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Rottenburgs Finanzbürgermeister Volker Derbogen erläuterte seine Rücktrittsgründe
Wenn drei sich freuen, geht der mit dem grauen Schirm: Erster Bürgermeister Volker Derbogen hört in vier Monaten auf. Baubürgermeister Thomas Weigel (links) und Oberbürgermeister Stephan Neher müssen sich noch einige Jahre anstrengen. Das Trio, das sich nicht nur zur Fasnet gut versteht, gestern vorm Rottenburger Rathaus. Bild: Fleischer
Gesundheit und Familie zählen

Rottenburgs Finanzbürgermeister Volker Derbogen erläuterte seine Rücktrittsgründe

Persönliche und gesundheitliche Gründe nannte Rottenburgs Erster Bürgermeister Volker Derbogen gestern beim Pressegespräch für sein Entlassungsgesuch. Am 31. August soll seine Amtszeit enden.

27.04.2016
  • Gert Fleischer

Rottenburg.Wie gestern kurz gemeldet, hat Derbogen, 60, Oberbürgermeister Stephan Neher darum gebeten, aus dem Amt scheiden zu können. Formell muss zwar der Gemeinderat am 10. Mai darüber abstimmen, aber Derbogen hat Anspruch auf Zustimmung.

Bei seiner Wiederwahl vor knapp zweieinhalb Jahren habe er, sagte Derbogen gestern, angekündigt, er über das Amt solange aus, solange es ihn nicht mehr als bis dahin anstrenge und er keine gesundheitlichen Probleme habe. Diese Situation sei nun eingetreten. Er habe bestimmte Ansprüche an sich und seine Leistungsfähigkeit davon wolle er nicht abrücken. Am Montag, als er seine Absicht intern mitteilte, habe er eine Zuschrift bekommen mit der Frage: „Ist es schon so katastrophal?“ Daraufhin habe er geantwortet: „Ich ziehe rechtzeitig die Konsequenzen, bevor es zur Katastrophe wird.“

Er sei aber auch gefragt worden, „ob ich nicht mehr mit dem OB könne“. Diese Vermutung sei falsch. Die Zusammenarbeit mit Neher sei „sehr angenehm“. Er bezog Baubürgermeister Thomas Weigel mit ein und bekräftigte: „Wir sind ein sehr gutes Team.“

Es gebe aber auch persönliche Gründe, die im privaten Bereich liegen und da nicht nur an der Freude über seine Enkel. Alle drei Kinder wohnen nun wieder in der Nähe.“ Er freue sich auf mehr Zeit für die Familie. „Meine Frau war alleinerziehend mit unseren Kindern“, sagte er auf die Arbeitszeit eine Bürgermeisters gemünzt. Er habe keinen Grund, von Rottenburg, von Bad Niedernau wegzuziehen: „Wir fühlen uns hier wohl, wir sind hier verwurzelt.“

Oberbürgermeister Stephan Neher erklärte, er selbst und auch Thomas Weigel hätten „lange versucht, ihn eines Besseren zu überzeugen“, aber letztlich sei Derbogens Wunsch zu respektieren. Er habe 42 Dienstjahre geleistet, davon mehr als 18 bei der Stadt Rottenburg. Innerhalb des Bürgermeister-Trios sei Derbogens Rücktrittswunsch schon einige Monate Thema gewesen. Die Nachricht sollte nicht in Nehers Wahlkampf zur Wiederwahl geraten. Das hätte dem Amt des Ersten Bürgermeisters möglicherweise geschadet.

