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Die Eröffnung bahnt sich an

Rohbau der Eisenbahn-Erlebniswelt ist fertig / In einem Monat rollen erste Wagen

In einem Monat rollen die ersten der 60 Waggons, Lokomotiven und Triebwagen in die Horber „Eisenbahn-Erlebniswelt“. Der Rohbau des 8500 Quadratmeter großen Museums ist fertig. Am Wochenende des 1. Mai 2011 wird die Eröffnung gefeiert.

12.10.2010
  • Andreas Ellinger

Horb. „Ohne Stuttgart 21 wäre das in Horb nicht so gekommen“, sagt Dr. Claus-Jürgen Hauf, der geschäftsführende Gesellschafter der Schienenverkehrsgesellschaft mbH (SVG) Stuttgart. Das Unternehmen fungiert als Betriebsgesellschaft für den Verein „Freunde zur Erhaltung historischer Schienenfahrzeuge“, der seine Oldtimer dadurch nicht nur restaurieren, sondern auch auf die Strecke schicken kann. Die Oldtimer stehen bisher in einer gemieteten Halle im Bereich des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Dort müssen sie dem Bahnhofs-Projekt „Stuttgart 21“ weichen – wie die alten Bäume im Schlosspark. Ohne diesen Handlungsdruck hätte die SVG nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt in ein Museum investiert, berichtet Claus-Jürgen Hauf. Die Kosten von 2,4 Millionen Euro fordern nicht nur das Unternehmen bis an seine Belastungsgrenze – 50 Prozent der Summe finanziert der Geschäftsführer aus seiner eigenen Tasche und wird „dann über keinen Cent mehr verfügen“… Ausgleichsgelder des Projekts „Stuttgart 21“ seien keine geflossen, sagt Hauf: „Eine Umsiedlungsbeihilfe hätte ich mir schon erwartet.“

Dass obendrein Auflagen die Eisenbahn-Erlebniswelt teurer werden ließen, vereinfachte das Vorhaben nicht. So muss das Regenwasser, das vor der Bauphase immer an Ort und Stelle versickert ist, jetzt in Richtung Neckar abgeführt werden – in einem Kanal, der für ein Hochwasser ausreichend groß ist, wie es statistisch alle 100 Jahre auftritt. 50 Jahre Betrieb werden zur Refinanzierung der Investitionssumme nicht reichen, prophezeit Projektleiter Tobias Ziegler.

Gegenwärtig wird das Sahnehäubchen des Projekts montiert: eine 240 auf 40 Meter große Solaranlage auf dem Dach des Museums, das insgesamt 252 Meter lang und 32,5 bis 39,5 Meter breit ist. Fünf Gleise führen in die Halle, wovon sich eines in dem Bauwerk gabelt. Zum sechsten Gleis gehört eine 30 Meter lange und 1,40 Meter tiefe Grube, die Reparaturen an Lokomotiven und Wagen ermöglicht.

Während in Stuttgart eine Vielzahl von ehrenamtlichen „Schraubern“ und anderen Helfern vor Ort sind, suchen die „Freunde zur Erhaltung historischer Schienenfahrzeuge“ in Horb noch Mitstreiter. Rund um die Eisenbahn-Erlebniswelt gebe es Aufgaben für jede Interessenlage, versprechen die Verantwortlichen. Zu dem Quartett, das am Montag zum Pressegespräch geladen hatte, gehörten neben Claus-Jürgen Hauf und dem künftigen Museums-Leiter Tobias Ziegler auch Pressesprecher und Nostalgieverkehrs-Leiter Markus O. Robold sowie Sonderzugverkehrs-Leiter Sven Ritter. Die SVG fährt beispielsweise VfB-Fans zu Auswärtsspielen und sie bietet Disco-Züge an. In ihren Party-Wagen können dank Federungs-Technik sogar Disc-Jockeys Platten auflegen, ohne dass sie „Wackler“ in Kauf nehmen müssten, wenn der Zug über eine Weiche holpert.

Unter den Ausstellungsgefährten, die in Horb zu sehen sein werden, sind beispielsweise fast alle Güterwagen-Typen aus der Zeit des Wirtschaftswunders – als die Bahn den Transport in der Fläche noch nicht den Lastwagen überließ. Alte Elektro-Triebwagen und Dampflokomotiven gehören genauso zur Sammlung wie ein Viehwaggon aus dem Jahr 1914, der während der Nazi-Diktatur für die Juden-Deportation verwendet wurde. Im Rahmen der Eisenbahn-Geschichte wird folglich auch die deutsche Geschichte aufgearbeitet. Abgesehen von Schautafeln werden museumspädagogisch orientierte Programme für Kinder, Jugendliche und Familien aufgelegt.

Viele der Lokomotiven und Wagen werden in alten Filmen zu sehen sein – im Kino der Eisenbahn-Erlebniswelt, das über 50 Sitzplätze verfügt. Ein Bistro mit 40 Plätzen plus Terrasse und ein Veranstaltungsraum mit 300 Quadratmetern ergänzen das Raum-Angebot. Zudem wird eine Modellbahn aufgebaut sein und es gibt eine Komponenten-Ausstellung, in der unter anderem Bremsanlagen und Motoren zu besichtigen sein werden.

Die Außenanlagen bieten eine Wasser-Tankstelle für Dampf-Lokomotiven befreundeter Eisenbahn-Vereine. Ein Schienenbus, wie er früher im Schwarzwald verkehrte, wird den Transport der Museums-Besucher vom Horber Bahnhof zum ehemaligen Rangierbahnhof übernehmen, wo die Eisenbahn-Erlebniswelt errichtet wird. Wo früher Güterzüge getrennt wurden, sollen künftig sportliche Museumsbesucher mit einer Draisine auf die 500-Meter-Distanz geschickt werden. Eine Draisine ist ein von Hand betriebenes Schienenfahrzeug, wie es aus Western-Filmen bekannt ist.

Ab 2012 wird ein kleines Zügle Kinder und Erwachsene auf einer 600 Meter langen Strecke von der Ausstellungs-Halle zum Museums-Stellwerk bringen – 2011 wird das Zügle am Neckarufer im Rahmen des Horber Grünprojekts fahren, deren Partner die Eisenbahn-Erlebniswelt ist. Die museale Stellwerks-Anlage, welche die Bahn den Projekt-Initiatoren überlassen hat, stammt aus dem Jahr 1928 und war bis vor zwei Monaten noch in Betrieb: Tag und Nacht musste ein Stellwerker die Flügelsignale in Richtung Sulz bedienen. Das werden bald die Besucher tun, wobei die Signale dann abseits der regulären Bahnstrecke stehen.

In rund eineinhalb Monaten geht die Solaranlage ans Netz. Am 29. April 2011 wird die Eröffnung der Eisenbahn-Erlebniswelt mit geladenen Gästen sein – für die Öffentlichkeit öffnet sie am 30. April und 1. Mai ihre Pforten.

Info: Kontakt zur SVG per e-Mail: horb@svgmbh.com – Präsenz im Internet: www.eisenbahn-erlebniswelt.de

Rohbau der Eisenbahn-Erlebniswelt ist fertig / In einem Monat rollen erste Wagen
Die Macher der Eisenbahn-Erlebniswelt im ehemaligen Horber Rangierbahnhof (von rechts): Sven Ritter (Sonderzüge), Dr. Claus-Jürgen Hauf (Geschäftsführender Gesellschafter Schienenverkehrsgesellschaft mbH), Projektleiter und künftiger Museumsleiter Tobias Ziegler sowie Markus O. Robold (Nostalgieverkehr).

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12.10.2010, 12:00 Uhr

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