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Rosskastanien mit Currywurst

Oben bleiben! Es nützt nichts. Der Herbst ist da, die Kastanien fallen. Die Tageszeitung „taz“ nennt sie „schwäbische Pflastersteine“. Wird Herr Mappus neben den Bäumen im Schlossgarten jetzt so Herodes-mäßig auch alle Kastanienbäume im Land fällen? Es könnte ja einer dabei sein, dessen Früchte als Wurfgeschosse mißbraucht werden, das Fanal der Weltrevolution, ausgehend von einem unscheinbaren Stall, Entschuldigung, Baum.

06.10.2010

Schnell zum Kastaniensammeln, bevor es zu spät ist! Und basteln. Jede Kastanie ein Waggon, mit Zahnstochern verbunden ergibt das ein schönes Zügle.

Nebenbei: Kann es ein Zufall sein, dass das bekannteste schwäbische Lied „Auf der schwäb’sche Eisebahne“ heißt und jetzt ausgerechnet ein Bahnhof zum Politikum wird?

„Land bildet Image aus“, so neulich die Überschrift eines Zeitungsartikels. Ich begann zu lesen und erwartete eigentlich einen Kommentar zu Stuttgart 21. Aber dann verstand ich nur Bahnhof, der Text passte so was von nicht zum Thema, dass ich die Überschrift noch mal las, und tatsächlich stand da: „Land bildet Imame aus“.

Bei „Imame“ musste ich an Thilo Sarrazin denken. Und da wurde mir schlecht. Vielleicht lag es auch an der Currywurst, die ich gegessen hatte. Sarrazin, da bin ich sicher, würde Mappus beim Kastanienfällen unterstützen. Stammt die Rosskastanie doch ursprünglich von der Balkanhalbinsel, ein Einwanderer, vermutlich ein Muslim. Einer, der sich der deutschen Kultur genausowenig anpasst wie die asiatisch-berlinerische Currywurst meinem bayerisch-schwäbischen Magen oder der alte Stuttgarter Bahnhof den baden-württembergischen Großplänen: Gegen die landesüblichen Pflanzenschädlinge ist die Kastanie ziemlich resistent, schädigen lässt sie sich nur von der ebenfalls aus dem Balkan immigrierten Miniermotte.

Eigentlich wollte ich kein Wort über Sarrazin verlieren. Ich wollte nicht einmal über den Stuttgarter Bahnhof schreiben. Mein Thema war die Currywurst. Aufgrund meiner Empfänglichkeit für Natureindrücke waren mir die Kastanien dazwischen gekommen, und da fielen mir dann die Pflastersteine ein.

Es war so: Ich hatte unterwegs eine Currywurst gegessen und dabei überlegt, welche Sprüche ich an die Wände sprayen würde, wäre ich der Tübinger Currywurstsprayer. Ich fand die tollsten Sprüche, die natürlich immer den sprühendsten Bezug zum jeweiligen Gebäude hatten. Für die LTT- oder Zimmertheaterfassade favorisierte ich ein kämpferisches „Sire, geben Sie Currywurst!“ Auf die Filiale der –

Nein. Vielleicht doch keine so gute Idee. Zuletzt werde ich noch der Anstiftung zur Sachbeschädigung bezichtigt. Oder der Gewaltverherrlichung. Schließlich habe ich zum Kastaniensammeln aufgerufen.

Was sind das für Zeiten, in denen ein Gespräch über Kastanien und Currywürste fast ein Verbrechen ist.

Peter Ertle

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06.10.2010, 12:00 Uhr

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