Bahnreisetipp

Rundreise mit dem 9-Euro-Ticket: Zwei siebentägige Touren ab Tübingen

Nicht Sylt, Hamburg oder Berlin: Wer will seinen Urlaub nur mit Zugfahren verbringen? Was könnten Rundreisen ab Tübingen sein, bei denen man nicht ewig in der Bahn sitzt, möglichst viel von Städten und Natur sieht – und auch mal genießen kann. Das TAGBLATT zeigt, was möglich wäre.

10.06.2022

Von Moritz Hagemann

Die Strecke zwischen Trier und Koblenz ist Teil der Route 1. Bild: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

Die Strecke zwischen Trier und Koblenz ist Teil der Route 1. Bild: Deutsche Bahn AG/Uwe Miethe

Route 1: Entlang an Mosel und Rhein

Start: Tübingen (IRE6)

Ziel: Neustadt a. d. Weinstr.

Umstiege: Stuttgart (IRE1), Karlsruhe (RE6)

Dauer: 2 Stunden 54 Minuten

Zu Beginn geht es in die Pfalz, weg vom Großstadtrummel. Neun Weindörfer rund um den 55 000-Seelen-Ort laden zum Genießen ein. Aber Neustadt hat mehr zu bieten: die Altstadt mit dem größten Fachwerkhausbestand in der Pfalz. Vom Bahnhof fährt zudem der Bus 502 in 23 Minuten zum Hambacher Schloss – es gilt als „Wiege der deutschen Demokratie“. Eine Dauerausstellung zeigt, warum das so ist.

Start: Neustadt a. d. Weinstr. (RE1)

Ziel: Trier

Dauer: 2 Stunden 27 Minuten

Ohne Umstieg geht es weiter in die älteste Stadt Deutschlands. Im „Zentrum der Antike“ gibt es mehrere Unesco-Weltkulturerbe zu bestaunen, etwa die „Porta Nigra“, das Wahrzeichen der Stadt, oder den Dom, die älteste Bischofskirche der Republik. Das Kopfsteinpflaster der Altstadt hat seinen Charme, ebenso wie die vielen kleinen Restaurants und Vinotheken. Wer was anderes sehen will: Drei Stationen vor Trier hält der Zug in Mettlach. Oberhalb des Ortes befindet sich die bekannte Saarschleife.

Die Porta Nigra in Trier. Bild: Presseamt Trier

Die Porta Nigra in Trier. Bild: Presseamt Trier

Start: Trier (RE1)

Ziel: Koblenz

Dauer: 1 Stunde 25 Minuten

Fahrräder leihen, ein Stück mit dem Schiff zurücklegen (nicht im Ticket inbegriffen) oder den ganzen Weg mit dem Zug entlang einer aussichtsreichen Strecke machen: Es gibt viele Optionen. Die Bahn jedenfalls hält kurz vor Koblenz auch in Kobern-Gondorf – dort liegt die Moselschleife. In Koblenz selbst, wo am Deutschen Eck „Vater Rhein auf Mutter Mosel trifft“, ist die Fahrt per Seilbahn zur Festung Ehrenbreitstein ein Erlebnis. Wer völlig schwindelfrei ist, kann in Koblenz den RB 81 nach Treis-Karden (oder auf dem Weg von Trier dort aussteigen) nehmen und mit dem Bus 631 zur Hängeseilbrücke Geierlay fahren (Dauer: 70 Minuten).

Start: Koblenz (RE5)

Ziel: Köln

Dauer: 1 Stunde 12 Minuten

Köln ist immer eine Reise wert – egal ob für den Dom, eines der zahlreichen Museen oder die Kneipenkultur. Wem nicht nach Rheinmetropole ist, der kann schon zwei Haltestellen vorher in Brühl aussteigen. Von dort fahren Shuttlebusse in 20 Minuten ins Phantasialand (Eintritt: 57 Euro) – nach dem Europa-Park der meistbesuchte Freizeitpark in Deutschland. Generell gilt: Die Züge zwischen Trier, Köln und auch der nächsten Station Mainz lieber an Werktagen nehmen. Sie könnten voll werden.

