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Der Jagdgöttin auf der Spur

Rund 3000 Besucher beim „Rotwildtag in Bebenhausen

Von der Trophäenschau im Kreuzgang über Waldkino und Kinderprogramm bis zum Hirschgulasch drehte sich beim gestrigen Rotwildtag im Kloster Bebenhausen alles um die Geschichte der Jagd und den Naturpark Schönbuch.

04.10.2012
  • Madeleine Wegner

Bebenhausen. Ein kostspieliges und auch blutiges Geschenk hatte sich König Friedrich zu seinem 58. Geburtstag im November 1812 gemacht: Beim Dianenfest vor 200 Jahren wurden rund 700 Wildtiere getötet – damit war es viel mehr Schlachtfest als Jagd. Bereits sechs Wochen zuvor liefen die Vorbereitungen für dieses besondere königliche Vergnügen an. Für sein Dianenfest gab König Friedrich eine Million Gulden aus und 10 000 Menschen – die wenigsten davon freiwillig – waren dazu im Einsatz.

Vor dem heutigen Ortseingang von Bebenhausen gab es damals einen großen Festplatz, den „Jagdcircus“. Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret ließ hier eigens einen Rundtempel zu Ehren der Jagdgöttin Diana sowie eine Zuschauertribüne errichten. Besonders anstrengen mussten sich die Jäger beim Schießen auf das Wild jedoch nicht: Die rund 700 Tiere wurden auf dem Kirnberg zusammengetrieben und dann in den Jagdcircus gepfercht, wo die Adligen und Gäste sie bequem erlegen konnten.

Dort, wo sich vor 200 Jahren der Festplatz befand, war gestern für die 3000 Besucher des „Rotwildtags“ ein zusätzlicher, provisorischer Parkplatz abgesteckt. Zum Tag rund um die Wildtiere im Schönbuch hatte der Naturpark Schönbuch, die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und die untere Forstbehörde des Landkreises ins Kloster Bebenhausen eingeladen.

Vier bis fünf Millionen Besucher kommen pro Jahr in den Naturpark Schönbuch. „Die meisten Zerstörungen im Naturpark geschehen nicht aus Mutwilligkeit, sondern aus Unwissenheit“, sagte Geschäftsführer Mathias Allgäuer. Die Besucher zu informieren, sei deshalb besonders wichtig.

Auch kritische Themen beleuchtet

Zum 40-jährigen Bestehen gibt es eine neue Ausstellung über den ältesten Naturpark des Land. Auf den 20 großen Tafeln konnten sich Besucher des „Rotwildtags“ gestern im Kreuzgang des Kloster beispielsweise über die verschiedenen natürlichen Lebensräume und Biotope des Schönbuchs informieren, über die Sagengestalten wie den Ranzenpuffer oder über die 241 erfassten Kleindenkmale wie Grenzsteine und Brunnen. Als Wanderausstellung konzipiert, sollen die Tafeln nicht nur im Bebenhausener Infozentrum (im Schreibturm), sondern auch in den anderen 18 Naturparkgemeinden zu sehen sein.

Scheinbar magisch ging es vor allem für Kinder im Sommerrefektorium zu: Hier gab es Geschichten („Wer jagt wen im Zauberwald?“) und von Marko Ripperger Farbenzauber. Im Brunnenhaus gegenüber lieferten jeweils drei präparierte Hirsche und Rehe den Beweis, dass es sich dabei um ganz unterschiedliche Tiere handelt. Wer dazu auf unterhaltsame Art mehr erfahren wollte, für den war das Theaterstück „Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch!“ genau richtig. Etwa 100 ganz und gar lebendige Tiere gab es am Nachmittag bei der von der Tübinger Kreisjägerversammlung organisierten Jagdhunde-Vorführung.

Mit der Geschichte der Jagd im Schönbuch, aber auch mit kritischen Themen beschäftigte sich die Ausstellung „Jagd im Wandel der Zeiten“ – zum Beispiel mit der Frage, wie viel Stück Rotwild geschossen werden sollten. „Das ist eine schwierige Entscheidungsfindung“, sagte Oberforstrat Götz Graf Bülow. „Einerseits sollte der Bestand klein genug sein, dass das Wild den Wald nicht zu sehr beschädigt, andererseits soll es für die Besucher genügend beobachtbare Tiere geben.“ In aller Ruhe ließen sich die Tiere im „Grünen Saal“ beim „Waldkino“ beobachten. Sechs Naturfilmer und Fotografen aus der Region hatten für den Schönbuch-Naturfilm Material beigesteuert. Am Ende des Films in Kinolänge rief ein Kind begeistert: „Nochmal!“

Unter den Besuchern des gestrigen Rotwildtags waren neben Jagdinteressierten auch viele Familien mit Kindern. Eine lange Menschenschlange gab es vor dem Stand mit schwäbischem Flammkuchen (Dinnede): Dieser kam aus dem holzbefeuerten historischen Backhaus. Im Klosterhof gab es außerdem Spezialitäten wie Wild-Maultaschen, Hirschgulasch und Rote Wurst von Wildschweinen, die wenige Tage zuvor im Schönbuch geschossenen wurden – thematisch also richtig passend zum Tag.

Rund 3000 Besucher beim „Rotwildtag in Bebenhausen
Beeindruckte manchen Jagdfreund: Auch die Trophäenschau im Kreuzgang gehörte zum „Rotwildtag – 200 Jahre Dianenfest“ gestern im Kloster Bebenhausen.Bild: Faden

Im Schönbuch gab es früher nicht nur Hirsche und Wildschweine, sondern auch Seeadler, Luchse und Fischotter. Bären gibt es seit 1740 nicht mehr im Land. Auch in Zukunft werden sie sich allenfalls im alpinen Raum ansiedeln. Die von Königin Charlotte 1907 erlegte Wildkatze ist im Bebenhausener Schlossmuseum zu sehen. Mittlerweile gibt es in Baden-Württemberg wieder Wildkatzen. Und auch im Schönbuch könnte sie wieder heimisch werden, denn der Lebensraum hier ist auch heute noch für sie geeignet. Ähnlich verhält es sich mit Wölfen. Laut Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich wieder im Schönbuch ansiedeln.

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04.10.2012, 12:00 Uhr

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