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S 21: Opfer akzeptieren Abfindung
Entschädigung akzeptiert: Dietrich Wagner (rechts) und Daniel Kartmann. Foto: dpa
Polizeieinsatz

S 21: Opfer akzeptieren Abfindung

Zwei Schwerverletzte des „Schwarzen Donnerstags“ nehmen Schmerzensgeld vom Land an.

28.12.2016
  • LSW

Stuttgart. Mehr als sechs Jahre nach dem Wasserwerfereinsatz gegen S-21-Demonstranten haben zwei Opfer eine Entschädigung des Landes akzeptiert. Dietrich Wagner, der seit September 2010 nach Druckstößen aus einem Wasserwerfer gegen seinen Kopf nahezu blind ist, sagte in Stuttgart: „Es ist schön, wenn das Ganze mal befriedet und vorbei ist.“ Der 72-Jährige erhält 120 000 Euro. Er zeigte sich aber zugleich enttäuscht über die Höhe der Zahlung. Die Hälfte davon wolle er an seine Lebensgefährtin weiterreichen, die ihn seit der Verletzung pflege und für ihn sorge.

Der selbstständige Sänger und Schlagzeuger Daniel Kartmann hat infolge der Wasserstöße am „Schwarzen Donnerstag“ eine schwere Augenoperation wegen Netzhautablösung hinter sich . Er erhält 14 000 Euro. Es sei ihm nicht um das Geld gegangen, sondern um die Entschuldigung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor einem Jahr, sagte der vierfache Familienvater. Das Staatsministerium begrüßte die Annahme der Entschädigungszahlungen. Sie trage dazu bei, den Frieden in der Stadt wiederherzustellen und Gräben zuzuschütten, sagte ein Sprecher von Kretschmann.

Der Anwalt der S-21-Gegner, Frank Ulrich Mann, äußerte erneut Unverständnis darüber, dass die Landesregierung den beiden Opfern ein Mitverschulden an ihren Verletzungen in einem Schrieben angelastet hatte. Er verwies darauf, dass nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichts Stuttgart der umstrittene Polizeieinsatz rechtswidrig gewesen war. Bei der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens für das Bahnprojekt Stuttgart 21 waren nach Angaben des Innenministeriums mehr als 160 Menschen verletzt worden. Die Gegner von Stuttgart 21 beziffern die Zahl der Verletzten auf über 400.

Ein Foto von Wagner, wie er am „Schwarzen Donnerstag“ gestützt auf Helfer und aus den Augen blutend den Schlossgarten verlässt, ging damals um die Welt. Anwalt Mann sagte, die Betroffenen hätten die Entschädigung auch angenommen, um weitere langwierige Auseinandersetzungen zu vermeiden. dpa

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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