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Sebastian Truffner hat von Butterbrezeln geträumt

Rottenburger hat seine ersten Siebentausender bestiegen

Vier Bergsteiger aus derRegion bezwangen imPamirgebirge gleich zwei Siebentausender. Mit dabei war auch Sebastian Truffner aus Rottenburg.

03.10.2010
  • Katharina Sommer

Rottenburg. Gleich zwei Siebentausender im Norden des zentralasiatischen Pamirgebirges hatten sich Sebastian Truffner aus Rottenburg, der Tübinger Steffen Otto, der Sindelfinger Hermann Elsenhans und Christoph Goretzka aus Aachen vorgenommen. Der 7 105 Meter hohe Pik Korschenewskaja gehörte für die Bergsteiger laut Truffner zum Pflichtprogramm, der 7 495 Meter hohe Pik Ismoil Somoni, auch als Pik Kommunismus bekannt, sollte die Kür sein.

Ende Juli flog die Gruppe in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe, um sich von dort aus mit einem Helikopter ins Basislager bringen zu lassen. Bürokratie und der Umstand, dass der Hubschrauber auch für Präsident Emomalii Rahmon gebraucht wurde, verzögerte die Ankunft im 4.400 Meter hoch gelegenen Basislager um fast eine Woche. Das warf den Zeitplan für die Höhenanpassung durcheinander, weshalb den Kletterern nur ein paar Tage zur Akklimatisierung blieben. „Ein bisschen Kopfweh gab das schon“, sagt Truffner, „aber wenn man Höhe von anderen Touren gewöhnt ist, dann merkt sich das der Körper.“ Als Training haben sie kleinere Tagestouren bis auf 5.000 Meter gemacht.

Die Besteigung des Korschenewskaja machten die Vier im Alpinstil. Anders als beim Expeditionsstil bei dem mit festen Übernachtungslagern, Materialdepots, gegebenenfalls vorher präparierten Routen und Hilfsmitteln wie Flaschensauerstoff gearbeitet wird, gilt es beim Alpinstil seine Ausrüstung mitzuschleppen. Jeder der Bergsteiger hatte einen 30 Kilogramm schweren Rucksack dabei, denn mit Zelten, Kochern, Hochlagernahrung, entsprechender Kleidung und Hochgebirgsausrüstung, teilweise in doppelter Ausführung, kam einiges zusammen.

Allzu gemütlich dürften die Übernachtungen bei engsten Platzverhältnissen und Temperaturen bis zu minus 30 Grad nicht gewesen sein. Am zweiten Tag konnten sie das Zelt auf 5.800 Metern nur als eine Art Schwalbennest am Fels aufschlagen. Für Christoph Goretzka war hier das Abenteuer erstmal zu Ende, denn anhaltende Knieprobleme zwangen ihn zum Abstieg ins Basislager. So erreichten am 9. August bei starkem Wind nur drei den Gipfel, belohnt mit – im wahrsten Wortsinn – atemberaubender Aussicht, denn in der dünnen Luft haben die Bergler laut Truffner doch ziemlich geschnauft.

Zurück im Basislager machten sie sich nach einer viertägigen Pause wieder auf. Diesmal Richtung Süden zum Pik Ismoil Somoni. Wegen schlechtem Wetter und tief liegenden Nebelschwaden war an einen früheren Aufbruch nicht zu denken, ist doch der untere Teil des Berges sehr gefährlich. Das Risiko an der üblichen Route, eine Art Rampe mit Hängegletschern wo zu jeder Tag- und Nachtzeit hausgroße Eisbrocken herunterkommen können, wollten sie nicht eingehen. Es blieb nur der direkte Kletterweg über einen bröseligen Fels- und Eisgrat.

Das war gerade mit dem schweren Gepäck auf dem Rücken die anspruchsvollste Stelle bei der Besteigung. „Da brauchten wir für gerade einmal 100 Höhenmeter an die sechs Stunden“, sagt Truffner. Nach mehreren Tagesetappen standen sie am 19. August auf dem Gipfel des Ismoil Somoni. Viele gibt es nicht, erklärt Steffen Otto, die zwei Siebentausender hintereinander angehen. Das sei sehr kräftezehrend und man baue körperlich deutlich ab. Mit der Zeit, sagt Truffner, „beschlichen einen Visionen von frisch gepresstem Orangensaft und Butterbrezeln“.

Warum das alles? „Abenteuerurlaub extrem“, lacht Truffner, der erstmals auf einem Siebentausender war. Es gehe um neue Erfahrungen und darum, eigene Grenzen auszuloten. Schließlich wisse man ja nicht, wie man in der Höhe reagiert und ob man den Gipfel überhaupt erreichen kann. „Wir suchen deshalb aber weder ungesundes Abenteuer, noch sind wir lebensmüde. Unser Ziel war, eine technisch anspruchsvolle Tour zu machen.“

Info: Die Bergsteiger berichten von ihrer Tour: Am 18. November sind sie ab 19.30 Uhr im DAV-Vereinsheim Tübingen und am 3. Dezember ab 20 Uhr im Rottenburger Sektionsheim Klause.

Rottenburger hat seine ersten Siebentausender bestiegen
30 Kilogramm Gepäck und zwei Siebentausender im zentralasiatischen Pamirgebirge noch vor sich: (Von links) Steffen Otto, Christoph Goretzka, Sebastian Truffner und Hermann Elsenhans. Bilder: Privat

Rottenburger hat seine ersten Siebentausender bestiegen
Exklusives Panorama: Auf rund 6500 Metern Höhe steht das Zelt. Bis zum Gipfel des Pik Ismoil Somoni fehlen noch knapp 1000 Höhenmeter.

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03.10.2010, 12:00 Uhr

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