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Premiere mit Herzklopfen

Ronja Schmitt, jüngste Abgeordnete des Bundestags, hält ihre Jungfernrede

Seit knapp einem halben Jahr erst sitzt Ronja Schmitt (CDU) für den Wahlkreis Ulm/Alb-Donau-Kreis im Deutschen Bundestag. Jetzt hielt die 26-Jährige ihre erste Rede - zum Thema Europa.

23.05.2015
  • GUNTHER HARTWIG

Als alles vorbei ist und Ronja Schmitt, mit gerade mal 26 Jahren das Küken im Hohen Haus, auf Highheels vom Rednerpult zurückkehrt in die erste Reihe der CDU/CSU-Fraktion, wartet dort schon ein Empfangskomitee, um der Kollegin stehend zu ihrer Jungfernrede zu gratulieren. Der amtierende Vizepräsident Johannes Singhammer (CSU) schließt sich diesem liebenswerten Ritual mit warmen Worten an und wünscht der Parlamentsnovizin "viele weitere Reden im Deutschen Bundestag".

Ronja Schmitt hat Herzklopfen gehabt vor ihrem ersten Auftritt im Plenarsaal unter der Reichstagskuppel, das gibt sie lächelnd zu. "Da geht einem ganz viel durch den Kopf", sagt die Wirtschaftsstudentin aus Althengstett im Landkreis Calw, "aber man muss sich ja auf seine Rede konzentrieren." Vor ihr hocken zwar nur knapp 40 Abgeordnete aller Fraktionen, auch die Regierungsbank ist bloß spärlich bevölkert, aber auf der Tribüne sitzen viele Besuchergruppen, die TV-Kameras laufen, und die Stenografen protokollieren das denkwürdige Ereignis. "Es ist schon ein großer Moment in meinem Leben", meint Ronja Schmitt.

Fünf Minuten lang spricht die jüngste Volksvertreterin dieser Wahlperiode zum Thema "Dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen zum Erfolg verhelfen". Ihre Stimme ist laut und klar, ohne Zeichen von Nervosität, mehrfach wird sie von Applaus unterbrochen. Dass Ronja Schmitt, seit dem 27. Dezember 2014 als Nachrückerin für den verstorbenen Ravensburger Andreas Schockenhoff Mitglied des Bundestages, bei dieser Gelegenheit gleich eine Liebeserklärung an "meine Heimat Baden-Württemberg und meinen Wahlkreis Ulm und Alb-Donau-Kreis" abgibt, kommt bei den Kollegen ihrer Landesgruppe besonders gut an.

Von denen fühlt sich Ronja Schmitt aber auch sehr gut aufgenommen im bislang unbekannten Berliner Politik-Biotop. Annette Widmann-Mauz, Steffen Bilger und Gunter Krichbaum sind zur moralischen Unterstützung bei Ronja Schmitts Premiere am Rednerpult erschienen, die Neu-Ulmer CSU-Kollegin Katrin Albsteiger (31) stärkt der Neuen als Sitznachbarin den Rücken. Fraktionsgeschäftsführerin Michaela Noll drückt ostentativ die Daumen und tätschelt die Schulter der von Lampenfieber erfassten Parteifreundin. So herzlich geht es nicht oft zu in der Politik.

Bis jetzt hat Ronja Schmitt ihre spontane Entscheidung, das unverhoffte Mandat anzunehmen, zu keiner Sekunde bereut. Ihren Master wird sie demnächst "nebenbei" machen, fast alle Prüfungsleistungen hat sie schon erbracht, jetzt kommt nur noch die Abschlussarbeit über Energiepolitik in Indien und China. Im Oktober fährt Ronja Schmitt mit der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion nach Indien - ein reiner, aber angenehmer Zufall. Was die fernere Zukunft bringt? Darüber macht sich die aktuelle Berufspolitikern jetzt noch keine Gedanken.

Erst einmal versucht sie, auf der Berliner Bühne Tritt zu fassen. Dabei wird sie, was von großem Vorteil ist, von drei Mitarbeitern umsorgt, die vorher schon Erfahrungen in anderen Abgeordnetenbüros gesammelt haben, bei Andreas Schockenhoff, Peter Gauweiler und Nina Warken. Als Mitglied im Europa-Ausschuss ("Das war mein Herzenswunsch") und im Petitionsausschuss hat sie in Sitzungswochen einen gut gefüllten Terminplan, an Wochenenden wartet die Arbeit im Wahlkreis auf sie. In Alt-Moabit hat Ronja Schmitt inzwischen ihre Berliner Bleibe gefunden, in Ulm ist sie noch auf Wohnungssuche.

Natürlich ist der plötzliche Sprung aus den doch eher provinziellen Gefilden des CDU-Kreisverbands oder des Landesvorstands im RCDS in die Bundespolitik beträchtlich, zumal für eine so junge Frau. Aber Ronja Schmitt macht nicht den Eindruck, dass ihr bange ist. In ihrem Büro an der Spree hat sie sich eingerichtet, mit dem Wimpel des VfB Stuttgart auf dem Schreibtisch und der Karte ihres Wahlkreises 291 an der Wand. Ihr Antrittsbesuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, zusammen mit der Gruppe der CDU/CSU-Frauen im Bundestag, liegt hinter ihr. Vor sich hat Ronja Schmitt die Zukunft - und "eine spannende Aufgabe, die mir Spaß und Freude macht".

Ronja Schmitt, jüngste Abgeordnete des Bundestags, hält ihre Jungfernrede
Gefeiert: Ronja Schmitt nach ihrer ersten Rede. Foto: Thomas Trutschel/photothek

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23.05.2015, 12:00 Uhr

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