Start: Köln (RB26)

Ziel: Mainz

Dauer: 3 Stunden 2 Minuten

Schon die Bahnfahrt vorbei an Burgen, Schlössern und Weinbergen weiß zu gefallen. Eine Stunde, bevor Mainz erreicht ist, hält die Bahn in St. Goarshausen, Heimat der Loreley-Statue und des gleichnamigen Felsens. In der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz gibt es dann auch jede Menge zu besichtigen. Der Mainzer Wochenmarkt mitten in der Stadt (Dienstag, Freitag, Samstag) gilt als einer der ältesten und schönsten seiner Art – immer samstags gibt es dort auch ein Marktfrühstück mit den Mainzer Winzern. Wer keine Lust drauf hat, fährt von Mainz noch 40 Minuten weiter nach „Mainhattan“ – und schaut Frankfurt an.

Das Mainzer Rheinufer lädt zum Sonnenbad ein. Bild: Landeshauptstadt Mainz

Das Mainzer Rheinufer lädt zum Sonnenbad ein. Bild: Landeshauptstadt Mainz

Start: Mainz (RE4)

Ziel: Heidelberg

Umstieg: Ludwigshafen (S3)

Dauer: 1 Stunde 32 Minuten

Die letzte Station unserer Tour soll Heidelberg sein. 13,9 Millionen Menschen besuchen die Stadt jedes Jahr – nicht umsonst: Mit den Heidelberger Bergbahnen geht es hinauf zum Schloss und bis zum Königstuhl mit einem Traumblick ins Neckartal. Der Berg lädt zum Wandern ein, die Altstadt zum Verweilen.

Heidelbergs imposantes Ensemble. Bild: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Günther Bayerl

Heidelbergs imposantes Ensemble. Bild: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg/Günther Bayerl

Start: Heidelberg (RE10b)

Ziel: Tübingen

Umstieg: Heilbronn(RE12)

Dauer: 3 Stunden 5 Minuten

Route 1 führt in den Westen, Route 2 in Richtung Österreich. Grafik: Uhland2

Route 1 führt in den Westen, Route 2 in Richtung Österreich. Grafik: Uhland2

Route 2: Bayrische Berge und Seen

Start: Tübingen (IRE6)

Ziel: Lindau-Reutin

Umstieg: Aulendorf (RE5)

Dauer: 2 Stunden 57 Minuten

Die wohl stark frequentierte Gäubahn sparen wir uns, dafür fahren wir mit einem Umstieg über die Alb und das Allgäu zum Bodensee nach Lindau. Beispielsweise lädt das kostenlose Lindenhofbad mit Strandcafé zum Sprung ins kühle Nass ein. Zahlreiche Firmen vermieten auch Boote und Räder. Nur acht Kilometer geht es an der Promenade entlang bis nach Bregenz (Österreich), wo ein vielfältiges Kulturangebot zu finden ist – beispielsweise die bekannten Festspiele auf der Seebühne (22. Juli bis 21. August 2022). Wer mit der Bahn den „Pfänder“ hinauffährt, hat einen Traumblick auf den ganzen Bodensee.

Von Lindau ist es ein Katzensprung zur Pfänderbahn nach Bregenz. Bild: Pfänderbahn AG

Von Lindau ist es ein Katzensprung zur Pfänderbahn nach Bregenz. Bild: Pfänderbahn AG

Start: Lindau-Reutin (RE7)

Ziel: Füssen

Umstieg: Kaufbeuren (BRB RB77)

Dauer: 2 Stunden 24 Minuten

Natürlich muss in Füssen, das sich die „die romantische Seele Bayerns“ nennt, eines auf dem Plan stehen: der Besuch von Schloss Neuschwanstein. In acht Minuten fährt der Bus73 vom Bahnhof zur Haltestelle „Neuschwanstein Castles, Schwangau“. Von dort sind’s 40 Gehminuten zum Schloss hinauf (es fahren auch Pendelbusse). Eintritt: 15 Euro (Personen unter 18 Jahren sind frei). Ebenfalls schön und direkt bei Füssen: der Forggensee, Deutschlands größter Stausee. Die Buslinie 72 fährt in wenigen Minuten hin, Schiffsrundfahrten bieten einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama und Neuschwanstein.

Start: Füssen (BRB RB68)

Ziel: München

Dauer: 2 Stunden 3 Minuten

Englischer Garten, Olympiapark, Marienplatz, Biergärten – muss man mehr zu München sagen? Zwei Attraktionen sind jetzt wieder da: Nach zehn Jahren hat der Aussichtsturm der Münchner Frauenkirche wieder geöffnet. Das Deutsche Museum macht am 8. Juli wieder auf. Zwei Alternativen für Großstadtmuffel: Die S2 von München nach Altenerding nehmen und von dort mit dem Bus550 zur größten Therme der Welt nach Erding fahren (Eintritt: 44 Euro/Tag, Fahrtzeit: 57 Minuten). Oder: Mit der RB 16 von München nach Dachau raus- und mit dem Bus 726 zur traurig-beeindruckenden KZ-Gedenkstätte fahren (Fahrtzeit: 24 Minuten).

