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Platz zwei für den Anti-Schimmel-Test

Sarah Weichbrodt aus Wannweil hat mit einer Schulkameradin Reiniger auf ihre Wirksamkeit untersucht

Am Dienstag hat die Schülerin Sarah Weichbrodt aus Wannweil mit der Eningerin Franziska Hild für ihren Test von Anti-Schimmel-Reinigern in Berlin den zweiten Platz beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend testet“ der Stiftung Warentest gewonnen. Damit haben die beiden 17-Jährigen 1500 Euro für ihren Versuch gewonnen.

01.07.2014
  • Birthe Neumann

Wannweil / Berlin. Cladosporium – der Gegner hat einen geheimnisvollen Namen. Sarah Weichbrodt und Franziska Hild haben sich davon aber nicht beeindrucken lassen und ihm den Kampf angesagt. Die beiden Schülerinnen des Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasiums erzählen, dass es sich bei Cladosporium um die am häufigsten im Haushalt vorkommende Schimmelart handelt. „Die Sporen fliegen praktisch immer und überall herum“, erklärt Hild.

Nachdem ihre Chemielehrerin Alette Metz, 43, ihnen zu Schuljahresbeginn in der Forscher-AG vorgeschlagen hatte, bei „Jugend testet“ teilzunehmen, haben sie lange überlegt, für welches Thema sie sich entscheiden sollen. Bis ihr Mathelehrer ihnen erzählt hat, er habe Stockflecken im Keller. „Da haben wir uns gedacht, dass doch jeder schon mal Schimmelpilze in der Wohnung hatte – warum also nicht experimentieren, wie man ihn am besten beseitigen kann?“ sagt Weichbrodt. „Unser Lehrer hat dann auch gleich ein paar Proben für unseren Versuch mitge-bracht.“

Die Schülerinnen haben vier hochpreisige bis günstige Reiniger sowie je einen Schimmelschutz aus Supermarkt und Baumarkt getestet. Ausgewählt haben sie die Produkte nach Zufallsprinzip. Als Nährboden für Schimmelsporen haben sie in Petrischalen gegossenes Malzextrakt-Agar benutzt. „Die fertigen Schalen haben wir einfach für ungefähr sieben Stunden bei uns zu Hause ins Bad, in den Keller und in die Küche gestellt. Danach haben wir sie abgedichtet und für eine Woche bei Raumtemperatur unter den Abzug im Chemielabor gestellt, damit keine anderen Stoffe daran kommen“, erläutert Hild. Dann wurden die Pilze mit den Anti-Schimmel-Produkten besprüht und die Entwicklung über mehrere Wochen beobachtet.

Ein gutes halbes Jahr haben die beiden so gemeinsam experimentiert und getestet. Selbst in den Ferien sind die Schülerinnen mit ihrer Chemielehrerin in die Schule gekommen und haben das Wachstum der Schimmelpilze überprüft. „Freibad kann jeder, wir wollten ins Chemielabor“, sagt Hild und lacht. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. „Am Anfang hat unsere Klasse auch etwas zurückhaltend reagiert, weil wir jede Woche zusätzlich zum Unterricht noch zwei Extrastunden Forscher AG haben, dazu die Ferienarbeit. Aber jetzt sagen alle, sie hätten auch gerne mitgemacht“, erzählt Hild weiter.

Aber welcher Reiniger hilft denn nun am effektivsten gegen Schimmel? Bekannte Marken sind nicht immer die erste Wahl, ist beim Test herausgekommen. Am besten hat sogar der „Schimmel-Vernichter“ von MEM aus dem Baumarkt abgeschnitten. Am schlechtesten wurde hingegen das Produkt eines bekannten Reinigungsmittelherstellers benotet. „Interessant ist, dass die Produkte von den Inhaltsstoffen her alle ähnlich sind. Aber auf die Zusammensetzung kommt es an“, erklärt Weichbrodt. Schimmelpilze seien gegen fast alles resistent, sagt Hild: „Selbst Kälte macht ihnen häufig nichts aus.“

Getestet haben die beiden die Reinigungsmittel auf Wirksamkeit, Sicherheit, Gefährdung für Mensch und Umwelt, Handhabung und Preis-Leistungs-Verhältnis. Über diese Kriterien habe die beiden Schülerinnen sich aber erst wäh-rend der Versuchsphase Gedanken gemacht. „Das hat sich einfach so im Laufe des Versuchs ergeben. Nur ein Kriterium war uns von Anfang an klar: Wir wollten auf jeden Fall testen, wie kindersicher die Flaschen sind“, sagt Hild.

Dass sie überhaupt als eins der besten sechs Teams ausgewählt wurden, damit haben die beiden Schülerinnen gar nicht gerechnet. Umso größer war die Freude, dass sie nach Berlin fahren durften. Denn neben der Preisverleihung am Dienstag um 11.30 Uhr, bei der Verbraucherschutzminister Heiko Maas als Schirmherr des Wettbewerbs die Festrede hielt, hat Stiftung Warentest für die sechs Gewinnerteams ein straffes Berlin-Programm aufgestellt: Stadtrallye, Musical mit Bühnenführung und Abendprogramm sind Teil des Gewinns.

Von den 1500 Euro Preisgeld, das die beiden gewonnen haben, wollen Weichbrodt und Hild ihre Lehrerin Alette Metz erst mal zum Pizzaessen einladen. Außerdem planen sie, einen Teil des Geldes an die Schulförderung zu spenden, die Kindern aus Geringverdiener-Familien etwa Zuschüsse für Klassenfahrten gewährt.

Nach dem Abi nächstes Jahr streben die beiden übrigens kein Chemie- oder Biologie-Studium an. Stattdessen sind Luft- und Raumfahrttechnik bei Hild und „am liebsten was mit Autos und Technik“ bei Weichbrodt angedacht. Forschergeist haben die beiden jedenfalls schon mal bewiesen.

Sarah Weichbrodt aus Wannweil hat mit einer Schulkameradin Reiniger auf ihre Wirksamkeit untersucht
Das Testen hat sich gelohnt: Die Schülerinnen Franziska Hild (links) und Sarah Weichbrodt vom Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasium haben beim bundesweiten Wettbewerb der Stiftung Warentest den zweiten Platz belegt.

Sarah Weichbrodt aus Wannweil hat mit einer Schulkameradin Reiniger auf ihre Wirksamkeit untersucht
Ausgezeichnet: Sarah Weichbrodt (links) und Franziska Hild bei der Preisverleihung in Berlin zwischen Heiko Maas, Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz (links), und Hubertus Primus von Stiftung Warentest.

Der Wettbewerb „Jugend testet“ der Stiftung Warentest wird jedes Jahr ausgeschrieben, mitmachen können alle Zwölf- bis 19-jährigen. Es ist möglich, alleine, zu zweit, in einer größeren Gruppe oder sogar als Klasse teilzunehmen. Aufgabe ist es, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu testen. Thema, Testmethode und Prüfkriterien müssen eigenständig festgelegt werden. Die Jury bewertet genaues Beobachten und Kreativität. Zu gewinnen sind Geldpreise im Gesamtwert von rund 9000 Euro und Reisen nach Berlin. Weitere Informationen zum Wettbewerb unter https://www.test.de/jugendtestet.

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01.07.2014, 12:00 Uhr

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