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Nach dem Hagel Kündigung · Verbraucherzentrale gibt Tipps

SV-Versicherung: Nur eine Handvoll Verträge aufgelöst

Den 28. Juli 2013 werden viele Menschen in der Region so bald nicht vergessen. In wenigen Minuten deckten riesige Hagelkörner unzählige Dächer ab. In den allermeisten Fällen zahlte die Elementarversicherung. Doch was, wenn die ihren Kunden nach der bewilligten Reparatur den Vertrag kündigt?

17.07.2015
  • Volker Rekittke

Kreis Tübingen. „Extreme Wetterlagen und schwere Unwetter nehmen nachweislich zu“ meldete unlängst die Sparkassen Versicherung (SV) – und mahnte: „Versicherung und Vorsorge werden immer wichtiger.“ Etwa 70 Prozent aller Wohngebäude in Baden-Württemberg sind über die SV elementarversichert (siehe Kasten). Allein beim Marktführer lag die Schadenshöhe des Hagels vom Juli 2013 bei rund 600 Millionen Euro. Das Hagelunwetter war das größte „Elementarschadenereignis“ in der Geschichte der SV.

SV-Versicherung: Nur eine Handvoll Verträge aufgelöst

Auch das Dach von Andreas Maier (Name geändert) wurde am 28. Juli 2013 vom Hagel demoliert. Er meldete den Schaden bei der SV, bei der das Rottenburger Haus seit vielen Jahren „immer schadenfrei“ versichert war – und der „fünfstellige Betrag“ wurde anstandslos beglichen.

Der Handwerker, der nach dem Hagel auch bei anderen zerstörte Dächer in Augenschein nahm und reparierte, hatte beim eigenen Dach keine überdurchschnittliche Schadenshöhe festgestellt. Deshalb staunte er nicht schlecht, als er einen Brief von der Versicherung bekam: „Aufgrund des Schadenfalls (...) können wir Ihren Versicherungsvertrag leider nicht mehr weiterführen und kündigen hiermit.“ Man müsse „im Interesse all unserer Versicherten darauf achten, dass einzelne Verträge nicht durch eine überdurchschnittliche Schadenquote den gesamten Schadenverlauf zu negativ beeinflussen, weil sich das auf die Beiträge sämtlicher Kunden auswirkt.“

SV-Versicherung: Nur eine Handvoll Verträge aufgelöst

„Wir kündigen normalerweise keinem Kunden“, sagt SV-Sprecherin Sylvia Knittel. Schließlich sei die SV bei Gebäudeversicherungen Marktführer – „und wir haben auch vor, das zu bleiben.“ Im Zusammenhang mit dem Hagel habe es nur „eine Handvoll“ außerordentliche Kündigungen gegeben. Wie viele ordentliche Kündigungen es 2013 gab und ob diese Zahl von anderen Jahren abwich, konnte Kittel nicht sagen. Die SV habe die sehr hohe Schadenssumme über Rückversicherer, extra für solche Fälle angelegte Reserven („Schwankungsrückstellungen“) sowie aus dem laufenden Geschäft aufgebracht. Grundsätzlich, so Kittel, würden Versicherungen bei sich häufenden Wetterkapriolen und damit verbundenen Schäden nicht etwa einzelne Kunden rauswerfen („da hätten wir ja vielen kündigen müssen – bei 600 Millionen Euro“), sondern eben für alle die Beiträge erhöhen. So sei die Wohngebäudeversicherung heute teurer als vor einigen Jahren.

Warum nicht nach einem besseren Tarif schauen?

Kündigungen nach Schadensfällen – „das ist ein Thema, mit dem wir viel zu tun haben“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Meist würden Versicherer dann jedoch ordentlich kündigen, also zum Ende der einjährigen Verträge, die sich ansonsten automatisch verlängern. „Außerordentliche Kündigungen nach einem konkreten Schadensfall sind eher selten.“

SV-Versicherung: Nur eine Handvoll Verträge aufgelöst
Nach dem Hagelunwetter vom 28. Juli 2013 waren tausende Dächer in der Region mehr oder weniger stark zerstört.

Dagegen machen kann man nichts, sagt Grieble. Allerdings sollten Betroffene den Versicherer fragen, ob sie nicht selbst kündigen können. Dann müsse man beim Neuabschluss einer Versicherung nicht ankreuzen, dass einem bereits gekündigt wurde. „Das klappt auch häufig.“ Auch könne man mit der Versicherung verhandeln, ob eine Vertragsverlängerung zu anderen Konditionen möglich sei.

Grieble sieht aber auch „einen positiven Nebeneffekt“ bei einer Kündigung: Man könne das zum Anlass nehmen, zu schauen, ob es nicht anderswo einen Tarif zu besseren Konditionen gibt. „Gerade bei Elementarversicherungen bleiben viele über Jahrzehnte ihrem Versicherer treu.“

Eine Elementar-Gebäudeversicherung beinhaltet in den allermeisten Fällen nicht nur eine Absicherung gegen Hochwasser und Überschwemmung, sondern auch gegen Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch und Erdbeben, zudem gegen Hagel, Sturm, Brand, Blitzschlag, Explosion und Implosion.

Abgedeckt sind bei solch einer Wohngebäudeversicherung alle Schäden am Gebäude selbst, zum Beispiel Unterspülungen, zerstörte Elektrik, Fenster, Tapeten, Putz und Holzböden – alles, was fest mit dem Gebäude verbunden ist. Möbel, Tiefkühltruhe oder Computer müssen hingegen über eine Hausratversicherung extra abgesichert werden.

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17.07.2015, 12:00 Uhr

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