Unterwegs im Allgäu. Bild: Deutsche Bahn AG/Wolfgang Wagner

Unterwegs im Allgäu. Bild: Deutsche Bahn AG/Wolfgang Wagner

Start: München (BRBRE5)

Ziel: Salzburg, Österreich

Dauer: 1 Stunde 58 Minuten

Ja, das Ticket gilt auch für die Fahrt in die Mozartstadt. Dort warten das Geburtshaus des Komponisten, die Festung Hohensalzburg oder das Schloss Mirabell. Die schöne Altstadt lässt sich perfekt zu Fuß erkunden. Im „Red Bull Hangar-7“ am Flughafen stehen historische Flugzeuge und Formel-1-Rennwagen zur Besichtigung. Auf dem Weg zwischen München und Salzburg hält die Bahn auch am Chiemsee. Und wer noch mehr Natur möchte, hat mit Berchtesgaden und dem nahen Königssee eine Salzburg-Alternative. Dafür den Zug in Freilassing verlassen, dann die S4 nehmen. Das dauert rund 45 Minuten länger.

Blick über die Salzburger Altstadt vom Mönchsberg. Bild: Tourismus Salzburg/Günter Breitegger

Blick über die Salzburger Altstadt vom Mönchsberg. Bild: Tourismus Salzburg/Günter Breitegger

Start: Salzburg (RB45)

Ziel: Regensburg

Umstieg: Landshut (ALXRE2)

Dauer: 2 Stunde 58 Minuten

Die gut erhaltene mittelalterliche Unesco-Welterbestadt Regensburg wird oft unterschätzt, hat sie doch eine sehenswerte Altstadt an der Donau und über 1000 Einzeldenkmale zu bieten: unter anderem die Steinerne Brücke, die älteste erhaltene in Deutschland, oder der Dom, eine der bundesweit bedeutendsten gotischen Kathedralen. Aber auch das Haus der Bayerischen Geschichte, Donau-Schifffahrts- und Golfmuseum.

Start: Regensburg (OPB RB23)

Ziel: Bayreuth

Umstieg: Weiden (ag RB34)

Dauer: 2 Stunden

Das Richard-Wagner-Museum, das Opern- und das Festspielhaus sind nur drei Sehenswürdigkeiten, die die kulturelle Bedeutung der größten Stadt Oberfrankens hervorheben. Nirgends auf der Welt soll es eine solch hohe Dichte an Brauereien wie in der Region Bayreuth geben: „Maisel’s Bier-Erlebnis-Welt“ zeigt auf 4500 Quadratmetern die Bayreuther Bierkultur. Einen Ausflug wert ist der nahe der Innenstadt gelegene Röhrensee mit Bootsverleih und kostenlos zugänglichem Tierpark. Wer Bayreuth bereits kennt, kann von Regensburg binnen zwei Stunden auch nach Bamberg fahren.

Start: Bayreuth (RE30)

Ziel: Tübingen

Umstiege: Nürnberg (RE90), Stuttgart (IRE6)

Dauer: 4 Stunden 46 Minuten

Wer eine unserer Strecken tatsächlich in Angriff nimmt (oder zumindest einen Teil davon), darf uns gerne von dem Abenteuer erzählen. Kontakt: online@tagblatt.de.

„Große Chance für die gesamte Branche“

Über 6,5 Millionen 9-Euro-Tickets sind inzwischen online, am Automaten oder in den DB-Reisezentren verkauft worden, teilte die Deutsche Bahn (DB) nach den Pfingsttagen mit. Deutschlandweit sei bei DB Regio über Pfingsten „alles gerollt, was rollen kann“, wird der Vorstandsvorsitzende Jörg Sandvoß in einer Mitteilung zitiert. Demnach gab es 86.000 Zugfahrten. Sandvoß: „Das 9-Euro-Ticket ist ein einmaliges Experiment und eine große Chance für die gesamte Branche. Wir setzen hierfür buchstäblich alles in Bewegung, was wir haben – Züge, Busse, Servicekräfte.“

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Erstellt:
10.06.2022, 14:30 Uhr
Lesedauer: ca. 4min 53sec
zuletzt aktualisiert: 10.06.2022, 14:30 Uhr

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