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Ufos über dem Garneratal

Romantische Nacht zum 100-jährigen Bestehen der Tübinger Hütte

Mini-Montgolfieren stiegen in den Nachthimmel und am gegenüberliegenden Hinterberg leuchtete die Zahl 100. Besinnlich-romantisch feierte die Alpenvereins-Sektion Tübingen das Jubiläum ihrer Hütte im Montafon.

01.09.2008
  • Raimund Weible

Gaschurn. OB Boris Palmer wandelte auf den Spuren des Vorgängers seines Vorvorgängers. Geführt von seinem alpinistisch geschulten Gaschurner Kollegen, Bürgermeister Martin Netzer, bestieg Palmer am Samstagabend von der Tübinger Hütte aus die Westliche Plattenspitze (2883 Meter). Erst später erfuhr er, dass fünfzig Jahre früher OB Hans Gmelin, begleitet vom damaligen DAV-Sektionsvorsitzenden und FDP-Stadtrat Erich Endriss, zum damaligen Hüttenjubiläum ebenfalls diesen lohnenden Aussichtsberg bestiegen hatte.

Als Palmer und Netzer zurückkehrten, war die Dämmerung schon weit fortgeschritten und auf dem gegenüberliegenden Hang des Hinterbergs leuchtete die Zahl 100 auf. Das war das Überraschungsgeschenk der Bergrettung Gaschurn-Partenen für das Hütten-Jubiläum der Sektion Tübingen des Deutschen Alpenvereins. Gunter Hechenberger, Obmann der Garnera-Alpe, und Josef Schönherr machten sich die Mühe, am Abend den Berg zu besteigen und den Hang zu illuminieren.

Es war der Beginn einer romantischen Nacht. Bei sternenklarem Himmel saßen 100 Sektionsmitglieder vor der Hütte, verfolgten, wie die Fackeln am Gegenhang langsam erloschen. Im Zelt hinter der Hütte lief der Film „Schlafes Bruder“, der zum Teil im Garneratal gedreht wurde. Kaum war die Leuchtschrift verschwunden, brannte ein kleines Feuerwerk ab.

Heller Aufstieg – mit abruptem Ende

Um 23 Uhr dann das nächste Schauspiel: Kleine Montgolfieren stiegen wie Ufos in den Himmel. Am Werk waren die Jugendlichen der Bezirksgruppe Hechingen. Streng hatten sie ihr Geheimnis gehütet, auch ihre Überraschung gelang. Nacheinander ließen sie ihre zerbrechlichen Lampions in die kühle Nachtluft schweben. Sie stiegen hoch hinaus, um dann abrupt wie Sternschnuppen abzustürzen.

Frühes Wecken nach kurzer Nachtruhe

Üblicherweise beginnt in dem Berghaus oberhalb des Garneratals die Hüttenruhe um 22 Uhr. Dieses Gebot hatten Hüttenpächter Thomas Amann und Hüttenreferent Klaus Keicher jedoch am Wochenende aufgehoben. Mit Dornfelder des Jahrgangs 2007 und anderen Gewächsen vom Tübinger Weingut Gugel feierten die Tübinger mit Freunden von benachbarten Sektionen in die Nacht hinein.

Die Reutlinger Sektion war durch eine Dreier-Delegation vertreten, angeführt vom Vorsitzenden Helmut Kober. Während des Festakts am Samstag erinnerte er ohne Groll daran, dass die Tübinger Hütte Ursache für die Trennung der damaligen Bezirksgruppe war. Die Reutlinger waren mit der Wahl des Standorts unzufrieden und gründeten darauf eine eigene Sektion. Über diesen Streit ist längst Gras gewachsen und Kober überreichte seinem Tübinger Kollegen Karl Leonhardt einen Gutschein über 160 Euro.

In seiner Rede tischte Palmer ein Schmankerl aus der Hütten-Geschichte auf. Nur zwei Monate nach der Eröffnung wurde die Hütte von einem Einbrecher heimgesucht, der sich den Bauch vollschlug, eine Mandoline kaputtmachte und einen Hammer mitnahm. „Hat man den Burschen eigentlich später erwischt?“ fragte Palmer. Darauf wusste ihm niemand eine Antwort.

Der Oberbürgermeister war, wie sieben weitere Tübinger Sektionsmitglieder, mit dem Rad angereist, gehüllt in ein gelbes Trikot mit Tübinger Wappen. Palmer kam allerdings nicht von Tübingen, sondern vom Gotthard-Pass her. Das letzte Stück trug er sein Gefährt hoch und sagte: „Aus Prinzip kommt das Rad mit.“ Die Ankunft löste Freude aus. Ein älteres Sektionsmitglied begrüßte ihn mit den Worten: „Auf 2000 Meter darf man Du sagen! Hallo Boris!“ Am Sonntagmorgen weckte um halb acht der Posaunenchor Tübinger-Ammerbuch – nach der abendlichen Bergfeier wohl ein bisschen zu früh.

Romantische Nacht zum 100-jährigen Bestehen der Tübinger Hütte
OB Boris Palmer (links) überreicht Karl Eberhardt die Tübinger Fahne.

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01.09.2008, 12:00 Uhr

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