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Partner auch ohne Urkunde

Rottweil pflegt Schweizer Freundschaft seit 100 Jahren

Städtepartnerschaften gibt es viele im Land. Einige sind etwas Besonderes, weil sie die ersten ihrer Art waren. Manche Verbindungen stehen seit Jahrhunderten. Zum Beispiel die von Rottweil in die Schweiz.

25.02.2013
  • PETRA WALHEIM

Rottweil/Ludwigsburg Das geplante Steuerabkommen ist Ende 2012 gescheitert. Der Staatsvertrag zum Fluglärm, der den Flugverkehr zum Züricher Flughafen über Südbaden regeln soll, ist heftig umstritten. Wer die jüngsten Diskussionen zwischen Deutschland und der Schweiz verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, Deutsche und Schweizer seien sich nicht wohlgesonnen. Aber das täuscht. Was sich auf höchster politischer Ebene abspielt, spiegelt in keiner Weise das wider, was sich an der Basis tut.

Dort werden bis heute jahrhundertealte Freundschaften gepflegt. Ein Beispiel ist Rottweil, die älteste Stadt im Land. Die hat sich im Januar in ein Festjahr mit der Schweiz gestürzt. Gefeiert werden die hundertjährige Städtepartnerschaft mit Brugg und die seit 550 Jahren haltenden Freundschaftsbande mit den Eidgenossen. Was die wenigsten wissen dürften: Rottweil gehört bis heute zur Schweizer Eidgenossenschaft. Die Stadt wurde 1463 von den Eidgenossen als "zugewandter Ort" anerkannt. 1519 wurde das Bündnis erneuert und bis heute nicht gelöst. Als "zugewandter Ort" war Rottweil damals verpflichtet, in militärischen Auseinandersetzungen zur Schweiz zu stehen. Umgekehrt sollten die Eidgenossen den Rottweilern zu Hilfe eilen.

Die Eidgenossen erfüllten den Vertrag vor allem nach den zwei Weltkriegen. "Wenn man heute mit Leuten spricht, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, dann ist denen vor allem die Hilfe aus der Schweiz im Gedächtnis geblieben", sagt der Rottweiler Pressesprecher Tobias Hermann. Die Schweizer haben den Rottweilern mit Geld- und Sachspenden aus der Not geholfen.

Damals bestand die Städtefreundschaft mit der Stadt Brugg aus dem Kanton Aargau bereits. Der Grundstein dafür wurde 1913 gelegt, als Rottweiler und Schweizer das 450-jährige Bestehen des ersten Bündnisvertrags von 1463 feierten. Damals reiste der Männergesangverein Frohsinn Brugg in die frühere Reichsstadt. Seitdem lebt die Städtepartnerschaft in vielfältigen Beziehungen vor allem auf kommunalpolitischer, privater und Vereinsebene. "Eine Urkunde zur Städtepartnerschaft gibt es nicht", sagt Hermann. Die Beziehungen seien über so viele Jahre gewachsen. Da brauche es keine Urkunde mehr, um die zu besiegeln.

Das haben Ludwigsburg und Montbéliard anders gesehen. Sie haben 1962 eine Partnerschafts-Urkunde unterzeichnet, obwohl die zwei Städte eine mehr als 600-jährige Geschichte verbindet, die 1397 damit beginnt, dass die französische Stadt Montbéliard württembergisch und wie Ludwigsburg Residenz der Herzöge von Württemberg wird. Als Montbéliard im 16. Jahrhundert zur protestantischen Enklave im katholischen Frankreich wird, beginnt der erste Austausch mit Deutschland: Die protestantischen Pfarrer für Montbéliard werden im Tübinger Stift ausgebildet. Bis heute gehört "Mömpelgard", wie die Stadt auf deutsch genannt wird, der evangelischen Landeskirche Württemberg an.

Christine Süß, Beauftragte für die Städtepartnerschaften in Ludwigsburg, vermutet, dass auch die Verbindung Ludwigsburg-Montbéliard mit wegweisend für den Élyséevertrag war, der 1963 unterzeichnet wurde. Zu dem Zeitpunkt gab es, nach zögerlichen Anfängen nach dem Krieg, schon wieder einen regen Austausch zwischen den "Bruderstädten", wie sie auch genannt werden. Die Partnerschaft ist so beständig, dass die zwei Städte gemeinsam ein humanitäres Projekt im westafrikanischen Burkina Faso unterstützen. Dort wurde mit Spendengeldern eine Schule gebaut.

Eine Vorreiterrolle hatte auch Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall). Die Stadt ging die erste Partnerschaft mit einer Kommune in den USA ein. 1956 begann der regelmäßige Schüleraustausch mit Worthington in Minnesota. Den Kontakt begründet haben Theodora Cashel und ihre Tochter Martha nach dem Krieg. Crailsheim wurde 1945 von den Amerikanern zu 90 Prozent zerstört. "Theodora und Martha wollten den Crailsheimern aus der größten Not helfen und schickten tonnenweise Hilfsgüter in die Stadt", sagt Pressesprecher Franz Kasimir. Aus der Patenschaft für Crailsheim entwickelte sich eine Partnerschaft, die bis heute lebendig geblieben ist. "In diesem Jahr läuft der 54. Schüleraustausch", sagt Kasimir. Jedes Jahr lebt ein Schüler aus Crailsheim ein Jahr lang in Worthington und einer aus den USA auf der Ostalb. Außerdem gibt es regelmäßige Bürgerreisen und Besuche. Da Worthington laut Kasimir die Welthauptstadt der Truthahnzucht ist, gibt es dort jedes Jahr im September ein Truthahn-Rennen. Auch das haben die Crailsheimer schon miterlebt.

Rottweil pflegt Schweizer Freundschaft seit 100 Jahren
Schild am Rottweiler Ortseingang: Städtepartnerschaften sind in vielen Kommunen alltäglich. Doch in Rottweil musste die Freundschaft zu Brugg in der Schweiz auch schwere Zeiten bestehen - etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Petra Walheim

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25.02.2013, 12:00 Uhr

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