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Rüstungsausgaben steigen
China rüstet massiv auf. Ein Marinesoldat steht auf dem Lenkwaffen-Zerstörer "Qingdao" neben einer Raketenbatterie. Foto: dpa
Sipri-Studie: China und Russland rüsten auf - Westeuropa nicht

Rüstungsausgaben steigen

Mehr Geld fürs Militär: Die weltweiten Rüstungsausgaben sind nach Jahren erstmals wieder gestiegen. Hintergrund ist unter anderem der islamistische Terror und die neue Ost-West-Konfrontation.

06.04.2016
  • DPA

Stockholm. Nach vier Jahren Rückgang sind die weltweiten Ausgaben für Rüstungsgüter erstmals wieder angestiegen. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri mitteilt, wurden 2015 weltweit umgerechnet 1,5 Billionen Euro in militärische Mittel investiert. Das sind ein Prozent mehr als 2014. Vor allem Russland (plus 7,5 Prozent), China (plus 7,4) und Saudi-Arabien (plus 5,7) gaben mehr für Rüstung aus. In vielen westeuropäischen Ländern und den USA sanken die Ausgaben dagegen.

Besonderes deutlich werden diese Verschiebungen, wenn man einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet. In China haben sich die Rüstungsausgaben von 2006 bis 2015 mehr als verdoppelt (plus 132 Prozent), auch in Saudi-Arabien (plus 97) und Russland (plus 91) sind die Zuwächse beträchtlich. Deutschland hat in diesem Zeitraum seine Ausgaben lediglich um 2,8 Prozent auf rund 39 Milliarden Dollar (34 Milliarden Euro) gesteigert. Andere westeuropäische Länder wie Großbritannien (minus 7,2 Prozent), Frankreich (minus 5,9) und Italien (minus 30) stecken sogar weniger Geld ins Militär.

Die USA stehen trotz eines Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 596 Milliarden Dollar (525 Milliarden Euro) mit Abstand an der Spitze. Auf Platz zwei rangiert China, an dritter Stelle hat Saudi-Arabien Russland verdrängt. Deutschland rangiert auf der Liste der Länder mit den höchsten Ausgaben an 9. Stelle.

"Die Militärausgaben im Jahr 2015 zeigen gegensätzliche Trends", sagte Sam Perlo-Freeman, Leiter des Sipri-Projektes. Auf der einen Seite spiegelten sie die eskalierenden Konflikte und Spannungen in vielen Teilen der Welt wider. Auf der anderen Seite sei klar zu erkennen, dass durch den sinkenden Ölpreis weniger "Ölgeld" in die Rüstung fließe. Diese wirtschaftlich und politisch schwankende Situation mache es schwierig, eine Prognose zu erstellen.

Die Spannungen mit Russland haben vor allem die Nachbarländer zu Ankäufen von Waffen und Ausrüstung motiviert. Polen (plus 22 Prozent), Litauen (plus 33) und die Slowakei (plus 17) sorgten für einen Gesamtanstieg um 13 Prozent in Zentraleuropa. Im Gegensatz dazu gingen die Ausgaben in den westeuropäischen Ländern um 1,3 Prozent zurück.

Doch das werde sich bald ändern, sind die Stockholmer Forscher sicher. Großbritannien, Deutschland und Frankreich hätten angesichts des schwierigen Verhältnisses zu Russland und der Bedrohung durch Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" (IS) angekündigt, ihre Ausgaben zu erhöhen. Auch in den USA werde immer weniger am Militär gespart. "Es macht den Eindruck, dass die Einschnitte in den USA dem Ende entgegengehen", sagte Perlo-Freeman. Der Irak hingegen rüstet weiter auf. Im Vergleich zum Vorjahr gab das Land im vergangenen Jahr 35 Prozent mehr für Waffen aus.

Der Rüstungsexperte der Linkspartei, Jan van Aken, kritisierte den weltweiten Anstieg der Militärausgaben scharf. Hinter den nackten Zahlen stehe sehr viel Krieg, Tod und Zerstörung. Van Aken fordert, in einem gleichzeitigen, weltweiten Schritt die Rüstungsausgaben um zehn Prozent zu kappen. So stünde mehr Geld für die Lösung sozialer und ökologischer Probleme zur Verfügung.

Das Institut

Sipri Das schwedische Parlament hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) 1966 ins Leben gerufen. Es versorgt Wissenschaftler, Politiker und Medien mit Daten, Analysen und Empfehlungen zu internationalen militärischen Fragen. Finanziert wird es zum großen Teil von der schwedischen Regierung. Sipri versteht sich als Plattform für die Zusammenarbeit von Konfliktforschern aus aller Welt und arbeitet eng mit den Vereinten Nationen und der Europäischen Union zusammen. Direktor des Instituts ist seit September 2015 der Brite Dan Smith. dpa

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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