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Abgaben

Schäubles kleine Steuerreform

Die Steuerlast wird sinken, doch nicht so stark, wie es sich die meisten wünschen. Viel mehr als eine Schachtel Zigaretten im Monat kann sich davon kaum einer leisten.

30.12.2016
  • GUIDO BOHSEM

Berlin. Als die Steuerschätzer 2015 wieder einmal ein Milliardenplus für die Staatskasse prognostizierten, ging Wolfgang Schäuble (CDU) in die Offensive. Angesichts der stetig steigenden Einnahmen des Staates versprach der Finanzminister eine Steuersenkung. Die sogenannte kalte Progression sollte entschärft werden. Diese gilt als heimliche Steuererhöhung, weil sie die Steuerlast für den Bürger steigen lässt, auch wenn das Einkommen nur der Preissteigerung angepasst wird. 2016 gab es die erste Entlastung. 2017 steht nun die nächste an. Auch andere Erleichterungen hält Schäuble bereit. Der Grundbetrag und die Kinderfreibeträge steigen – also der Teil des Einkommens, auf den das Finanzamt keinen Zugriff hat. Zudem zahlt der Staat je zwei Euro mehr Kindergeld.

Für die Durchschnittsverdiener im Westen sind das erfreuliche Nachrichten, einigermaßen jedenfalls. Denn laut Berechnungen des Berliner Steuerprofessors Frank Hechtner werden viele von ihnen entlastet. Doch kommen bei den meisten nur geringe Beträge an (siehe Tabelle). So haben Singles am Ende des Jahres maximal 100 Euro mehr in der Tasche, jedenfalls bei einem monatlichen Bruttolohn von 6000 Euro. Für Verheiratete mit zwei Kindern springen maximal 298 Euro heraus. Dafür müssen sie allerdings ein stolzes monatliches Familieneinkommen von 12 000 Euro erzielen.

Für Gering- und auch für Besserverdiener allerdings kommt es unter Umständen sogar zu einer Belastung. Wer als Ehepaar ohne Kinder zusammen bis zu 1750 Euro brutto im Monat verdient, zahlt am Ende des Jahres mitunter 21 Euro drauf. Bei Singles mit einem monatlichen Brutto ab 6500 Euro zieht der Staat 2017 insgesamt 29 Euro mehr vom Lohn ab als noch in diesem Jahr. Für Paare mit zwei Kindern sieht es besser aus. Wenn nur einer arbeiten geht und dabei einen monatlichen Bruttolohn von 6000 Euro mit nach Hause bringt, kann er 2017 zusätzlich 120 Euro verbuchen. Verdient der Ehepartner zusätzlich 2500 Euro im Monat, beträgt die Entlastung 192 Euro.

Dass die Steuersenkung für den Einzelnen so gering ausfällt und in manchen Fällen sogar eine höhere Belastung entsteht, liegt nach Hechtners Worten an den steigenden Kosten für die Sozialversicherungen. Die Beiträge für die Pflegeversicherung steigen um 0,2 Punkte (für Kinderlose um 0,25 Punkte) auf 2,55 Prozent (Kinderlose: 2,8 Prozent). Dadurch werden insbesondere die niedrigen Einkommen belastet, weil bei Ihnen die höheren Grundfreibeträge für keine Entlastung sorgen. Bei den Besserverdienern macht sich negativ bemerkbar, dass die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung um 150 Euro auf 6350 Euro im Monat steigt.

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30.12.2016, 06:00 Uhr

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