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Neue Halle jetzt in Planung

Rottenburgs Verwaltungsspitze besuchte ElringKlinger

Bis Ende nächsten Jahres will der ElringKlinger Logistic Service in eine neue, dann eigene und größere Werkhalle im Gewerbegebiet „Ergenzingen-Ost“ umgezogen sein.

23.10.2012
  • Gert Fleischer

Ergenzingen. Das bestätigte Thilo Müller, Geschäftsführer des Ergenzinger Betriebs. Erweiterungspläne gab‘s schon vor einigen Jahren, doch dann gebot die wirtschaftliche Lage Einhalt. Zwischenzeitlich erwog ElringKlinger den Umzug in die Nachbarschaft, wo die Grundstücke billiger waren. Aber der größte Teil der Mitarbeiter wollte nicht mit umziehen. Weil gut und speziell ausgebildete Leute wertvoll sind, erwarb ElringKlinger das Grundstück direkt neben der jetzigen Halle. Früher war dort eine Diskothek mit Gastronomie und Hotel geplant („Cabrio“).

Vor zehn Jahren eröffnete ElringKlinger in Ergenzingen. Die Halle gehört Stuttgarter Investoren und ist in der ElringKlinger-Gruppe das einzige angemietete Firmengebäude. Auf dem Nachbargrundstück sollen 7000 Quadratmeter Werkfläche entstehen, für Erweiterung bis zur gleichen Größe wäre Reserve.

In Ergenzingen wird nicht produziert. Vielmehr wird die Ware, ganz überwiegend Dichtungen für den Automobilbau, angeliefert, sortiert, zusammengruppiert und verpackt („kommissioniert“). Dann gehen die Produkte zurück in die Firmenzentrale nach Dettingen/Erms. Deshalb denkt Müller für die Zukunft auch an eine Versandabteilung. Es werde immer wichtiger, den Kunden möglichst schnell zu bedienen, sagte er beim Informationsbesuch der Rottenburger Verwaltungsspitze.

Im Hauptwerk Dettingen produziert die ElringKlinger AG Originaldichtungen für Hersteller und deren Werkstätten, aber auch Teile, die nicht unter Markennamen veräußert werden. Diese Waren kaufen besonders Zweit- und Drittbesitzer älterer Autos im Zubehörhandel.

Unter Metalltarif, dafür aber in Deutschland

Die Arbeit, die die Ergenzinger Belegschaft erledigt, wurde früher in Dettingen gemacht. Das Unternehmen ist dort tarifgebunden, erklärte der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Wolf. „Dieses Geschäft können Sie heute nicht mehr unter Metalltarifbedingungen machen“, fügte er hinzu. So kam es einst zur Auslagerung nach Ergenzingen. „Damit bleibt das Geschäft in Deutschland“, sagte Wolf; „andere verlagern nach Polen oder Rumänien. Es muss unser Ziel sein, untere Lohngruppen zu schaffen.“ OB Stephan Neher kommentierte: „Sonst zahlt’s die Gesellschaft.“

Der Bedarf an Tätigkeiten für angelernte Kräfte sei in Deutschland groß, bestätigte Thilo Müller. Er weitete in Ergenzingen den Arbeitsumfang aus und nimmt seit fünf, sechs Jahren auch Aufträge von externen Kunden an.

Die Absatzkrise, die sich derzeit in Südeuropa bei den Autos breit macht, treffe ElringKlinger nicht, sagte Hans-Dieter Schwarz, der Leiter des Geschäftsbereichs Ersatzteile. Wer sich keinen neuen Wagen leisten kann, lasse seinen alten reparieren. Dabei werden Dichtungen benötigt, denn Dichtungen lassen sich nur einmal verwenden.

Diese Artikel sind in der Massenherstellung zumeist Cent-Produkte, die allerdings auf dem Weg bis zum Kunden eine beträchtliche Wertschöpfung erfahren und entsprechend teuer sind. Auch deshalb werden sie gern gefälscht. Hauptnationen bei diesen Plagiaten seien an erster Stelle die Türkei, dann China. Weil die Nachahmer die Technologie nicht richtig beherrschten, seien ihre Dichtungen selten dicht, schädigten deswegen den Ruf des Automobilunternehmens und des – in diesem Fall angeblichen – Dichtungsherstellers.

Größere Halle bietet Potenzial für mehr

Seit einiger Zeit macht Ergenzingen auch Qualitätskontrollen. Sie finden in der neuen Halle bald bessere Bedingungen. Stück für Stück schauen sich die Mitarbeiter/innen an. Handarbeit bestimmt das Geschäft. Schwarz: „120 Millionen Teile gehen hier jedes Jahr durch menschliche Hände!“ Alle zwei Stunden machen die Leute Pause. Die Rotation zwischen verschiedenen Arbeitsplätzen ist Prinzip, um die Augen zu entlasten.

Ist die neue Halle bezogen, will der Logistic Service in Ergenzingen einen weiteren Sprung nach vorn machen. Geschäftsführer Müller: „Wir haben immer das Problem, dass wir nicht wissen, wie wir die viele Arbeit bewältigen sollen. Das ist ein angenehmer Zustand.“

Rottenburgs Verwaltungsspitze besuchte ElringKlinger
Firmenbesuch bei ElringKlinger. Sonja Jethon beschriftet Stück für Stück winzige Düseneinsätze an der Nagelmaschine. Hinter ihr von links Oberbürgermeister Stephan Neher, an der Maschine Sonja Jethon, Geschäftsführer Thilo Müller, Vorstandsvorsitzender Dr.Stefan Wolf, Erster Bürgermeister Volker Derbogen, der eine dieser Düsen in der Hand hat, Ortsvorsteher Hans Beser und der Leiter des Geschäftsbereichs Ersatzteile Hans-Dieter Schwarz. Bild: Fleischer

Die ElringKlinger AG ist ein weltweit aktiver Entwicklungspartner und Erstausrüster für Zylinderkopf- und Spezialdichtungen sowie weitere Teile für den Automobilbau. Beschäftigt waren Ende 2011 knapp 6200 Mitarbeiter/innen. Am Hauptsitz in Dettingen/Erms arbeiten 1400 Beschäftigte. Der Umsatz lag im vorigen Jahr nach einer 30-prozentigen Steigerung erstmals über einer Milliarde Euro.
In Ergenzingen begann der ElringKlinger Logistik Service vor zehn Jahren mit 35 Beschäftigten, jetzt arbeiten 150 Leute dort vor allem in der Kommissionierung. Der Umsatz liegt bei 10 Millionen Euro.

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23.10.2012, 12:00 Uhr

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