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24.11.2015

Rudi Dutschke ist tot, hat aber gerade in Berlin eine nach ihm benannte Straße bekommen. Uschi Obermaier lebt und darf sich nun an dem Film "Das wilde Leben" erfreuen, der ihre bewegte Jugend auf die Kinoleinwände bringt. Das allerdings eher glattgebügelt.

Was wohl aus Uschi Obermaier geworden wäre, wenn sie nicht in der Vorstadt-­Idylle des Münchner Arbeiterviertels Sendling aufgewachsen wäre? "Dieser ewige Totensonntag", jammert sie, gefangen zwischen angegrauten Gardinen und düsteren Wohnzimmermöbeln. Und so gibt es für sie nur einen Weg: raus in die weite Welt. "Das ging nur über einen Mann, je wilder, desto besser", erkennt sie schnell und so fängt ihre Karriere an. Von der hübschen Fotoretuscheurin zum Topmodel, zur Gespielin der Rolling Stones und zum Sexsymbol der wilden 60er Jahre. Wie es dazu kam, ist ab morgen im Film "Das wilde Leben" nach der Autobiografie Obermaiers zu sehen, der allerdings eher bieder geraten ist - was sich mit der wahren Geschichte seiner rebellischen Hauptfigur nur schwer vereinbaren lässt.

In schönen Bildern schildert das Kinodebüt von Regisseur Achim Bornhak mit TV-­Serienschauspielerin Natalia Avelon ("Marienhof") und Matthias Schweighöfer ("Kammerflimmern") in den Hauptrollen, wie sich die selbstbewusste Frau gegen den prüden Zeitgeist auflehnt und mit starkem Willen durchboxt. Avelon hat dabei das Vorbild gut verinnerlicht: Nicht nur optisch könnte man beide für Schwestern halten; auch den bayerischen Akzent eignete sie sich an. Ihr beim Schauspielern zuzusehen, macht Spaß, da sie unbefangen, ohne Scheu an die Sache herangeht.

Um so enttäuschender ist es, dass das spannende Leben Obermaiers von der sexuellen Revolution bis hin zum exzessiven Partyleben mit Mick Jagger und Keith Richards wie weichgezeichnet wirkt und zur netten Liebesgeschichte verkommt, passend gemacht für einen breiten Publikumsgeschmack. Obermaiers Heroinsucht und ihr Absturz mit dem Hamburger Kiez-­Granden Dieter Bockhorn werden nur angedeutet - immerhin ist der Film ab zwölf Jahren freigegeben, was Obermaier entsetzt. "Ich finde, mein Leben ist nicht jugendfrei, wenn das richtig gebracht wird. Ich steh dazu, und ich finde, das ist auch das einzig interessante: Wenn man ehrlich ist, als wenn alles so glatt gebürstelt wird."

Zu den schwächsten Figuren zählt Rainer Langhans. Schweighöfer mit großer Lockenperücke lässt ihn wie eine Figur ohne Biss und vor allem ohne Sexappeal wirken. Dass er Obermaier fasziniert und in die freie Liebe eingeführt haben soll, bleibt unverständlich. Auch den wahren Langhans stört das Bild, das der Film vom "schönsten Paar der APO" in die Welt setzt. In Interviews beschwerte er sich, dass er als verklemmter Typ dargestellt werde. Er habe es ganz anders erlebt, bekannte er jüngst in der "Süddeutschen Zeitung". "Wenn ich ihre Biografie lese und den Film sehe, muss ich mich fragen, ob das alles meine Einbildung war."

Sehenswert ist der Film wegen der Bilder von Kameramann Benjamin Dernbecher. Prachtvoll ist etwa die indische Märchenhochzeit, die eine Maharani für Bockhorn und Obermaier ausrichtete, als die beiden jahrelang mit einem Hippie-­Bus durch Asien und Amerika tourten. Da lobt die Obermaier: "Dieses Gefühl der Zeit, das Bunte, das ist ziemlich gut rübergekommen."

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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