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Traktoren, Anhänger, gefüllte Kofferräume

Samstags auf dem Ofterdinger Häckselplatz

Die einen freuen sich, dass sie ihr Grüngut kostenlos abgeben können, die anderen fürchten um ihre Gesundheit (wir berichteten). Gefahren auf dem Häckselplatz: Lebensrisiko oder Luxusproblem?

23.06.2015
  • Claudia Jochen

Ofterdingen. Susanne Priester ist froh und dankbar, dass die Gemeinde Ofterdingen ihren Bürgern einen kostenlosen Häckselplatz zur Verfügung stellt: „In Dußlingen kostet’s was. Wohin mit dem ganzen Zeug? Grüngutabfuhr ist nur zweimal im Jahr!“

Der von der Gemeinde angestellte Ordner, Walter Reutter, hat samstags von 13 bis 16 Uhr alle Hände voll zu tun: „Niemand hat Zeit, allen pressiert’s! Man muss halt mehr Zeit mitbringen.“ Reutter muss den Verkehr regeln, aufpassen, dass nichts Falsches abgeladen wird und bei Fachfragen über Grüngut Auskunft geben.

Denn manche Bürger wüssten nicht, wo genau sie ihr Grüngut ablegen sollen. Und was es genau sein darf, wüssten einige auch nicht. Einmal war sogar einer da, der wollte partout seinen Hasenmist loswerden. Er habe beinahe eine Schlägerei mit Reutter anfangen wollen, „und der war au no von Mössinga!“ erzählt der Ordner. Es dürfen eigentlich nur Ofterdinger ihr Grüngut hier abgeben, aber wenn Reutter nachfragt, dann sind sowieso alle Ofterdinger oder geben das Häckselgut und den Rasenschnitt der gebrechlichen, aber ortsansässigen Urgroßmutter ab. Reutter sagt, von einem Spezialisten sei er nicht eingeführt worden, deshalb wisse er nicht, ob es vielleicht Holzarten gebe, die er gar nicht annehmen dürfe. Holz, Laub, Gras – jedenfalls muss alles getrennt werden, „sonst schimpft der Häcksler“, meint Reutter.

Auf dem Platz geht es zu wie in einer italienischen Metropole, es herrscht das völlige Verkehrschaos. Sogar ein italienischer Motorroller ist da: Im Durchstieg liefert jemand eine große Tüte Rasenschnitt an. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sich aber auch auf einer Sonderschau von alten Traktor-Raritäten befinden: Ein klappriger McCormick und ein gepflegter Kramer versuchen gleichzeitig mit Anhänger zu wenden und überfahren dabei beinahe den Ordner.

Es türmen sich einzelne Haufen an Hecken- und Baumschnitt, jeder ankommt, lädt irgendwo seinen Anhänger aus mit belaubten Ästen oder schaufelt sein Häckselgut aus dem Kofferraum. „Ein Radlader wäre gut. Oder eine Maschine, die gleich vor Ort alles kurz und klein häckselt“ ruft ein Mann Reutter zu. Der zuckt mit den Achseln.

Marlene Klipp findet, der Container für Rasenschnitt, Laub und Blumen sei früher besser zugänglich gewesen, da er von einer Seite her begehbar war. Die Leute seien aber immer zu faul gewesen, bis ganz nach hinten zu laufen, so sei alles in den vorderen Bereich gekippt worden. „Die Leute muss man immer erziehen: Was du nicht willst, das man dir tut...“ seufzt sie.

Die jetzige Lösung mit den Paletten sei jedoch völlig indiskutabel. Wenn dort Laub oder Gras liege, sei es nach einem Regenguss spiegelglatt. „Es ist eine Frage der Zeit, bis hier etwas passiert“, sagt Klipp. Noch sei niemand ausgerutscht oder hingefallen, meint Reutter. Klipp schlägt vor, den Container von beiden Seiten her begehbar zu machen und seitliche Aufbauten anzubringen. Oder man könne Treppchen zum individuellen Verschieben zur Verfügung stellen. Ohne derartige Hilfen könnten vor allem kleinere Menschen den Container nicht befüllen. „Man kommt halt so schlecht hin,“ jammert eine ältere Frau. „Aber oft sind Männer da von Ofterdingen, die mich kennen, die helfen mir. Alloi bring i des edd na.“

Ein älterer Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte, mischt sich ein: „Früher hat es das alles nicht gegeben. Also, wenn es den Häckselplatz nicht gäb‘, dann müsst man ihn erfinden!“ Eine kleine Runde hat sich gebildet. Die Männer und Frauen überlegen und gestikulieren in verschiedene Himmelsrichtungen. Neben dem Häckselplatz führe doch eine Straße vorbei. Wenn man nun eine Einfahrt zum und eine Ausfahrt aus dem Häckselplatz schaffen könnte? Dann müsste man nicht auf engem Raum wenden, sondern könnte durchfahren und das Risiko würde gemindert.

Eine lange Autoschlange hat sich bereits an der Zufahrt gebildet und die rege diskutierende Runde wird vom Ordner augenzwinkernd abgemahnt: „Wenn ihr et überfahra werra wollet, na schwätzet et so viel. D’Leit wellet au ebbes schaffa!“

Info In seiner heutigen Sitzung diskutiert der Ofterdinger Gemeinderat noch einmal über den Häckselplatz. Die Sitzung beginnt um 19.45 Uhr im Rathaus.

Samstags auf dem Ofterdinger Häckselplatz

Samstags auf dem Ofterdinger Häckselplatz

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23.06.2015, 12:00 Uhr

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