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Immer mehr Kranke gehen arbeiten

"Rushhour-Generation" kuriert sich nicht aus

Es kommt immer mal wieder vor, dass Menschen blaumachen. Ein Psychologe sagt allerdings, dass ein ganz anderes Problem viel häufiger ist.

05.11.2015

Von DPA

Berlin Nach Einschätzung eines Arbeitspsychologen gehen mehr Menschen krank ins Büro als dass sie sich völlig ohne Grund krankmelden. "Es wird sicherlich Leute geben, die auch mal blaumachen", sagte Professor Conny Antoni von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs). Umfragen deuteten aber darauf hin, dass es verbreiteter sei, trotz Unwohlseins arbeiten zu gehen.

Gerade untersuchte das Institut YouGov, wie häufig Arbeitnehmer ihrem Chef eine Krankheit vorgaukeln. Das Institut fragte, was Menschen in den vergangenen zwölf Monaten getan haben, um nicht zum Job gehen zu müssen. 6 Prozent sagten, sie seien krank, obwohl sie gesund waren. Ebenfalls 6 Prozent sagten, sie hätten eine Krankheit schlimmer dargestellt als sie in Wahrheit gewesen sei.

Eine andere Entschuldigung fanden 4 Prozent der Befragten. 58 Prozent gaben an, nichts davon gemacht zu haben, um das Büro zu schwänzen. Manche hatten auch noch nie gearbeitet, auch das konnten sie angeben. Die Umfrage ist laut YouGov repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Dass man blaumache, sei wahrscheinlich auch etwas, was man nicht so gerne zugebe, sagte Psychologe Antoni von der Universität Trier zur Einordnung. Nach seinen Angaben deuten andere Studien aber vor allem darauf hin, dass es mehr Arbeitnehmer gibt, die krank ins Büro gehen. Der Fachbegriff sei Präsentismus. "Man ist anwesend, geht zur Arbeit, obwohl man sich krank fühlt", erklärte Antoni.

Im so genannten Stressreport aus dem Jahr 2012 gab jeder Dritte an, im zurückliegenden Jahr trotz Krankheit zur Arbeit gegangen zu sein. Daten auf europäischer Ebene hätten ähnliche Werte ergeben, sagte Antoni. Auch eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK hatte das Phänomen untersucht. Demnach kuriert sich vor allem die durch Karriere und Familie belastete "Rushhour"-Generation zwischen 30 und 40 Jahren nicht aus.

Das Thema ist in den letzten Jahren stärker in den Fokus gerückt, sagt Antoni. Das Ganze hänge auch damit zusammen, ob man um seinen Arbeitsplatz fürchte. Menschen gingen eher krank ins Büro, wenn sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechtere, oder wenn sie ihr Verhältnis zum Chef und zum Team noch nicht sicher einschätzen könnten.

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Erstellt:
5. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2015, 12:00 Uhr

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