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Mal gucken, was der Käufer will

Rottenburg lässt Wohnbedürfnisse erforschen

Wird das Kreuzerfeld Süd demnächst umgeplant? Der Grundstücksverkauf läuft dort bekanntlich nur schleppend. Jetzt soll analysiert werden, ob das Baugebiet überhaupt Chancen auf dem Markt hat.

07.02.2010
  • Hete henning

Rottenburg. Von ursprünglich 105 städtischen Grundstücken in dem 19 Hektar großen Gebiet wurden von 2001 bis heute gerade mal 41 verkauft. Nun soll eine Marktanalyse klären, ob das, was da auf dem Kreuzerfeld und auch in den Rottenburger Teilorten angeboten wird, überhaupt noch mit dem übereinstimmt, was künftige Bauherren suchen. Eine Antwort darauf erhoffen sich die Marktforscher offenbar durch Telefoninterviews.

Dies durfte Annegret Thomma am Donnerstag erfahren. Die Wendelsheimerin bekam einen Anruf von einer Frau, die sich etwa eine halbe Stunde lang „sehr professionell“ und „seriös“ erkundigte, wie es sich an ihrem Wohnort ganz in der Nähe des Baugebiets „Gassäcker“ so lebe: Öffentlicher Personennahverkehr, Lärm, Parkplatzverhältnisse, kulturelles und sportliches Angebot fragte die Anruferin ebenso ab wie die Zufriedenheit mit dem Schul- und Kindergartenangebot. Dann, so Annegret Thomma, sei es noch darum gegangen, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie umziehen werde und ob sie plane, ins Neubaugebiet „Gassäcker“ oder ins „Kreuzerfeld-Süd“ umzusiedeln. Familiengröße, Kinderzahl oder Einkommensverhältnisse seien nicht abgefragt worden. Auf ihre eigene Frage nach dem Auftraggeber der Befragung bekam die Wendelsheimerin „aus Wettbewerbsgründen“ keine Antwort.

Die Stadt, räumte Baubürgermeister Holger Keppel auf Nachfrage des TAGBLATTs ein, habe vergangenes Jahr so eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Es gehe darum, aktuelle Trends zu Wohnlagenwünschen zu erforschen, befragt würden 40 Leute im gesamten Stadtgebiet. 11 000 Euro soll diese Untersuchung laut OB Neher kosten, durchgeführt werde sie von einem Fachbüro, „damit die Sache auch Hand und Fuß hat“.

Ein städtischer Quadratmeter im „Kreuzerfeld-Süd“ kostet 240 bis 290 Euro. Die 11 000 Euro für die Marktforscher entsprechen also rund 40 Quadratmetern. Sollte die Analyse helfen, den Verkauf anzukurbeln, hätte sich die Investition schnell gelohnt.

Nach Auskunft von Rottenburgs Erstem Bürgermeister Volker Derbogen sind von den 64 noch freien Grundstücken im „Kreuzerfeld-Süd“ nur drei für eine Bebauung mit Einzelhäusern und zwei für eine Doppelhaushälfte zugelassen. Für 38 Grundstücke sind Reihenhäuser vorgesehen, drei sollen zweigeschossig und weitere 18 dreigeschossig bebaut werden. Wenn diese Quartiersbebauung nicht funktioniere, wolle er umplanen und mehr Einfamilien- und Doppelhäuser erlauben, hatte OB Neher schon im Herbst 2008 angekündigt.

Auch preislich seien die städtischen Bauplätze eventuell nicht mehr ganz up to date, so der OB gestern. Grundstücke aus privater Hand gebe es bereits für 200 Euro pro Quadratmeter, deshalb sei zu überlegen, ob sich die Stadt nicht den Realitäten anpassen und um 50 bis 80 Euro runtergehen müsse. Schließlich, so Neher, gelte es auch zu eruieren, wie es mit der Grundstücksvermarktung in den Nachbargemeinden aussieht.

Neustetten verkauft seine Grundstücke grundsätzlich nur an Einheimische, und zwar zu einem Quadratmeterpreis von 170 Euro. „Wir machen bisher eigentlich keiner Gemeinde Konkurrenz“, sagt Bürgermeister Gunter Schmid. Um beim „Wettbewerb der Kommunen“ um die Einwohnerzahlen mithalten zu können, sei aber trotz derzeit guter Nachfrage mittelfristig eine Lockerung der Vergaberichtlinien nicht vermeidbar.

Eher zäh läuft der Grundstücksverkauf in Hirrlingen. Einheimische zahlen im dortigen Baugebiet „Bibis“ 150 Euro pro Quadratmeter, Auswärtige 165 und Wohnungsbauunternehmen 180 Euro. Für jedes Kindergeldberechtigte Kind gewährt die Gemeinde den Käufern 1000 Euro Nachlass.

Preisnachlässe für junge Familien schlug die CDU kürzlich im Rahmen der Haushaltsberatungen auch für Rottenburg vor. Die Gemeinderatsmehrheit war dagegen.

Rottenburg lässt Wohnbedürfnisse erforschen
Bauplätze zu verkaufen: Im „Kreuzerfeld-Süd“ ist immer noch viel mehr Freiraum als beabsichtigt. Bild: Mozer

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07.02.2010, 12:00 Uhr

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