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Schatten auf der Lichtgestalt
Franz Beckenbauer war Chef des Bewerbungs- und des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft, die vor zehn Jahren in Deutschland ausgetragen wurde. Foto: dpa
Sommermärchen

Schatten auf der Lichtgestalt

Vor einem Jahr gab es die ersten Enthüllungen über das Sommermärchen. Franz Beckenbauer meidet die Öffentlichkeit. Viele fragen sich: Ist der Kaiser krank?

14.10.2016
  • DPA

München. Für den DFB ist Franz Beckenbauer immer noch „das größte Aushängeschild des deutschen Fußballs“. So lautet der Superlativ auf der Homepage des Verbandes in einem Porträt über den Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Aber auf die Lichtgestalt sind lange Schatten gefallen. Und wo der Kaiser heutzutage hinkommt, muss er das Recht fürchten. Beckenbauer ist alt geworden, und er ist längst nicht mehr der Alte. Freunde und Fans machen sich Sorgen: Ist der Franz ernsthaft krank?

Offiziell hört man dazu nichts. Über seinen gesundheitlichen Zustand gibt es von seinem Büro keine Auskunft. Auch nicht vom DFB. Kein Wort auch auf der Verbandsseite über Beckenbauers tiefen Fall im Skandal um die Weltmeisterschaft 2006 und über seine Verstrickung in dubiose Millionen-Zahlungen. Am Sonntag jährt sich der Tag, an dem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die ersten Enthüllungen über das „Sommermärchen“ veröffentlichte – und damit ein Beben im Land des Weltmeisters auslöste.

Franz Beckenbauer als launiger Mittelpunkt von Empfängen und Ehrungen, als vertrauensvoller Werbeträger, als TV-Gast-Kommentator – diesen Franz Beckenbauer gibt es nicht mehr. Der 71-Jährige ließ zuletzt nur noch seine Anwälte für sich sprechen. Öffentliche Auftritte meidet er.

Zuletzt erlitt der Ruf des Weltmeister-Spielers von 1974, Weltmeister-Trainers von 1990 und Weltmeister-Organisators von 2006 einen weiteren massiven Imageschaden: Der Mythos des großzügigen Machers („Ich mache das natürlich ehrenamtlich“) ist dahin, seit bekannt wurde, dass Beckenbauer 5,5 Millionen Euro als Werbefigur für Oddset erhielt. Abgerechnet über das Konto des WM-OK. Der staatliche Sportwettanbieter war Nationaler Förderer der Fußball-WM. Der Vertrag wird vom DFB und von Beckenbauer vertraulich gehandelt.

Auch wenn seine Anwälte ein Fehlverhalten bestreiten: Des „Kaisers“ neue Kleider sind noch mehr befleckt. „Das hat er nicht verdient“, kommentierte der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger die jüngsten Schlagzeilen.

„Das hat er nicht verdient“ – keinen Satz hört man aus der Fußballszene öfter, wenn es um „den Franz“ geht, mit dessen Anwesenheit man sich über Jahrzehnte hinweg geschmückt hat. Klar ist inzwischen: Er hat verdient – und das nicht schlecht.

Bis vor wenigen Monaten, so schrieb die „Frankfurter Rundschau“, war Beckenbauer der „unumstritten wichtigste und weltweit bekannteste, ja auch beliebteste Repräsentant“ des DFB. Noch zu seinem 70. Geburtstag im September 2015 nannte ihn Ligapräsident Reinhard Rauball „ein Geschenk für den Fußball“, Günter Netzer „das größte Glück des deutschen Fußballs“.

Nun aber ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft gegen Beckenbauer und weitere Mitglieder des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006. Der Verdacht lautet: Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei, Veruntreuung. Es geht um dubiose Überweisungen von 6,7 Millionen Euro zuerst nach Katar an Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam und dann über das WM-Ok und die Fifa zurück zu Kreditgeber Robert Louis-Dreyfus.

Die Spur führt zu Beckenbauer und könnte für ihn strafrechtliche Konsequenzen haben. Er ist von der Bildfläche und den Bildschirmen verschwunden. Der Wahl-Österreicher lebt zurückgezogen in Salzburg mit seinen beiden jüngsten Kindern und Ehefrau Heidi. Das Denkmal Beckenbauer bröckelte in den vergangenen zwölf Monaten ganz gewaltig.

„Wo der Kaiser hinkommt, da steht ihm das Recht offen“, so lautet ein deutsches Sprichwort. Nun scheint vor allem die Zukunft des „Fußball-Kaisers“ offen. dpa

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14.10.2016, 06:00 Uhr

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