Wundertüte oder Besserung?

Rüdiger Grube spricht über die Gäubahn und will sich für Sulzer Bahnhof einsetzen

Im Rottweiler Ratssaal lauschten gestern Kommunalpolitiker und Vertreter von Interessensverbänden den Ausführungen von Rüdiger Grube, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, zur Zukunft der Gäubahn. Landrat Wolf-Rüdiger Michel sprach auch den schlechten Zustand der Bahnsteige am Sulzer Bahnhof an.

06.04.2013

Von cornelia addicks

Sulz/Rottweil. Er wolle keine Stuttgart 21-Veranstaltung aus dem Informationsgespräch in Rottweil machen, stellte Rüdiger Grube gleich zu Beginn klar. „Kleine Maßnahmen sind genauso wichtig?, betonte der Chef der DB-AG. So würden derzeit Weichen im Neckartal und die Gleise zwischen Rottweil und Tuttlingen erneuert.

Das Ziel für die Gäubahn seien höherer Komfort und bessere Anbindungen. Dies erläuterte der Bahnchef an vier Punkten: Spätestens ab Dezember 2017 würden die Verbindungen zwischen Stuttgart und Zürich verdoppelt, auch Böblingen erhalte dann einen IC-Halt.

Die Nutzung der brandneuen IC-Züge sei ohne Aufpreis auf den Regionaltarif möglich. Die neuen Züge verfügten über bequeme breite Einstiege, komfortable Sitze, eigene Steckdosen für jeden Passagier und sechs zusätzliche Gepäckregale. Auch mehr Fahrradstellplätze wird es auf der Strecke geben. Der Fahrplan verschiebe sich um eine halbe Stunde, damit die Anschlüsse in Stuttgart besser erreicht werden könnten.

Möglicherweise könnte dies bereits ab Dezember 2017 gelten. „Wir haben viele Mitspieler?, sagte Grube einschränkend und bezog sich dabei auch auf die Hersteller von Waggons und Lokomotiven, deren Lieferzeiten nicht immer absehbar seien.

Diskussionspunkt war auch der Name „Gäubahn?, der zu provinziell klinge. Grube wiederholte seinen Vorschlag, einen Wettbewerb an Schule anzuregen, um einen neuen, griffigeren Namen zu finden. Aus dem Forum kam der wohl früher schon genutzte Name „Magistrale Mailand-Berlin?, Grube selbst bevorzugt „Metropolenverbund Stuttgart-Zürich?.

Volker Kauder, CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, wollte wissen ob „für die Gäubahn oder wie das Ding dann auch heißen soll?, in Stuttgart immer Endstation sein werde. Die Antwort von Rüdiger Grube und von Harmen van Zijderfeld, Leiter Angebotsmanagement der DB Fernverkehr AG, lautete: „Ja, zumindest, bis Stuttgart 21 fertig ist. 2021 sieht man dann eventuell weiter?.

Zur Strecke Horb-Neckarhausen erklärte Eckart Fricke, Konzernbevollmächtigter für Baden-Württemberg, dass man nun in der Leistungsphase 3 stehe, dass Bauantragsunterlagen fertiggestellt würden. Ein Problem ergebe sich im Bereich Naturschutz: „Es gibt eine besondere Echsenart, die sich dort im Eisenbahnschotter sehr wohlfühlt?. Weiteres könne man erst beim Bahngipfel in Stuttgart am 5. Juni sagen.

Der Rottweiler FDP-Stadt- und Kreisrat Gerhard Aden nannte den Bericht eine „schöne Wundertüte?. Er nehme zwar seinen Hut vor den gemachten Anstrengungen, sei aber besonders durch die Aussagen zu den beiden weiteren Ausbaustellen auf der Gäubahnstrecke „ganz verwirrt? und befürchte, das Ganze sei ein „ganz großer Wurf im Nebel?.

Am 19. April wird im Landratsamt weiter über die Lage der Gäubahn diskutiert werden.

Ein weiteres Thema war der Zustand des Sulzer Bahnhofs. Landrat Wolf-Rüdiger Michel schimpfte: „Wenn die Bahnhöfe als Visitenkarten der Bahn gelten, dann ist diese hier nicht nur geknickt, sondern böse ausgefranst?. Michel hatte unlängst die Unterführung selbst besichtigt ? und gerochen: „Keine Bahnunterführung riecht wie eine Parfümerie?, sagte der Landrat, „aber die in Sulz stinkt wie eine lange nicht geputzte Autobahntoilette?. Ob man da nicht mal mit einem Reinigungs-Instrument tätig werden könne, fragte der Landrat.

Die Stadt Sulz plane, ein Häuschen aufzustellen, um „den Druck? zu mildern. „Die Bahnsteige in Sulz sind wie eine Art Kraterlandschaft, auf der nur ein geübter Wanderer von A nach B gelangt. Von Barrierefreiheit kann man hier gar nicht sprechen?, sagte Michel. Als Gedankenstütze überreichte der Landrat dem Bahnchef Fotos, die diesen Mittwoch in Sulz aufgenommen worden sind.

Grube kommentierte die Bilder folgendermaßen: „Bilder lügen nicht. Das ist wirklich keine Visitenkarte. Ich werde versuchen, alles zu tun, was irgendwie möglich ist?, versprach Grube. Das reichte Volker Kauder nicht: „Sie nehmen hierfür doch bitte ein bisschen Geld in die Hand?, setzte Kauder den Bahnchef unter Druck.

Rüdiger Grube

Entsetzt war Landrat Wolf-Rüdiger Michel nach einer Besichtigung des Sulzer Bahnhofs. Fotos, die den desolaten Zustand der Bahnsteige dokumentieren, zeigte Michel gestern auch Bahnchef Rüdiger Grube, der für ein Pressegespräch zum Thema Gäubahn nach Rottweil gekommen war. Bilder: icks

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Erstellt:
6. April 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. April 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. April 2013, 12:00 Uhr

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