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Kommentar: Asbest am Reutlinger BZN

Schadstoffen auf der Spur

Das Gebäudemanagement der Stadt Reutlingen hat im Bildungs-Zentrum Nord (BZN) in Rommelsbach bei Schadstoffmessungen Asbest-Belastung festgestellt – und prompt kommen Belastungen in Höhe von bis zu drei Millionen Euro auf den städtischen Haushalt zu (wir berichteten). Vollkommen unerwartet, quasi aus der Luft, in der die erhöhte Konzentration von Asbest-Fasern gemessen wurde.

14.07.2015

Ist das Gebäudemanagement also so etwas wie der natürliche Feind des städtischen Kämmerers? Amtsleiter Peter Geier lacht und sagt: „Nein, sicher nicht. Natürlich ist nur, dass wir uns mit den Schadstoffen mittlerweile stärker beschäftigen, weil das Umweltbewusstsein gestiegen ist und der Gesetzgeber darauf reagiert hat.“

Die Stadt gibt jährlich 250 000 Euro für entsprechende Untersuchungen aus. Bei einem Jahresumsatz von 7,4 Millionen Euro des Gebäudemanagements sind das rund drei Prozent. Zehn technische Manager sowie Geiers Stellvertreter Peter Gebert sind mit einem Teil ihrer Arbeitszeit dafür verantwortlich. Im Zyklus von zehn Jahren gehe das Gebäudemanagement einmal durch alle Bauteile durch, sagt der Amtsleiter. „Auch heute wird trotz schärferer Vorschriften nicht frei von Schadstoffen gebaut – das wird man in zehn Jahren feststellen“, erklärt er.

Als aktuelle Beispiele nennt er die zur Dämmung verbaute Mineralwolle, aus der bei Beschädigung Fasern austreten, die mit der Atemluft in den Körper gelangen können. „Mittlerweile gibt es modernes, biolösliches Material als Alternative“, sagt Geier. Erst seit dem 1. April diesen Jahres wiederum ist Formaldehyd rechtsverbindlich unter der Kategorie 1B als „wahrscheinlich karzinogen beim Menschen“ eingestuft.

Asbest galt früher als Allheilmittel im Brandschutz – und keineswegs als Schadstoff, als die entsprechenden Bauteile eingebaut wurden. Im Rommelsbacher Bildungszentrum war das vor 40 Jahren der Fall. Nun ist im früheren Sprachlabor bei den Messungen eine Konzentration von 1100 Fasern pro Kubikmeter Atemluft festgestellt worden – der Grenzwert liegt bei 500. Als Quelle wurde ein knapp zwei Zentimeter breiter Asbest-Gewebestreifen zwischen Türrahmen und der Trockenbauwand des Raums ausfindig gemacht.

Deshalb wurde der gesamte Raum abgesaugt, die Fuge mit dem Asbest-Streifen ist abgedichtet worden. Doch nicht nur im früheren Sprachlabor, sondern in der gesamten Umgebung des belasteten Raums: Am ersten Juli-Wochenende sind als Vorsichtsmaßnahme insgesamt 20 Türfugen, aus denen Asbest austreten könnte, abgedichtet worden – Kosten: 12 000 Euro. In den Sommerferien werden die restlichen Türen des BZN-Altbaus provisorisch so verfugt.

Die eigentliche Sanierung, diesen Aufschub erlaubt der Gesetzgeber, beginnt im nächsten Jahr und dauert bis 2018: Dann werden während der Sommerferien alle 135 Türen ausgewechselt sowie mit Asbest belastete Decken-Elemente ausgetauscht. Das verschlingt bis zu drei Millionen Euro.

Kann Geier bis zum großen Umbau im nächsten Jahr auch ruhigen Gewissens Entwarnung geben? „Ja, ganz sicher. Denn der Gesetzgeber gibt strenge Richtlinien vor, und bis zur Sanierung werden wir das Gebäude ständig überprüfen“, sagt der Gebäudemanager. Zudem überlegt sein Amt, ob der zehnjährige Zyklus der Schadstoff-Untersuchungen nicht sogar noch verkürzt wird. Das dürfte dann den städtischen Kämmerer sicherlich nicht gerade in Verzückung stürzen. Thomas de Marco

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14.07.2015, 12:00 Uhr

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