Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Römisches Feuer im Stadtgraben

Rottenburger Römertage fanden nur wenig Anklang / Zentnerschwere Rüstungen und Gerätschaften

Ein römisches Heerlager – oder vielmehr: ein Heerlägerle – war am Wochenende im Stadtgraben vor dem Rottenburger Römermuseum aufgebaut. Dort konnten die wenigen Besucher stilecht in die Zeiten von Caesar, Augustus oder Nero eintauchen.

20.07.2015
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. Informationen zuhauf lieferten die diesjährigen Römertage über das Leben der alten Römer und ihre Feldzüge durch die halbe Welt. Es war schon ein Erlebnis, einem römischen Zenturio (Alexander Zimmermann) beim Ankleiden zuzuschauen. Unten Schnür-Sandalen, drüber dicke Unter- und Oberwäsche, dann ein Lederwams, darüber das kiloschwere Kettenhemd, ein weiterer Brustschutz, breiter Gürtel, Dolch, Schwert, lederne Beinschützer mit Silberbeschlag und auf den Kopf einen Helm, der bis unters Kinn reichte. Und das bei der Sommerhitze!

Römertage Rottenburg

Im und ums Römische Stadtmuseum in Rottenburg waren am Wochenende Römertage. Experimentelle Archäologen haben Einblicke ins Leben und den Alltag der römischen Provinz vor fast 2000 Jahren.

© Video: Ambrosius/Luithle 03:01 min

An einem Zelt hing ein Banner, auf dem die Entwicklung des römischen Militärs über die Jahrhunderte hinweg skizziert war. „Die wichtigste Gerätschaft des Soldaten war der Schild“, sagte Zimmermann. „Davon hing sein Leben ab.“ Entsprechend groß und schwer waren diese Riesentrumms auch, die meist aus Leder gefertigt und mit Emblemen bemalt und behängt waren.

Die römischen Soldaten mussten ihre Ausrüstung selbst bezahlen. So waren die Armen zu Beginn aus der Armee ausgeschlossen, nur die Wohlhabenden konnten ins Feld ziehen. „Die hatten auch am meisten zu verlieren, die Armen hatten eh nichts.“ Später bildeten die Römer ein stehendes Heer. Die so genannten armen „Hilfstruppen“ bekamen Sold und konnten so die Kosten für ihre Ausrüstung abstottern. Außerdem erhielt man, wenn man 25 Jahre Militärdienst überlebt hatte, das begehrte römische Bürgerrecht.

Rottenburger Römertage fanden nur wenig Anklang / Zentnerschwere Rüstungen und Gerätschaften
Der „Feldschmied“ Felix Postupka facht mit einem Blasebalg sein Feuer an.

Eine imposante Landkarte lag am Sonntag ausgerollt auf einer langen Bank vor dem Museum. Die Kopie der so genannten Peutinger Karte ist fast sieben Meter lang, aber nur etwa 30 Zentimeter hoch. Sie zeigt die antiken Römerstraßen. Eingezeichnet sind die Verbindungswege, einschließlich Kilometer-Angaben, von Portugal bis Indien. Unzählige Städte sind als Stationen gemalt, manche sogar mit einer Sternvergabe für die Unterkunft, vergleichbar mit den heutigen Michelin-Sternen.

Auf der Nachbildung eines Silberbechers, den Zimmermann zeigte, ist der Weg vom heutigen Cadiz bis nach Rom in Etappen eingraviert, auch hier mit genauen Kilometerangaben. In der Nähe stand eine Feuerlösch-Pumpe, die Zimmermann nach einer Originalvorlage gefertigt hat. „Ich bin gelernter Schmied.“ Vier Kolben laufen in Zylindern, die das Wasser pumpen. Oben drauf ein schwenkbarer Drehkopf als Düse. Diese Armatur wurde auf einen mit Wasser gefüllten Bottich gestellt, dann pumpten die Menschen das Wasser nach oben.

Rottenburger Römertage fanden nur wenig Anklang / Zentnerschwere Rüstungen und Gerätschaften
Mit modernen Kneifzangen: Herstellung eines Kettenhemdes

In Rom, „und nur da, nicht in den Provinzen“, gab es Feuerlösch-Unternehmen. Noch während des Brandes wurde der Lohn ausgehandelt: Je weiter das Haus bereits niedergebrannt war, desto geringer das Honorar. Später (unter Kaiser Augustus) gab es die ersten Vorläufer der heutigen Freiwilligen Feuerwehr.

Zwei Legionäre zeigten, wie die Soldaten früher ihr Getreide mahlten. Jeder Soldat musste seine Verpflegung mit sich schleppen, zusammen hausten sie in Acht-Mann-Zelten, einer war fürs Mahlen zuständig. In der Handmühle drehten zwei Basaltsteine gegeneinander, aus Schlitzen an der Seite rieselte das Mehl heraus.

Gleich daneben kniete Felix Postupka, der fahrende Schmied eines Heerlagers, neben einem Blasebalg. Er entfachte ein Feuer, um darin Metall zum Glühen zu bringen und es anschließend zu formen.

Dazu hatte er einen schweren Schmiedehammer und einen mobilen Amboss, der in einen Baumstumpf gesteckt und dort fixiert wurde. „Mit der Ausrüstung konnte man zwar keine großen Sachen schmieden“,sagt Postupka. „Aber für Reparaturen unterwegs war es perfekt.“

Im Museum selbst konnte man sich noch über Waagen und Münzen der römischen Zeit informieren. Schade nur, dass nru eine Handvoll Besucher den Weg in den Stadtgraben fanden.

Rottenburger Römertage fanden nur wenig Anklang / Zentnerschwere Rüstungen und Gerätschaften
Aaaaugen geradeeee-aus!! Römische Soldaten nehmen Aufstellung

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball