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Einblick in die Kinderstube

Rund 300 Fledermäuse haben in der Michaelskirche ihr Sommer-Quartier

Fledermäuse in ihrem Versteck beobachten und sogar eine berühren: Diese sonst seltene Chance nutzten viele Besucher am Freitagabend in Entringen.

20.08.2012
  • Madeleine Wegner

Entringen. Eine Kolonie von rund 300 Fledermaus-Weibchen zieht unter dem Dach der Entringer Michaelskirche zur Zeit ihre Jungen auf. Es sind „Große Mausohren“ (Myotis myotis), die den Sommer im großen Dachstuhl der Kirche verbringen. Der ehemalige Biologie-Professor Ewald Müller kennt die Kolonie schon seit vielen Jahren. Am Freitagabend nutzten rund 50 Interessierte die von Müller organisierte „Batnight“, um die Mausohren in ihrem Quartier zu beobachten: Um die streng geschützten Tiere nicht zu stören, sorgte eine im Dachstuhl installierte Infrarot-Kamera für einen Life-Einblick in das Leben der Tiere.

Kopfüber am Balken hängend, bereiteten sie sich gerade auf ihren nächtlichen Jagd-Ausflug vor. „Gut eine Stunde bevor sie ausfliegen, werden sie unruhig“, sagte Müller. „Sie unterhalten sich und streiten. Und dann steht erst einmal Körperpflege auf dem Programm.“ Tatsächlich: Die etwa zehn Mausohren, die auf der großen Leinwand in der Kirche gut zu erkennen waren, zappelten herum, kletterten übereinander und putzten ihr Fell.

Mit einer Spannweite von rund 40 Zentimetern ist das Große Mausohr die größte einheimische Fledermaus. Außerdem hat sie ein ungewöhnliches Jagdverhalten: Sie fängt ihre Beute nicht wie andere Arten in der Luft, sondern jagt Insekten, Käfer und Spinnen, die vor allem auf dem Boden leben.

Jagen müssen auch die jungen Mausohren schnell lernen, um sich genügend Fett anzufressen für den Winterschlaf in den Höhlen der Schwäbischen Alb. Da die Wochenstubenzeit langsam zu Ende geht, jagt der Nachwuchs aus dem Entringer Kirchendach bereits selbst. Anfang April beziehen die Weibchen hier jedes Jahr ihr Sommerquartier. Im Juni kommen dann die ersten Jungen zur Welt.

Im Raum Tübingen gibt es noch zwei weitere Fledermaus-Kolonien: in Gültstein und im Schloss Hohentübingen. Die Kolonien in Reutlingen, Neckartenzlingen und Herrenberg hingegen sind mittlerweile erloschen. „Früher gab es Kolonien von bis zu 7000 Tieren, heute sind wir froh, wenn wir wenigstens ein paar Hundert haben“, so Müller. Schadete früher besonders der Einsatz von Giftstoffen (zum Beispiel auf den Feldern) den Tieren, so sind es heute vor allem die durch starke Bebauung schwindenden Flächen zum Jagen.

Da ihr Bestand so stark geschrumpft ist, brauchen Fledermäuse besonderen Schutz. Marion Kaspar päppelt kranke und verletzte Fledermäuse wieder auf. Einen ihrer Zöglinge, einen Großen Abendsegler, durften die Besucher am Freitag vorsichtig streicheln. „Das Fell ist ganz weich!“, stellte eines der Kinder erstaunt fest.

Rund 300 Fledermäuse haben in der Michaelskirche ihr Sommer-Quartier
Marion Kaspar (ganz links) pflegt verletzte Fledermäuse, zum Beispiel den Großen Abendsegler in ihrer Hand. Er durfte am Freitag auch gestreichelt werden. Bild: Wegner

Rund 300 Fledermäuse haben in der Michaelskirche ihr Sommer-Quartier
Durch die Infrarot-Kamera waren die Großen Mausohren trotz Dunkel zu sehen.

Fledermäuse fliegen seit über 50 Millionen Jahren durch die Nacht. Sie sind die einzigen Säugetiere, die aktiv fliegen können. In Baden-Württemberg gibt es über 20 Fledermausarten. Die „Zwergfledermaus“ ist die kleinste und zugleich häufigste einheimische Fledermaus.
Die nachtaktiven Tiere orientieren sich über Echo-Ortung. Neben diesen für die meisten Menschen nicht hörbaren Töne im Ultraschall-Bereich geben sie auch Sozial-Laute von sich, die durchaus hörbar sind.

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20.08.2012, 12:00 Uhr

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