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CSU

Rücktritt vom Rücktritt

Er macht weiter, als Parteichef und wenn möglich auch als Ministerpräsident. Wie lange, darauf gibt Horst Seehofer keinen Hinweis. Stattdessen wird Geschlossenheit zelebriert.

25.04.2017
  • PATRICK GUYTON

München. Einen scheinbar so selbstkritischen Horst Seehofer hat man selten gesehen. „Ein Fehler“ sei es gewesen, sagt er am Rednerpult des Franz-Josef-Strauß-Hauses in München. Er sagt es nicht einmal, sondern sicherlich fünf Mal. „Es war nicht klug.“ Diese Selbstbezichtigung hat schon wieder eine ironische, kokettierende Note. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef bezieht sich auf seine Aussagen, wann für ihn Schluss ist: 2017 wollte er den Parteivorsitz abgeben und 2018 nicht mehr für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren.

Das ist jetzt doch wieder völlig anders. Seehofer will in beiden Ämtern weitermachen. Der Rücktritt vom Rücktritt ist vollzogen. Jetzt muss ihn die Partei noch wiederwählen, doch das ist bei der CSU eher Formsache.

Seit Wochen, wenn nicht gar Monaten bereitet Horst Seehofer diese Inszenierung vor. Was er natürlich bestreitet. Er habe sich erst am vergangenen Samstag nach dem Fußballspiel des FC Ingolstadt entschieden, will er den Journalisten weismachen. Seine Familie stimmte zu, der Gesundheitscheck verlief für den 67-Jährigen zufriedenstellend. Am Ostermontag gab es noch schöne Bilder aus dem Vatikan, als er mit einer Gebirgsschützengruppe Ex-Papst Benedikt XVI. anlässlich dessen 90. Geburtstags besuchte. Unter blauem Himmel wurde Weißbier getrunken, Bayern unter Bayern.

Damit nun auch ja nichts schief geht an diesem Montag, soll Seehofer in der Staatskanzlei geschlafen haben und nicht im heimischen Ingolstadt. Er wollte unbedingt vermeiden, in den Stau zu geraten und womöglich zu spät zu kommen. Er kam pünktlich. Der Sitzungssaal 2 der Parteizentrale, wo die Pressekonferenz stattfindet, ist rappelvoll. Was da sonst nach Vorstandssitzungen verkündet wird, ist oft nur mäßig interessant. Doch heute ist Seehofer-Tag, das Bayerische Fernsehen überträgt live.

Es ist eine erneute Wende um 180 Grad. Er wolle, sagt Seehofer, er könne, und es sei gewährleistet, dass „mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit“ bei den beiden kommenden Wahlen erfolgreich sei. Er meint die Bundestagswahl im Herbst und die bayerische Landtagswahl ein Jahr darauf. Der Parteivorstand habe dies „einhellig begrüßt“. Er wirkt ganz gerührt, wenn er erzählt, dass sich einige von sich aus gemeldet und ihre volle Unterstützung zugesagt hätten.

Nachfolgefrage nur verschoben

Dennoch gefällt das nicht allen, die – auch durch die früheren Äußerungen des Chefs hervorgerufen – seit Jahren um die künftigen Top-Posten rangeln. Allen voran ist da der bayerische Finanzminister Markus Söder, der Seehofer unbedingt beerben und den dieser verhindern möchte. In seiner gespielten Gelassenheit sagt Söder an diesem Tag, der alte und neue Chef habe seine „ehrliche Unterstützung“. Die Partei setze auf ihre „stärkste Formation“. Streit oder gar ein innerparteilicher Machtkampf ist in den nächsten fünf Monaten in der CSU tabu.

Neben Seehofer steht noch ein weiterer CSU-Politiker am Pult und strahlt fast die ganze Zeit über wie ein Honigkuchenpferd: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, der als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl antreten soll. Er und Seehofer sind komplett identisch gekleidet, auch da scheint völlige Einigkeit zu herrschen, selbst die hellblaue Farbe der Krawatte ist gleich. Und er meint: „Jetzt ziehen wir in die Schlacht.“

Seehofer begründet seinen Verbleib: „Die Welt hat sich seit 2013 massiv geändert. Wir haben eine völlig andere weltpolitische Lage und eine andere Parteienlandschaft.“ In einem Atemzug redet er von internationaler Kriminalität, Terrorismus und Zuwanderung. Implizit sagt er: Ich bin der beste Mann für schwierige Lagen.

Doch es ist auch eine etwas merkwürdige Vorstellung dieses Politiker. Er rühmt sich damit, schon 46 Jahre in der CSU zu sein, 37 Jahre Berufspolitiker und 21 Jahre in Bundes- und Landeskabinetten. Das wirkt fast wie die Steilvorlage an die Opposition, die dann sagt: Na also, das reicht. Die Entscheidung fürs Weitermachen habe er, sagt Seehofer, „mit 51 zu 49 Prozent getroffen“. Auch das klingt nicht unbedingt nach einem Mann, der weiter ganz und gar für seine Ämter brennt.

Doch ist es womöglich auch Koketterie, wenn er öffentlich über die „Sehnsucht“ nach dem Ruhestand nachdenkt: „Ein Contra-Leben ohne Termine, Sitzungen und Strippenzieherei hinter den Kulissen.“ Wie lange er nun bleibt, darauf will sich Seehofer jetzt nicht festlegen, will nicht noch einmal denselben „Fehler“ begehen. Doch als bayerischer Ministerpräsident kandidiert man für fünf Jahre. Die Nachfolgefrage – sie ist nur verschoben.

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25.04.2017, 06:00 Uhr

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