Deshalb ist die Zeit nun knapper, um einen Nachfolger zu finden. Von seiner früheren Haltung, eine Stadt der Größe Rottenburgs komme mit zwei Dezernenten aus, ist Neher inzwischen abgerückt. „Man kann immer dazu lernen“, sagte er. Die Aufgaben, die politische Entscheidungen erfordern, hätten zugenommen und ganz erheblich das Haushaltsvolumen der Stadt. „Das hat mich zu der Überzeugung geführt, eine Dreierspitze zu behalten.“

Jetzt will Neher rasch mit den Fraktionen reden, ob der Zuschnitt der drei Dezernate so bleiben soll. Denn danach richtet sich die Ausschreibung der Stelle. Anders als der OB werden die so genannten Beigeordneten vom Gemeinderat gewählt. Man müsse damit rechnen, dass Derbogens Nachfolger/in nicht mehr in diesem Jahr eingesetzt werden kann.

Der OB bezeichnete Derbogens bevorstehenden Abschied als großen Verlust für die Stadt. Er selbst, so Neher, habe in seinen ersten acht Amtsjahren von Derbogens Erfahrung profitiert. Ihm sei anfangs nicht bewusst gewesen, wie lange kommunale Projekte dauern können. Manche dörfliche Halle habe zehn Jahre Vorlauf, über die Bundesstraße 28 werde seit 30 Jahren geredet. Bei solchen Zeitspannen sei es hilfreich, sich nicht nur aus Akten und Zeitungsberichten kundig zu machen, sondern mit jemandem zu reden, der die Dinge selbst erlebt, möglicherweise mitgestaltet hat und seine persönlichen Einschätzung geben kann.

Derbogen habe sich stets intensiv eingearbeitet in Themen finanzieller und rechtlicher Art. Seine Sachkunde sei deshalb auch immer wieder von kommunal Verantwortlichen im Kreis, beim Gemeindetag und beim Städtetag abgerufen worden.

Bei aller Kollegialität oder gar Freundschaft habe Derbogen nicht nur für Freude in der Dreierspitze oder bei den Amtsleitern gesorgt: dann, wenn er als Finanzbürgermeister auf Ausgabegrenzen bestand. Deshalb habe sich Rottenburg unter Derbogens „Regentschaft“, wie Neher sagte, selbst als finanzschwache Stadt gut entwickelt. Bei der Steuerkraft je Einwohner liege Rottenburg ganz hinten, bei der Investitionssumme je Einwohner aber in der Spitzengruppe. Das zeige, meinte Neher, dass es bei allen konjunkturellen Einflüssen auch Steuerungsfaktoren gibt. Derbogens größte Leistung sei das Gewerbegebiet „Ergenzingen-Ost“.

„Mir fällt‘s nicht leicht zu gehen“, sagte Derbogen. „Ich glaube aber, es ist der richtige Zeitpunkt.“

Wahlbeamte, erklärte Derbogen zur Einkommensfrage, bekommen nach 40 Dienstjahren das volle Ruhegehalt. Für Derbogen heißt das: sofort. Die Höhe beträgt gut 71 Prozent des letzten Grundgehalts.

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27.04.2016, 01:00 Uhr

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27.04.2016

09:59 Uhr

Raible schrieb:

Wie es um die Wirtschaftskompetenz der Rottenburger Rathausspitze steht, zeigt die Aussage "Derbogens größte Leistung sei das Gewerbegebiet Ergenzingen-Ost". Ein Gewerbegebiet 2 km von der Autobahn entfernt ist ein Selbstläufer, da standen und stehen renommierte Unternehmen Schlange. Das DHL Gelände, innerstädtisches Einzelhandelskonzept, Ärztehaus, Siebenlinden, Entwicklung des Schlachthof und Bahnhofsgeländes sind Projekte an denen Derbogen gemessen werden sollte, nachdem er die professionelle Wirtschaftsförderung (WTG mbH) in Rottenburg von der ersten Minute an torpediert hat. Leider war für die OBs wohl seine Steigbügelhalter-Position wichtiger als ein funktionierendes, professionelles Ansiedlungsmanagement und Stadtmarketing. Die Stadt und der HGV haben stattdessen lieber in der Summe über eine Million Euro in WTG Geschäftsführer investiert, die unter Derbogens "Regie" zum Festle organisieren und Regenschirm verkaufen verdammt wurden. Eine ernüchternde Bilanz!



 

 

 
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