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Daheim auf der Baustelle

Rumänische Bauarbeiter wohnen in den Containern

Seit vielen Jahren schon sind die 16 rumänischen Bauarbeiter weltweit auf Großbaustellen zu Hause. In den kommenden zweieinhalb Jahren wird der Dußlinger Tunnel ihre ständige Adresse sein.

28.08.2010
  • Susanne Mutschler Susanne Mutschler

Dußlingen. Der Tag war lang und hart. Dreimal hintereinander hat ein heftiger Regenguss die rumänischen Straßenbauarbeiter erwischt. Es wurde nach acht Uhr abends, bis sie schließlich von der Spätschicht zu ihren gelben Containern zurückkehrten. Eigentlich hatte keiner mehr große Lust auf lange Gespräche. Alle sehnten sich sichtbar nach duschen, essen und schlafen.

Aber dann erzählen sie doch, schließlich komme es nicht oft vor, dass sie die Presse für Bauarbeiter interessiert. „Fast wie im Fernsehen“, bemerkt einer, als unser Fotograf sein großes Objektiv auspackt.

Die meisten sind erst vor einem Monat angekommen. Ihr Arbeitgeber ist die Banat Construction Company, ein Subunternehmen der Göppinger Baufirma Leonhard Weiß, die für den Dußlinger Tunnelbau verantwortlich ist. Rund 400 Bauarbeiter aus Rumänen werden von der Banater Firma in Deutschland vermittelt, 16 davon nach Dußlingen. „Wir machen den kompletten Rohbau“, sagt Cristian Coltan, der Capo der Truppe, „alle Betonarbeiten, die Schalung, die Bewehrung und auch die Rohrverlegungen.“

Erst bei minus 16 Grad ist Schluss mit Bauen

Die Männer sind allesamt erfahrene Tiefbauarbeiter und ziehen schon seit vielen Jahren von einer Großbaustelle zur anderen. Jungen Leuten sei die Arbeit mit Beton zu hart, vermutet Coltan, vor allem, wenn die Temperaturen im Winter unter Null sinken. „Wir schaffen bis zum 20. Dezember“, erklärt er. Erst von minus 16 Grad an werde nicht mehr betoniert. In seinem Trupp hat er Eisenflechter, Kranfahrer, Zimmerleute, Eisenbieger und Eisenbinder. Vor allem das Eisenflechten sei eine wichtige Arbeit: „Der muss mitdenken“, sagt Coltan.

Ihr Quartier haben die Fachkräfte aus Rumänien in den zweistöckig gestapelten Containern direkt neben der Baustelle. Mit Sanitärräumen und zwei geräumigen, von ihren Benutzern täglich blitzsauber geputzten Küchen bieten sie bescheiden komfortable Verhältnisse. In jedem Container wohnen zwei Männer. Nur bei großem Arbeitsdruck quartiere er auch mal drei Männer ein, erklärt der Capo. Ansonsten lasse er „den Jungs“ die Freiheit, sich ihre Wohnpartner selbst zu wählen. Er weiß, dass das nicht auf allen Baustellen üblich ist.

An ständig rauschenden Verkehrslärm wie den von der B 27 seien sie gewöhnt, beteuern die Arbeiter. Außerdem seien sie am Feierabend sowieso so müde, dass sie ohnehin kaum noch etwas mitkriegten. „Nach dem Duschen fällt man um und schläft“, sagt einer. Dieser Arbeitsrhythmus ergab bisher – ausgenommen beim Einkaufen im Supermarkt gegenüber – noch nicht viele Gelegenheiten, um Kontakte zum neuen Wohnort und zu Dußlingern zu knüpfen. Außerdem seien die meisten seiner Leute zum ersten Mal in Deutschland „und noch nicht so locker“, sagt Coltan.

Der Kranfahrer Gheorghe Croitoru ist mit 59 Jahren einer der ältesten. Acht Jahre „am Stück“ war er in Israel beim Bau von Brücken und Altenpflegeeinrichtungen eingesetzt. Davor arbeitete er zwei Jahre lang in Spanien. In Libyen „beim Ghaddafi“ sei er auch gewesen, setzt er noch drauf und lächelt breit, dass alle Goldzähne blitzen. Zu Hause in Rumänien warten seine Frau und zwei Kinder auf ihn. Auch alle anderen im Bautrupp sind Familienväter.

Alexandru Turcanu sieht seine Familie meistens nur an Weihnachten und Ostern. Der 56-Jährige ist Eisenflechter und seit 13 Jahren ständig auf Montage unterwegs. Der Zimmermann und Eisenflechter Mal Jehu stammt aus Temeswar im Banat. Als Donauschwabe spricht er Deutsch. Schon seit 13 Jahren arbeitet der 55-Jährige in der Bundesrepublik. „Ein schönes Leben“, findet er.

Die Ferne zur Heimat stört ihn nicht. Er habe „eine gute Familie“. Wenn er seine Frau und die Söhne zwischendurch mal sehen wolle, genüge ein Anruf. „Dann sind die am nächsten Tag da.“

Am Wochenende mal ein Freibad-Ausflug

Cristian Coltan freut sich über die gute Stimmung unter den Männern. „Die sind gut drauf“, sagt er. An den Wochenenden ist er mit ihnen schon ins Freibad gefahren, zum Einkaufen oder auch mal nach Tübingen, das Schloss anschauen und ein Bier trinken. Mit dem Neunsitzer-Bus, der vor den Containerwohnungen parkt, müsse er eben zwei Mal fahren, damit alle mit können.

Auf die Frage, ob sie sich noch einmal für ein so hartes und unstetes Arbeitsleben entscheiden würden, antwortet der Eisenflechter Gheorghe Iosub stellvertretend für alle anderen: „Das habe ich gelernt und dann mache ich das auch.“

Rumänische Bauarbeiter wohnen in den Containern
Sie leben nun für zweieinhalb Jahre in Dußlingen in Containerwohnungen: die rumänischen Bauarbeiter Alexandru Turcanu, Gheorghe Croitoru, Mal Jehu, Cristian Coltan, Vasile Apopei und Gheorghe Iosub (von links nach rechts). Bild: Franke

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28.08.2010, 12:00 Uhr

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