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Kein Kindergarten wurde geschlossen

Rottenburgs OB Stephan Neher seit vier Jahren im Amt

Er begann 2008 mit einem Krisen-Haushalt, doch dann flossen die Euros in unerwartetem Ausmaß. Stephan Neher spricht es offen aus, dass ihm dieses Glück dazu verhalf, eine sehr ordentliche Halbzeit-Bilanz vorzulegen. Heute vor vier Jahren wurde er als Verwaltungschef der Stadt Rottenburg eingesetzt.

16.06.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. „Es waren relativ gute Jahre“, sagt Neher. Zehn Millionen Euro Zuschuss habe die Stadt in diesen vier Jahren von Bund und Land erhalten, 50 Millionen insgesamt investiert. Wie andere Städte auch profitierte Rottenburg vom Zukunftstinvestitionsgesetz – eine Reaktion der Bundesregierung auf die Finanzkrise. Neher kann es sich und der Verwaltung zurechnen, dass die Stadt überdurchschnittlich gut wegkam, weil sie rasch Vorhaben für die Bildungsinfrastruktur vorschlug. Etliche Schulen wurden so runderneuert.

Wie bei OB-Wechseln üblich übernahm Neher viel vom Vorgänger Klaus Tappeser und führte es fort. Das gilt auch fürs Hallenkonzept. Weiler und Seebronn haben jetzt ihre Mehrzweckhallen. Nun warten weitere Stadtteile, meist geht‘s inzwischen um Renovierung.

Einen Schwerpunkt setzte Neher im Wahlkampf bei der Kinderbetreuung. Jedes Dorf sollte seinen Kindergarten behalten. „Das ist gar kein Thema mehr“, sagt Neher zufrieden. Die Unter-Dreijährigen halfen ihm. Wegen des anderen Personalschlüssels für die ganz Kleinen sind Gruppen schon mit weniger Köpfen existenzberechtigt. Es scheint, als ging alles wie von selbst. „Die Sensibilität von Eltern und Ortsverwaltungen“ habe das gute Ergebnis bewirkt, sagt Neher. „Ich bin eh kein Freund von ständig neuen Gutachten. Meistens wissen das die Verwaltungen genauso gut.“

Das Mega-Thema Bildung und Betreuung sieht Neher in Rottenburg und bei sich gut aufgehoben. Die Kernzeitbetreuung werde weiter ausgebaut, Grundschulen wandeln sich zu Ganztagsschulen. „Ganz im Sinn der Landesregierung“, sagt der CDU-Oberbürgermeister mit spitzbübischem Grinsen, erfülle die Stadt damit immerhin grün-rote Politikvorgaben. Die Außenklasse Seebronn, in der geistig behinderte Kinder der Rottenburger Lindenschule mit unterrichtet werden, gibt der OB noch nicht auf. Wegen zweier Kinder zu wenig etwas Bewährtes aufzugeben mit Lehrern, die fachlich darauf eingestellt sind, sei nicht klug: „Mal sehen, was die Landesregierung sagt!“

Dass Furcht vor Verlusten häufig unnötig lähmt, zeige ihm Wendelsheim. Als dieser Stadtteil seine Hauptschule verlor, fürchteten manche auch um die Grundschule. Doch es zog die Grundschulförderklasse von der Kernstadt ins Wendelsheimer Schulhaus. Jetzt seien dort alle glücklich, weil die Halle öfter zur Verfügung steht und weil der Schulhof so riesig groß ist.

Als Plus bucht Neher das Reaktionstempo von Ratsleuten und Verwaltung bei der gewerblichen Entwicklung. In einem Jahr war „Ergenzingen-Ost“ erweitert samt Grunderwerb, so dass Bitzer schon wächst. Auch Elring-Klinger, bisher in Miete dort, baut neu. Ensinger kam 2009. „Die Arbeitsplatzzahlen wurden erhöht“, sagt Neher. Es komme darauf an, „wie die Stadt als Dienstleister auftritt“.

In „Siebenlinden III“ strebt ebenfalls eine Gewerbehalle aus dem Boden. Neher spricht von einer „gewissen Zufriedenheit“, dass dieses Gelände nach zehn Jahren des Brachliegens genutzt wird. Die Kritik am Bauherrn, dem Kopp-Verlag, erwähnt Neher nicht. Er sieht sich als rasch zupackender Macher: „Ich will keine Projekte anstoßen, die in 30 Jahren umgesetzt werden.“ Jetzt sollten Aufgaben erledigt werden, ansonsten müsse man „auch mal klar sagen: Es geht nicht.“ Neher will weitere Realisierungsstaus auflösen: Den Ergenzinger Bahnhof sollen Vereine nutzen. Im Wurmlinger Zentrum baut die Volksbank. Die Klause in der Kernstadt scheint Zukunft als Studentenwohnheim zu haben. Leerstehende Gebäude, für die keine Nutzung in Aussicht steht, will Neher verkaufen.

