Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Miteinander reden

SPD diskutierte über Schule und Flüchtlinge

Zwei Themen standen beim SPD-Talk „Freitags halb Acht“ zur Diskussion: Gemeinschaftsschule und Flüchtlinge in Deutschland und Ergenzingen. Zehn interessierte Bürger kamen auf die Terrasse des Ergenzinger Sportheims.

06.07.2015
  • dun

Ergenzingen. Vierteljährlich lädt der SPD-Ortsverein Rottenburg zur politischen Diskussion ohne Stammtischcharakter ein, sagte der Vorsitzende Hermann Josef Steur. Nach der Auftaktveranstaltung in Hirschau war Ergenzingen der zweite Veranstaltungsort.

Gemeinschaftsschule und Flüchtlinge sind aktuelle Themen in Ergenzingen. Die Gemeinschaftsschule, die die Gesamtkonferenz der Hohenbergschule vor wenigen Wochen für sich abgelehnt hat, ist in Ergenzingen etabliert. „Für Ergenzingen war die Gemeinschaftsschule der richtige Weg“, sagte Cornelia Ziegler-Wegner, Ortschaftsrätin und Lehrerin.

Die Mehrzahl der Anwesenden sprach sich für eine Gemeinschaftschule ab der ersten Klasse aus. Kinder, die länger bräuchten, um herkunftsbedingte Defizite auszugleichen, werden von klügeren Schülern mitgezogen, sagte Margarete Nohr, Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat. Deshalb müssten die Gymnasien einbezogen werden. Gemeinschaftsschule funktioniere nur, wenn nicht so viele alternative Schularten drumherum seien, sagte Ziegler-Wegner.

Dorothea Kliche-Behnke, SPD-Kreisvorsitzende und Landtagskandidatin, empfahl, das von der Landesregierung angestrebte Zwei-Säulen-Modell „Starke Gemeinschaftsschule neben starkem Gymnasium“ zu akzeptieren. Durch den Elternwunsch nach neunjähriger gymnasialer Ausbildung sei es mit den vielen beruflichen Gymnasien jedoch zu einem „Viel-Säulen-Modell“ gekommen. „Die Schulen stehen alle in Konkurrenz zueinander.“ Im ländlichen Raum mit wenigen Alternativen funktioniere die Gemeinschaftsschule besser als in Großstädten, sagte sie.

271 Gemeinschaftsschulen gibt es in Baden-Württemberg. Dort spiele Inklusion eine große Rolle, sagte Katharina Marshall, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Rottenburg. Für das gemeinsame Lernen werden mehr Lehrkräfte benötigt, sagte Nohr. „Inklusion geht nicht zum Nulltarif.“ Außerdem müsse sich das Verhältnis zwischen Lehrern und anderem pädagogischen Personal ändern. Solange dort ein hierarchisches Verständnis von „oben und unten“ herrsche, könne sich die Situation für Kinder und Eltern nicht positiv entwickeln.

Neben den Inklusionskindern müssten aber auch die besonders begabten Schüler in einer Gemeinschaftsschule gefördert werden, mahnte Renate Holzmann, Ortschaftsrätin und Gymnasiallehrerin.

Ganz aktuell ist in Ergenzingen die Flüchtlingspolitik. Auf der Liebfrauenhöhe haben einige Menschen Zuflucht gefunden. Morgen sollen zwei syrische Familien in ein Haus der evangelischen Kirchengemeinde einziehen. Die Reaktion der Bürger sei schon anders, wenn Flüchtlinge auf der anderen Seite des Gartentors „und nicht weit weg“ wohnen sollen, stellte Ortsvorsteher Reinhold Baur bei einer Info-Veranstaltung für Anwohner fest. Wenn die Menschen nicht wissen, wer kommt, seien sie ängstlich, sagte Marshall. Sie ist Ansprechpartnerin für die Flüchtlingswohnungen im Haus der Evangelischen Kirche ist. „Wie in jeder Wohngemeinschaft lassen sich Probleme durch persönliche Gespräche klären.“

Holzmann warnte vor zu viel Bürokratie: „Die jungen Leute müssen in Arbeitsverhältnisse.“ Dann bekämen sie das Gefühl, anerkannt zu sein, statt nur geduldet zu werden und von Almosen leben zu müssen. Kliche-Behnke sagte, ein Drittel der Flüchtlinge sei traumatisiert und brauche zunächst psychologische und medizinische Versorgung. Außerdem müssten die Flüchtlinge erst über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. „Einige brauchen einen Alphabetisierungskurs, weil sie noch nie eine Schule besucht haben.“ Andererseits gebe es für ausländische Akademiker, die fließend Englisch sprechen und wahrscheinlich ein Bleiberecht bekommen, spezielle Deutschkurse in Stuttgart, sagte Nohr.

100 000 Asylbewerber erwartet Baden-Württemberg im laufenden Jahr. Das werde wohl zu einer Anspannung auf dem Wohnungsmarkt führen. Die Anschlussunterbringung können die Kommunen auf Dauer nicht allein lösen, sagte Steur. „Dafür müssen private Vermieter gewonnen werden.“

Nohr hofft, dass die Diskussion darüber, wie viele Quadratmeter einem Flüchtling zustehen, nicht Wahlkampfthema wird. „Diese Diskussion sollte nicht auf dem Rücken von traumatisierten Menschen ausgetragen werden.“ „Wir diskutieren aus einer wohlsituierten Position, sagte Monika Zorell. „Hartz-IV-Empfänger empfinden das anders.“ Deshalb müsse in den sozialen Wohnungsbau investiert werden, sagte Steuer, damit es nicht zu Konflikten mit einkommensschwachen Bürgern komme.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball