjang nicht nur unangreifbar, sie sollen auch das Überleben der Führung garantieren.

Inwieweit Kim mit weiteren Drohgebärden den USA Konzession abringen will, gilt als unklar. An Gesprächen über sein Atomprogramm ist er jedenfalls nicht interessiert. Südkoreas Regierung hält Kim für unberechenbar, sie wirft ihm eine „Obsession“ mit Atomwaffen vor. Wie fest er wirklich im Sattel sitzt, ist auch unter Experten nicht klar. Diverse politische Säuberungen werden auch als Zeichen permanenter Furcht vor einem Machtverlust ausgelegt.

Bis jetzt ist Japan auf den militärischen Schutz der USA angewiesen. Zwar verfügt das Land über Raketenabwehrsysteme. Sie sollen feindliche Raketen über Japan beziehungsweise internationalen Gewässern abfangen. Doch gilt ihr Nutzen bei mehrfachen Angriffen als begrenzt. Ob es trotz der umstrittenen Vorschläge für eine Aufrüstung jedoch überhaupt möglich sein würde, nordkoreanische Raketenabschussrampen tatsächlich zu zerstören, gilt als fraglich. Nordkorea soll im ganzen Land stationäre Abschussrampen haben, noch dazu mobile, die schwer auszuschalten sein dürften. Narushige Michishita, Professor am National Graduate Institute for Policy Studies in Tokio, sieht in der möglichen Einführung von Waffensystemen, die zumindest theoretisch nordkoreanische Raketenabschussrampen zerstören könnten, vor allem den Versuch der Abschreckung. Die Machthaber in Nordkorea sowie China könnten dies aber auch als direkte Bedrohung ansehen. dpa

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11.04.2017, 06:00 Uhr

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