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Ryanair greift Lufthansa am Heimatstützpunkt an
Seit' an Seit': Ryanair fliegt künftig auch vom Flughafen Fraport in Frankfurt ab, der wichtigsten Drehscheibe für Deutschlands größte Airline Lufthansa. Foto: dpa
Luftverkehr

Ryanair greift Lufthansa am Heimatstützpunkt an

Bisher landen am teuren Frankfurter Flughafen kaum Billigflieger. Der Betreiber will das mit den Iren ändern. Das ärgert die Stammkundschaft.

03.11.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat nichts dagegen, dass künftig auch Ryanair-Jets am Frankfurter Flughafen und damit auf der Heimatbasis der Lufthansa landen. Im Gegenteil: Spohr erhofft sich davon eine Gebührensenkung am größten deutschen Flughafen.

Von Ende März an sollen mit Beginn des Sommerflugplans erstmals vier Maschinen von Ryanair nach Alicante, Malaga und Palma de Mallorca und ins portugiesische Faro abheben. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will den Antritt der Iren mit einem über drei Jahre laufenden Anreiz-Programm unterstützen. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte wollte das Volumen am gestrigen Mittwoch im Detail noch nicht benennen, nachdem zum ersten Mal überhaupt eine Ryanair-Maschine in Frankfurt gelandet war. Solche Programme sollen für alle neuen Airlines in Frankfurt gelten. Und auch für die, die neue Ziele anfliegen. „Das kann bei den Gebühren für Start und Landung und für die Abfertigung ein Nachlass von 40 bis 50 Prozent sein“, sagte Schulte.

Noch ist das Programm vom hessischen Wirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde freilich nicht genehmigt. Schulte erwartet noch für November das Ja. Spohr, der nahezu gleichzeitig wenige Meter von der Fraport-Zentrale entfernt den Bericht für die ersten neun Monate vorlegte, begrüßt den Auftritt der Iren in Frankfurt. Man stehe an vielen Flughäfen in Europa mit Ryanair in Konkurrenz.

Gebühren als Zündstoff

Allerdings stellte er klar, dass Lufthansa mit Blick auf die Gebühren genauso behandelt werden müsse wie Ryanair. „Ab Sommer nächsten Jahres erwarte ich Einsparungen bei den Gebühren in Frankfurt von 200 bis 300 Mio. EUR“. Rechtlich könne er sich nichts anderes vorstellen. Dass ausgerechnet die Iren bei der lange erwarteten Entlastung helfen, damit könne er leben. „Ryanair kann uns gar nicht so viel ärgern, wie uns die Gebührensenkung hilft.“

Fraport-Chef Schulte wies das Ansinnen Spohrs zurück. Anreize gebe es nur für neue Fluggesellschaften oder für bereits in Frankfurt aktive Airlines, wenn sie neue Ziele anfliegen. Letzteres könnte dann auch für den Lufthansa-Ableger Eurowings gelten. Spohr jedenfalls will auch Eurowings-Maschinen nach Frankfurt bringen, wenn es nötig sei. Bislang gibt es von dort nur eine Verbindung nach Rostock.

Ryanair selbst verkauft ab sofort Tickets für die vier täglichen Flüge ab Frankfurt, wie David O'Brien, kaufmännischer Leiter bei Ryanair, betonte, und das für Preise ab 9,99 EUR. Frankfurt sei für Ryanair eine strategische Basis und werde kontinuierlich weiter ausgebaut. 400 000 Passagiere sollen im ersten Jahr ab Frankfurt mit den Iren fliegen. Der Billigflieger investiert in den Auftritt an Deutschlands wichtigstem Flughafen 180 Mio. EUR. Die Boeing 737-800-Jets von Ryanair sollen zunächst auf dem Vorfeld von Terminal 2 abgefertigt werden.

„Wir müssen uns für Billigflieger öffnen vor allem wegen der Konkurrenz anderer Flughäfen. Es ist das am stärksten wachsende Segment im Flugverkehr“, sagt Fraport-Chef Schulte. Ryanair-Manager O'Brien versicherte, dass der Antritt in Frankfurt keine Auswirkungen auf die Flüge der Iren vom nur 120 Kilometer entfernten Flughafen im rheinland-pfälzischen Hahn haben werde, der von Ryanair als „Frankfurt-Hahn“ bezeichnet wird.

Lufthansa-Chef Spohr will unterdessen den Billigableger Eurowings weiter ausbauen, trotz der jüngsten Streiks und des Konflikts mit der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. Allerdings verbuchte Eurowings in den ersten neun Monaten einen Betriebsverlust von 35 Mio. EUR, im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 60 Mio. EUR gegeben. Trotzdem habe sich Eurowings als erfolgreiche Zweitmarke etabliert. Bei den Verhandlungen zur geplanten Übernahme von Air-Berlin-Maschinen mitsamt Besatzung komme man gut voran. Details nannte Spohr nicht.

Unter dem Strich verbuchte Lufthansa in den ersten neuen Monaten einen Betriebsgewinn von knapp 1,7 Mrd. EUR, ein leichtes Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Rekordergebnis im Vorjahreszeitraum. Getragen wurde das Ergebnis vom Passagier-Verkehr, der Betriebsgewinn dort stieg um 179 Mio. EUR auf 955 Mio. EUR. Profitiert hat die Lufthansa erneut von gesunkenen Treibstoffkosten: Sie lagen um fast 800 Mio. EUR niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Zwar konnte die Lufthansa mehr Passagiere in ihren Jets begrüßen. Aber der Preisdruck ist weiter hoch, so dass der Umsatz um fast 2 Prozent auf 23,9 Mrd. EUR gesunken ist. Trotzdem bleibt der Lufthansa-Chef für das gesamte Jahr zuversichtlich. Der Betriebsgewinn soll wie 2015 wieder bei rund 1,8 Mrd. EUR liegen. „Trotz der Volatilität unseres Geschäftes und trotz des schwierigen Marktumfeldes schauen wir auch optimistisch in das Jahr 2017“, sagt Spohr. Der Antritt von Ryanair in Frankfurt macht ihm da offensichtlich keine Sorgen.

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03.11.2016, 06:00 Uhr

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