Löschdienste hatte der OB zu erledigen, als es in der Feuerwehr, Abteilung Stadtmitte, krachte. Intrigen zwischen verschiedenen Gruppen vergifteten das Klima. Neher ließ es in der Krisensitzung an Deutlichkeit nicht fehlen. Nach dem Kommandantenwechsel von Manfred Trapp zu Bernhard Schick seien nicht alle Animositäten beseitigt, sagt der OB: „Die Lagermentalität wird noch eine Weile bleiben“. Aber Schick werde akzeptiert, die Zusammenarbeit funktioniere, und „ob beim Grillfest vier Tische da und vier Tische dort stehen, ist nicht so dramatisch“.

Einen ähnlichen Konflikt hatte Neher bei der Stadtkapelle zu managen. Er gab Stadtmusikdirektor Arno Hermann Rückendeckung sowie weitere Aufgaben in der Musikschule, die Stadtkapelle holte sich mit Stefan Halder einen neuen Dirigenten, der das Orchester mindestens ebenso zu fordern scheint, aber ohne atmosphärische Belastungen arbeiten kann.

Bei der Integration von Menschen aus zugewanderten Familien sieht Neher gute Ansätze. Es habe sich ein Interessenkreis russischer Bürger/innen gebildet. Das „Fest der Nationen“ bedeute für die Menschen anderer Kulturkreise Anerkennung, weil die Stadt organisiert und einlädt, weil die Beteiligten „richtig im Mittelpunkt stehen“. Das habe mehr Gewicht als die eher beiläufige Teilnahme am Neckarfest.

Die Erweiterung des Hallenbads auf dem Hohenberggelände ist Neher wichtig, war es doch das erste Projekt, „das zu hundert Prozent in meiner Zeit“ erledigt wurde (Vorgänger Tappeser dachte an ein neues Hallenbad im Hammerwasen). Am Beispiel Hohenberg-Halle macht Neher klar, dass es gelegentlich gut ist, abzuwarten und nachzudenken. Das habe die Stadt getan, als die Sanitäranlagen für 168 000 Euro zur Sanierung anstanden. Die unvermeidliche Komplettrenovierung der Halle hätte 6,5 Millionen Euro gekostet. Nun bekommt Rottenburg für 8,9 Millionen Euro eine völlig neue Vierfeld-Sporthalle.

Ergenzingen und seine Gewerbegebiete hält Neher für eine Erfolgsstory. Es gebe funktionierende Schulen; sie kooperierten mit örtlichen Firmen (mit Bitzer etwa). Zwar brächten angesiedelte Firmen ihr Personal meist mit, aber Jahr für Jahr würden mehr Arbeitsplätze hiesigen Leuten zur Verfügung stehen. Wer einkaufen will, finde in Ergenzingen eine „hervorragende Grundversorgung“.

Für 4,7 Millionen Euro wurde oder wird der Hochwasserschutz in betroffenen Gebieten verbessert, sagt Neher zu seiner Leistungsbilanz. Alle Ortschaften seien an schnelles Internet angeschlossen. Das Kreuzerfeld habe endlich einen Verbrauchermarkt.

Er resigniere vor der Übermacht Tübingens und Reutlingens im Regionalverband, die das Fachmärktezentrum auf dem DHL-Gelände verhindern wollen. Es gehe um angemessene Einkaufsmöglichkeiten für die Bewohner des Mittelzentrums Rottenburg. Ökologisch habe es wenig Sinn, wenn die Leute immer wieder nach Tübingen fahren müssen. „Es bleibt spannend“, sagt Neher und lächelt. „Wir scheuen vor einer Klage nicht zurück.“

Rottenburgs OB Stephan Neher seit vier Jahren im Amt
„Ganz so schlecht schneid’ ich gar nicht ab“, sagte Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, als er nochmals seinen Wahlkampf-Flyer las.Bild: Sommer

Diese Themen kommen in den nächsten Jahren auf Rottenburg zu: Das ehemalige Flugfeld in Baisingen soll fürs Gewerbe hergerichtet werden. OB Stephan Neher hofft auf den Zuschlag für einen Klimaschutz-Manager, der sich um die energetische Verbesserung der städtischen Gebäude kümmert. Beim alten Spitalhof soll mit Siedlungswerk und Kreisbau ein Projekt für ältere Menschen realisiert werden mit barrierefreiem und betreutem Wohnen sowie mit einigen Plätzen für die Tagespflege. Für die Teilhabe der Jugend an der Kommunalpolitik soll das Jugendforum die Nutzung von Facebook prüfen. Die Stadt soll sauberer werden; nicht zuletzt Touristen übten häufig Kritik. Den Bau einer Stadtbibliothek will Neher vorantreiben, aber ein paar Jahre werde das sicher noch dauern.

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16.06.2012, 12:00 Uhr

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