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Kleider für Könige

Sammler Artur Walther und Ulmer Museum zeigen moderne Fotografie und historische afrikanische

Juwelen aus zwei Schatzkammern: Die Ausstellung "Gewebte Identitäten" in Ulm kombiniert afrikanische Prunk-Tuniken mit Foto- und Videokunst.

06.06.2013

Von LENA GRUNDHUBER

Ulm "Ejn Rock oder Kleid / wie es die Könige zu Haarder zu tragen pflegen / mit gar grossen und weiten Ermlen", so beschreibt Christoph Weickmann seine Erwerbungen im Jahr 1659. Dass es wertvolle Stücke waren, die ihm da aus Haarder, dem heutigen Allada in Afrika zugetragen worden waren, wusste der Ulmer Kaufmann. Die Forschung gibt ihm recht: Die zwei Tuniken gelten heute als älteste vollständig erhaltene Kleidungsstücke aus Baumwolle von südlich der Sahara. Gekommen aus dem heutigen Benin, gewebt wahrscheinlich in Mali. Die Ausstellung "Gewebte Identitäten", die jetzt im Ulmer Museum zu sehen ist, stellt die Tuniken ins Zentrum, die sonst zu Weickmanns Kunst- und Naturkammer einige Treppenstufen höher gehören, und in den Kontext moderner Foto- und Videokunst.

Zustande kam diese Schau mehr oder weniger durch einen Zufall: Als eine amerikanische Wissenschaftlerin in Ulm die Gewänder untersuchte, wurde sie mit dem Neu-Ulmer Sammler afrikanischer Fotografie, Artur Walther, bekanntgemacht. Der entflammte sofort für die Objekte - um festzustellen, dass sie weltbekannt sind. "Es gibt Sachen in diesem Museum, die müssen herausgenommen und gezeigt werden", sagt er, "jedes Museum hätte diese Gewänder gern." Um sie standesgemäß zu inszenieren, lieh er dem Museum einige seiner wunderbaren Fotografien aus Mali.

Die Kabinettausstellung im zweiten Stock des Museums ist auf diese Weise zu einem Kunstwerk eigener, afrikanischer Art geworden. "Textilien waren ein ganz wichtiger Bestandteil der Kunst", erklärt Museumsleiterin Gabriele Holthuis. Eine der beiden Roben, die wohl für hochstehende Persönlichkeiten zu zeremoniellen Zwecken gefertigt wurden, besteht aus 60 Teilen eines indigoblau-weißen Streifenmusters. Ein Blutfleck lässt darauf schließen, dass sie einmal benutzt wurde. Während das andere, vorderhand unauffälligere, Gewand wohl nie getragen wurde. In Plangi-Technik gefertigt, durchziehen schmale Bänder aus tausend kleinen weißen Kästchen den Stoff.

Die "weiten Ermlen", die Weickmann einst erstaunten, die Stoffmassen, sehen nur in Ruhe so kolossal aus. Wie elegant diese Kleidung einen lebendigen Körper und seine Bewegungen umspielt, zeigen die Bilder dazu, von Seydou Keïta (1921-2001) und Malick Sidibé (geb. 1936). "In der afrikanischen Fotografie spielt die Kleidung eine ganz große Rolle", sagt Walther. Ins 21. Jahrhundert - und in Bewegung - bringt das die kenianisch-britische Videokünstlerin Grace Ndiritu. Sie macht sich selbst zum Modell, den Stoff zum Protagonisten.

Info "Gewebte Identitäten" im Ulmer Museum, Marktplatz 9, bis 12. Januar, Di-So/Feiertag 11-17, Do bis 20 Uhr; "Distanz und Begehren. Begegnungen mit dem afrikanischen Archiv" in der Walther Collection, Reichenauer Straße 21, Neu-Ulm/Burlafingen, 9. Juni- 17. Mai 2015, Infos unter walthercollection.com

Eine von zwei jahrhundertealten Tuniken aus dem heutigen Mali, die im Zentrum der Ausstellung "Gewebte Identitäten" stehen.

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Erstellt:
6. Juni 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Juni 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Juni 2013, 12:00 Uhr

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