Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Scarface auf afrikanisch
Filmtage-Gast Daouda Coulibaly.Bild: Sommer
Der malisch-französische Regisseur Daouda Coulabily bei den Französischen Filmtagen

Scarface auf afrikanisch

Französische Filmtage Festival-Gast Daouda Coulabily hat mit „Wùlu“ ein packendes Gangsterdrama vor dem Hintergrund des Drogenschmuggels auf der Sahara-Route gedreht.

05.11.2016
  • Klaus-Peter Eichele

2012 ist der Sahel-Staat Mali kollabiert. Im Norden übernahmen Islamisten und aufständische Touareg die Macht, der Süden versank in politischem Chaos. Bis heute hat eine internationale Einsatztruppe, darunter Soldaten der Bundeswehr, die Lage nicht vollständig im Griff. Wer wissen will, wie es zu dem Zusammenbruch kommen konnte, muss der Spur des Geldes folgen – so wie der malisch-französische Regisseur Daouda Coulibaly in seinem starken Debütfilm „Wùlu“.

Das Stichwort heißt Sahara-Route. Vor etwa 15 Jahren, erläutert der Gast der Französischen Filmtage im Interview, mussten sich die südamerikanischen Drogenkartelle nach neuen Transportwegen für ihr Kokain nach Europa umschauen. Einer davon führte per Flugzeug an die westafrikanische Küste und weiter auf dem Landweg ans Mittelmeer oder zu den Kanarischen Inseln. Wer in dieses Geschäft einstieg, konnte schnell reich werden. Zu den großen Profiteuren zählten Touareg-Gruppen und nordafrikanische Al-Kaida-Kader, die damit ihren Aufstand beziehungsweise Krieg gegen den malischen Staat finanziert haben.

Damit jetzt kein Missverständnis aufkommt: „Wùlu“ ist nicht etwa eine politische Dokumentation, sondern ein Gangsterdrama. Coulibaly erzählt die fiktive Geschichte eines jungen Busfahrers aus Malis Hauptstadt Bamako, der in seinem Job nicht vorankommt und sich deswegen als Kurierfahrer für ein örtliches Drogenkartell verdingt. Mit einem präparierten Minibus holt dieser Ladji (Ibrahim Koma) die Ware aus dem Senegal oder Guinea und übergibt sie am Tor zur Sahara an den nächsten Kurier. Weil er in der Hierarchie zügig aufsteigt, schwimmen er und seine Schwester, die zuvor als Hure gearbeitet hat, alsbald im Geld. Doch natürlich ist die Sache auch brandgefährlich und verträgt keine moralischen Skrupel. Es kommt zu Überfällen und ein unsicherer Kantonist muss liquidiert werden. Auch gerät Ladji zunehmend in den Dunstkreis der Drahtzieher und Großprofiteure des Drogenschmuggels: eines französischen Geschäftsmanns, eines korrupten malischen Offiziers – aber eben auch jener, die das Land wenig später in den Zusammenbruch treiben werden.

Erzählerisch zehrt „Wùlu“ stark vom klassischen amerikanischen Gangsterfilm. Einige Kritiker haben ihn mit Brian De Palmas „Scarface“ verglichen. Coulibaly widerspricht da nicht, nennt aber noch einige andere Regisseure, die ihn beeinflusst haben: Jean-Pierre Melville, John Cassavetes und sein malischer Landsmann Souleyman Cissé, von dem zu Unrecht nur die mystische Elegie „Yeelen“ im Kino-Gedächtnis haften geblieben sei.

Einen Genrefilm zu drehen, fand Coulibaly aber auch deswegen klasse, weil er sich damit vom im Westen kursierenden Klischeebild des afrikanischen Kinos distanzieren konnte. „Es wäre mir lieb“, sagt er, „wenn ‚Wùlu‘ nicht als afrikanischer Film rezipiert würde, sondern als Gangsterfilm, der in Afrika spielt“.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.11.2016, 11:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.

Kino Suche im Bereich
nach Begriff
Anzeige